"Wir sind immer noch ungeschlagen, aber für mich waren es zwei Punkte zu wenig", begann Nico Schlotterbeck am Sky-Mikrofon seine Rückschau auf das 1:1 gegen RB Leipzig. Damit endete nicht nur eine Serie von vier Siegen am Stück, sondern erstmals seit dem ersten Spieltag kassierten die Dortmunder auch wieder einen Gegentreffer. Einen besonders ärgerlichen.
Nicht nur Schlotterbeck sprach von einem "blöden Standard-Gegentor", auch Niko Kovac kritisierte die Verteidigung des Treffers von Christoph Baumgartner infolge eines kurz ausgeführten Leipziger Freistoßes nahe der Mittellinie: "Natürlich haben wir bei dem Freistoß geschlafen. Wenn der Gegner die Seite verlagert, müssen wir auch wissen, dass der Ball auf die Seite hingespielt wird, wo er dann hingespielt wurde. Da gab es ein bisschen Abstimmungsprobleme."
Kovac vertraute Schlotterbeck trotz früher Gelben Karte
Dass es überhaupt zu diesem Freistoß gekommen war, lag auch an einem Ballverlust von Karim Adeyemi, nach dem Schlotterbeck den umschaltenden Romulo per Grätsche gestoppt hatte. Was in der 6. Minute bereits die frühe Verwarnung des Verteidigers zu Folge hatte. Angesichts einer intensiven Partie keine ungefährliche Konstellation. Für Kovac aber kein Grund zur Sorge: "Man sieht, mit welcher Routine er es runtergespielt hat. Man muss als Trainer auch aufpassen, dass es nicht mit zehn Mann zu Ende geht, aber bei Nico hatte ich jetzt keine Probleme, deswegen habe ich ihn nicht ausgewechselt."
Mit der Reaktion seiner Mannschaft in Form des Ausgleichs durch Yan Couto zeigte sich Kovac zufrieden und erklärte seine Überlegungen für das restliche Spiel mithilfe eines Zitats seines ehemaligen Trainers Giovanni Trapattoni: "Wenn du nicht gewinnen kannst, darfst du nicht verlieren."
Gerade im zweiten Durchgang häuften sich - vor allem zu Beginn und in der Schlussphase - die Chancen. Und auch wenn RB einige gute Möglichkeiten hatte, war Schlotterbeck mit dem Remis nicht zufrieden: "Wir haben einen Punkt gegen Leipzig geholt, das ist nicht schlecht, aber nicht das, was wir wollten."
Für Kovac stand aber vor allem im Vordergrund, "dass man in die Länderspielpause mit einem besseren Gefühl reingeht, als wenn man ein Bundesliga-Spiel verliert". Schließlich müsse man sonst "zwei Wochen auf die nächste Chance warten und die nächste Chance ist ja dann in München".
Schlotterbeck freut sich über Nagelsmanns "Anerkennung"
Vorher ist aber eben Länderspielpause, und diesmal ist auch wieder Schlotterbeck unterwegs. Für den Verteidiger ist die Nominierung "eine Anerkennung, weil ich sechs Monate keinen Fußball gespielt, dann drei Spiele gemacht habe. Nominiert zu werden ist eine Art Wertschätzung von Julian."
Und gerade weil Schlotterbeck so lange raus war und gegen Leipzig gerade erst sein viertes Saisonspiel machte (inklusive Joker-Einsatz in der CL), findet es Kovac "total normal, dass man einen Spieler, der fünfeinhalb Monate verletzt war, nicht zweimal 90 Minuten spielen lassen muss". Gerade im ersten Spiel am kommenden Freitag gegen Luxemburg ist der Coach davon überzeugt, dass "alle anderen das auch so weit hinkriegen".
Wichtiger sei die Partie am Montag darauf gegen Nordirland. "Deswegen hoffe ich, dass er ein paar Minuten gegen Luxemburg bekommt, aber auch nur ein paar. Und dann soll er gegen Nordirland zeigen, was er kann, damit die deutsche Nationalmannschaft dann auch gewinnt", lautete Kovacs klarer Wunsch an Nagelsmann.
Sicher auch mit dem Hintergedanken, dass ein fitter Schlotterbeck beim anstehenden Topspiel beim FC Bayern (18. Oktober, 18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) wichtig wäre. Schlotterbeck ließ schon am Samstag eine kleine Kampfansage da: "Danach gehen wir nach München und wollen gewinnen."