66 Länderspiele für den DFB, Rekordhalterin für die meisten Spielminuten ohne Gegentreffer in der Frauen-Bundesliga, Welttorhüterin, Olympia-Siegerin. Almuth Schult hat jahrelang bewiesen, auf welchem Niveau sie zwischen den Pfosten steht. Im März diesen Jahres beendete sie im Alter von 34 Jahren ihre Karriere - nicht ganz freiwillig. Im neuen kicker-Podcast "Verboten gut - Wie Frauen den Fußball erobern" erzählt Schult ausführlich von ihrem Versuch, Karriere und Kinder zu vereinbaren.
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Zum ersten Mal Bundesliga-Luft schnupperte sie beim damaligen Bundesligisten SC 07 Bad Neuenahr, für den sie zwischen 2011 und 2013 insgesamt 43 Spiele absolvierte. Der nächste Karriereschritt sollte dann den endgültigen Durchbruch bedeuten. Nach ihrem Wechsel zum VfL Wolfsburg 2013 startete ihre Erfolgsgeschichte. Sechs deutsche Meisterschaften und acht Pokalsiege feierte sie mit den Wölfinnen, 2014 gelang der Gewinn der Champions League. Im selben Jahr wurde sie Welttorhüterin.
Doch neben der Fußballkarriere stand für Schult auch früh schon fest, dass sie eine Familie gründen möchte. "Ich habe schon in jungen Jahren hinterfragt: Was wäre eigentlich, wenn - und warum gibt es keine Mütter im Fußball?", erzählt sie im Podcast. Die Reaktion ihres Vereins und des DFB: "Da wurde einem immer eher ein Lächeln entgegengeworfen, nach dem Motto: Man wird es dann sehen, wenn es so weit ist."
„Man hat diese Zweifel von außen sehr, sehr stark gespürt.“ (Almuth Schult)
2020 war es dann so weit: Schult wurde Mutter von Zwillingen. Insbesondere bei der ersten Schwangerschaft spürte sie die Skepsis, ob ein Comeback wirklich möglich sein würde. "Man hat diese Zweifel von außen sehr, sehr stark gespürt", erinnert sich die 34-Jährige.
Viele Vorbilder gab es für Schult im deutschen Frauenfußball nicht. Comeback-Geschichten nach einer Schwangerschaft? Unüblich. "Es war immer so: Wenn jemand schwanger geworden ist, dann war die Karriere vorbei". Ein Szenario, das für sie nie infrage kam. "Ich hatte schon das Vorhaben, wieder zurückzukommen", erklärt sie.
Und trotz der Zweifel und Vorbehalte von außen: Bereits kurz nach der Geburt begann sie, an ihrer Rückkehr auf den Platz zu arbeiten. "Da musste man dann auch schauen: Wie reagiert der Körper überhaupt? Wie kann man wieder trainieren? Das war dann so ein Ausprobieren von Tag zu Tag."
Comeback und zweite Schwangerschaft
Im Januar 2021 stand Schult dann zum ersten Mal wieder für den VfL Wolfsburg zwischen den Pfosten. In der Bundesliga absolvierte sie seitdem noch 16 Partien und wurde mit Wolfsburg 2022 ein letztes Mal Meister. Sie wechselte in die USA zu Angel City FC.
Dort ist Situation für Mütter eine komplett andere. "Da gibt es eine ganz andere Herangehensweise. In den USA ist eine Mutterschaft im Team Normalität", erklärt sie. "Da gibt es auch kein so richtiges Tabu, sondern wenn die Kinder neben dem Trainingsplatz oder in der Kabine rumlaufen, ist das für alle okay. Und auch wenn vielleicht in der Halbzeitpause ein Kind gestillt wird, würde sich da niemand drüber aufregen", so Schult.
Auch die vertraglichen Rahmenbedingungen sind für Mütter wesentlich besser: Die Spielerinnen bekommen einen Bonus für die Kinderbetreuung bezahlt, die Vereine tragen die Reise- und Verpflegungskosten für die Kinder und eine Begleitperson. Es gibt zudem auch Sonderurlaub, wenn sich eine Spielerin künstlich befruchten lassen möchte oder Eizellen entnehmen lassen möchte, um zu einem späteren Zeitpunkt schwanger werden zu wollen.
„Ich habe das Gefühl: Wenn man sagt, man hat drei Kinder, ist man in Europa nicht mehr erwünscht“ (Almuth Schult)
Anfang 2023 gab Schult dann bekannt, erneut ein Kind zu erwarten. Die zu dieser Zeit vereinslose Keeperin brachte es im August 2023 zur Welt. Und wieder hatte Schult ein großes Ziel vor Augen: auf den Platz zurückkehren - am liebsten in Europa. Doch diesmal stieß sie bei der Vereinssuche auf Grenzen. "Ich habe das Gefühl: Wenn man sagt, man hat drei Kinder, ist man in Europa nicht mehr erwünscht", so Schult.
Es habe zwar Verhandlungen mit Vereinen gegeben, aber: "Immer, wenn ich geäußert habe, dass die Familie mitkommt, wurden die Verhandlungen sehr viel kühler - und irgendwann wurde sich dann auch gar nicht mehr gemeldet", bilanziert Schult. Die ehemalige Welttorhüterin bewegte sich auf die Vereine zu - ohne Erfolg. "Ich hatte auch den Vereinen angeboten, ich könnte zum Probetraining kommen. Aber es sollte nicht sein - und das war eine sehr große Frustration."
Über den HSV und die USA zur ARD
Schließlich wurde sie doch noch fündig: in der zweiten Liga. Beim Hamburger SV schaffte sie auch nach der zweiten Geburt und Kind Nummer drei das erneute Comeback. Insgesamt vier Partien absolvierte sie für die Hanseatinnen, wechselte im August 2024 aber noch einmal zurück in die USA - zu Kansas City Current, für das sie elf weitere Spiele machte, ehe sie den Klub im Dezember verließ. Im März dieses Jahres gab Almuth Schult schließlich ihr Karriereende bekannt.
Jetzt ist sie als TV-Expertin bei der ARD tätig. "Ich bin sehr glücklich, dass der Übergang zu nach der Karriere so einfach verlaufen ist", sagt Schult und fügt an: "Dafür habe ich dann noch gerne vielleicht andere Enttäuschungen oder Verzweiflung auf mich genommen. Ich muss unter dem Strich sagen: Wir haben drei gesunde, glückliche Kinder. Wir haben wirklich eine tolle Familie." Und es gibt wieder Grund zur Freude: Schult ist mit dem vierten Kind schwanger.
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