Roger Schmidt war nach knapp drei Jahren bei Bayer Leverkusen auf seinen sämtlichen Auslandsstationen zum Titelsammler aufgestiegen, wurde in China mit Beijing Guoan und in den Niederlanden mit der PSV Eindhoven Pokalsieger, holte in Portugal mit Benfica die Meisterschaft und den Supercup.
Seit der Freistellung in Lissabon vor rund einem Jahr hatte er eine Pause eingelegt, jetzt ist klar: Er kehrt nicht als Trainer auf die Fußball-Bühne zurück. Schmidt firmiert ab dem 1. Oktober als Global Football Advisor der J.League.
"Nicht mehr als Klubtrainer zu arbeiten, ist für mich keine neue Entscheidung"
Ein Teil des für Außenstehende überraschenden Schrittes stand für Schmidt schon länger fest. "Nicht mehr als Klubtrainer zu arbeiten, ist für mich keine neue Entscheidung", sagt er gegenüber dem kicker. "Für mich war schon vor der Unterschrift bei Benfica klar, dass ich danach eine Pause machen möchte, weil ich Zeit für Dinge außerhalb des Fußballs, vor allem für meine Familie, haben möchte." Diese Haltung hat sich nicht verändert.
„Ich habe nie offiziell verkündet, dass ich nicht mehr Trainer sein werde.“ (Roger Schmidt)
Ob es den Vereinstrainer Schmidt nie wieder gibt, lässt er zum jetzigen Zeitpunkt offen. "Ich habe nie offiziell verkündet, dass ich nicht mehr Trainer sein werde, aber ich hatte diesbezüglich für mich immer eine klare Haltung zuletzt und habe nicht jede Woche neu überlegt. Ich möchte mir auch jetzt keine Ziele setzen, sondern offen bleiben." Sein neues Ziel nimmt er ab diesem Mittwoch offiziell ins Visier.
Japan will eine nachhaltige Entwicklung
Der Job in Japan passt in seine Lebensplanung, bedeutet für ihn zudem ein völlig neues Projekt. Er ist zunächst bis Ende Juni des kommenden Jahres in beratender Funktion bei der japanischen Liga angestellt, soll mit seiner Expertise mithelfen, die J.League weiterzuentwickeln.
Statt mit dem großen Geld für große Stars strebt Japan einen anderen Weg an, will eine nachhaltige Entwicklung: Schmidt soll Seminare für Trainer und Sportdirektoren halten, vor Ort aber auch gezielt mit Nachwuchstrainern und Akademiespielern arbeiten. Er sagt: "Mich hat die Vision und Motivation, Dinge zu verändern, sehr angesprochen."
Schmidt wird in den kommenden neun Monaten immer wieder in Japan vor Ort sein, wird mit Trainern und Spielern aus den Nachwuchsbereichen auch auf dem Platz arbeiten. Zu dem Projekt gehören aber auch Europareisen von japanischen Nachwuchstrainern.
Das Ziel des Projekts ist eine Entwicklung von der Basis an aufwärts. Yoshikazu Nonomura, als Vorsitzender der J.League Initiator der Zusammenarbeit, erhofft sich eine nachhaltige Entwicklung durch neue Anstöße: "Wir sind sehr glücklich und überzeugt, dass Roger Schmidt sein Wissen und seine Erfahrung mit der J.League und den J-Klubs teilen und damit einen Entwicklungsprozess anstoßen wird."