Der letzte Pfiff von Schiedsrichter Danny Makkelie am Montagabend in Göteborg ging fast unter in den vielen, die von den Rängen folgten. Wut und Enttäuschung machten sich rasend schnell auf den Rängen breit - beides hatte sich über 90 Minuten angestaut -, Frust und Ratlosigkeit danach auch bei den Spielern. Zumindest bei denen in den blau-gelben Outfits, über die sich ein gellendes Pfeifkonzert legte. Die Fans hatten es schon zur Halbzeitpause ausgiebig geprobt.
Ein nicht unbedeutender Grund für Letzteres war Fisnik Asllani - der Profi der TSG Hoffenheim brachte mit seinem zweiten Länderspieltor den Kosovo, der am Montag im Rahmen der WM-Quali in Schweden zu Gast war, in der 32. Minute in Führung. Zur Pause hätten die Gäste gut und gerne auch höher führen können. Nach 90 Minuten stand es weiterhin 0:1 aus Sicht der Hausherren, für Schweden war dies gleichbedeutend mit der dritten Niederlage im vierten Spiel der WM-Quali.
Nationaltrainer Tomasson muss seinen Posten räumen
Und der letzte Tropfen, der das Fass voller Unmut in Schweden zum Überlaufen brachte. Nationaltrainer Jon Dahl Tomasson - seit Februar 2024 im Amt - stand schon vor dem Kosovo-Spiel in der Kritik, am Dienstag gab der schwedische Fußballverband SvFF nach einer Krisensitzung die Trennung vom 49-Jährigen bekannt.
Der Grund: "Die schlechten Ergebnisse in der WM-Quali", wie es auf der Verbandswebsite heißt. "Wir glauben immer noch, dass dieses Team die Weltmeisterschaft und die Play-offs im März erreichen kann", wird Simon Aström, Vorsitzender des schwedischen Fußballverbands, zitiert. "Unsere Verantwortung besteht darin, sicherzustellen, dass wir die bestmöglichen Voraussetzungen haben, um die WM-Endrunde zu erreichen." Dafür sei "eine neue Führung in Form eines neuen Nationaltrainers" erforderlich. Wer das sein wird, ist allerdings noch nicht bekannt.
Tomasson: "Haben vergessen, wie man Tore schießt"
Tags zuvor hatte Tomasson die siebte Pleite in 18 Länderspielen kassiert. Ein "schreckliches Ergebnis" sei das heute gewesen, meinte der ehemalige Profi des VfB Stuttgart (12 Tore in 43 Spielen) am Montagabend. "Das bringt uns um. Wir lassen einfache Tore zu und wir haben vergessen, wie man Tore schießt", so Tomasson in seiner Analyse. Eine wirkliche Erklärung dafür habe er nicht.
Am reinen Talent mangelt es den Blau-Gelben, die in WM-Quali-Gruppe B mit nur einem Punkt den letzten Platz belegen, eigentlich nicht. Für das Toreschießen sind zum Beispiel die Premier-League-Stars Alexander Isak (im Sommer vom FC Liverpool bezahlte Ablösesumme: etwa 144 Millionen Euro) und Viktor Gyökeres (im Sommer vom FC Arsenal bezahlte Ablösesumme: etwa 64 Millionen Euro) verantwortlich. Beide aber blieben am Montagabend torlos, wie auch schon in den Partien zuvor: Zum dritten Mal in Folge gelang Schweden in der WM-Quali kein eigener Treffer.
In den schwedischen Medien war am Montagabend daher von einer "totalen Schande", einem "neuen Fiasko" und einer Nationalelf "im freien Fall" zu lesen. Der schwedische Sportjournalist Erik Niva ging in einem Podcast der Zeitung Aftonbladet noch weiter: "Ich lebe nun seit 40 Jahren mit schwedischem Fußball - und wir waren niemals schlechter."
Elanga meckert - Krisensitzung in der Führungsetage
Manche frustrierte Fans warfen Tomasson - ein Däne und der erste ausländische Nationaltrainer Schwedens seit Einführung des Postens 1962 - gar vor, das Team absichtlich in den Ruin zu führen. Auf Plakaten im Stadion wurde der 49-Jährige teilweise beleidigt - Rückhalt in der Kabine schien er auch nicht mehr zu besitzen.
Schon vor mehreren Wochen hatte der eigentliche Stammkeeper Robin Olsen verkündet, unter Tomasson nicht mehr in der Nationalelf spielen zu wollen. Nach dem Kosovo-Spiel soll der zur zweiten Hälfte eingewechselte Anthony Elanga von Newcastle United dem schwedischen Radiosporten zufolge gerufen haben: "Dieses System muss weg." Weg ist nun nicht nur das Spielsystem, sondern auch Tomasson.
Der neue Coach darf sich unabhängig der beiden letzten Partien im November in der Schweiz (15. November) und gegen Slowenien (18. November) sogar noch Hoffnungen auf das WM-Ticket machen. Der Rückstand auf Platz 2, der zur Teilnahme an den Play-offs berechtigt, beträgt zwar schon sechs Punkte, als Nations-League-Gruppensieger ist Schweden unter bestimmten Bedingungen aber auch ohne den zweiten Platz in der Gruppe in den Play-offs im März dabei. In Anbetracht der zuletzt gezeigten Leistungen allerdings nur ein schwacher Trost.