An seinem ersten Winter-Urlaubstag erreichte der kicker Österreichs WM-Qualifikationshelden Michael Gregoritsch in Kopenhagen. Am Vorabend hatte der 31-jährige Stürmer mit Bröndby IF beim dänischen Schlusslicht Vejle unglücklich mit 1:2 verloren. Die Rote Karte gegen seinen ÖFB-Teamkollegen Patrick Pentz und der daraus resultierende Elfer war der Knackpunkt im Finish einer verkorksten Partie, in der Gregoritsch in der 68. Minute eingewechselt worden war und das Tor zum 1:1 vorbereitet hatte.
"Am Ende leider auch verdient verloren", sagt Gregoritsch zum Abschluss der Herbstsaison in der Super League, die für Bröndby sehr gut begonnen hatte, zuletzt aber von drei Niederlagen in Serie überschattet wurde. Der im Sommer nach vielen erfolgreichen Jahren in Deutschland (u.a. Hoffenheim, Augsburg, HSV und Freiburg) nach Kopenhagen gekommene Angreifer sieht sich beim Traditionsklub mit der Rolle als Joker konfrontiert. Zwei Tore stehen bisher zu Buche, die meisten der elf Einsätze waren aber kurz.
Der walisische Trainer Steve Cooper und der deutsche Sportdirektor Benjamin Schmedes loben Gregoritsch in höchsten Tönen für seine Klasse und Professionalität im Umgang mit der Situation und mit seinen Mannschaftskollegen - vor allem mit den hochkarätigen dänischen Talenten, denen der international erfahrene Österreicher viel mitgeben kann. "Dass das gesehen wird, zählt für mich. Ich habe in meiner Karriere immer wieder bewiesen, dass ich keiner bin, der aufgibt", betont Gregoritsch, auch diese Herausforderung mit voller Überzeugung annehmen zu wollen. "Ich bin seit vielen Jahren Profi und als solcher geht man eben auch durch Phasen, in denen man um seine Rolle im Team kämpfen muss. Man muss das schon auch relativieren: Ich bin gesund, fit und darf jeden Tag Fußball spielen."
"Überragendes Highlight" brachte langes Warten
Wie gut Gregoritsch Fußball spielen kann, hat der 1,93 Meter lange Striker auch in der zurückliegenden WM-Qualifikation mehrmals bewiesen. Mit dem entscheidenden Tor zum 1:1 gegen Bosnien, das Österreich erstmals nach 28 Jahren wieder zu einer WM-Endrunde brachte, stieg der gebürtige Steirer in die Riege der Fußball-Nationalhelden auf. "Das war ein überragendes Highlight, sicher der bisherige Höhepunkt meiner Fußballkarriere", blickt Gregoritsch noch einmal auf den letzten Schritt in Richtung WM 2026 zurück und berichtet über Momente der Anspannung bei der am vergangenen Freitag vorgenommenen Gruppenauslosung, die er live im TV verfolgte.
"Eigentlich war ich kurz davor, wegzuschalten, weil es so lange gedauert hat. Dann habe ich schon begonnen, die Wohnung aufzuräumen ", so Gregoritsch über das endlose Warten, bis es in der Auslosungsshow in Washington endlich zur Ziehung der Mannschaften kam. Mit Österreichs Los ist der 72-fache ÖFB-Internationale (23 Tore) mehr als nur zufrieden. "Die Gruppe J war sogar meine Wunschgruppe - wegen der großartigen Stadien in unseren Spielorten. Als großer NFL-Fan lösen die sehr viel in mir aus. Die Dallas Cowboys waren die erste Mannschaft, die ich unterstützt habe. Und dass wir in Dallas gegen Argentinien spielen, ist unglaublich. Auch das Arrowhead Stadium in Kansas City, wo wir gegen Algerien spielen, finde ich gigantisch."
Die Gegner betrachtet Gregoritsch als ungemein interessant und spannend: "Jordanien, gleich die große Unbekannte. Gefühlt erwarten alle, dass wir das gewinnen, und am besten hoch. Aber jede Mannschaft bei der WM hat sich aus guten Gründen qualifiziert. Bei Argentinien und Messi muss ich nicht viel sagen. Sich bei einer WM mit dem regierenden Weltmeister und dem besten Fußballer aller Zeiten messen zu können, ist das Größte. Eine einmalige Gelegenheit für das kleine Fußballland Österreich. Und bei den Algeriern, da denke ich sofort an ihre sensationelle Leistung im WM-Achtelfinale 2014 gegen den späteren Weltmeister Deutschland, in dem sie sich das Ausscheiden nicht verdient haben." Alles in allem eine Gruppe, die für Gregoritsch schon jetzt Vorfreude auslöst: "Besser geht's nicht."
Teamgeist in Freiburg ähnlich der Nationalmannschaft
In den nächsten vier Wochen Urlaub heißt es für ihn zunächst einmal Erholen und auch ein wenig Abschalten. Das Europa-League-Heimspiel seines Ex-Klubs SC Freiburg gegen Red Bull Salzburg lässt sich Gregoritsch trotzdem nicht entgehen. Denn in seiner zweiten Heimatstadt, aus der auch seine Verlobte kommt, tritt der eloquente Kicker als Co-Kommentator bei der Live-Übertragung von Canal+ in Aktion. Die Breisgauer zeichnet seit Jahrzehnten eine schier unglaubliche Kontinuität aus. Die Legenden Volker Finke und Christian Streich waren beide viele, viele Jahre als Trainer tätig.
"Der jetzige Trainer Julian Schuster verbrachte seine ganze Karriere im Klub. Auch Sportvorstand Jochen Saier und Sportdirektor Klemens Hartenbach sind seit vielen Jahren im Verein", weiß Gregoritsch. "In Freiburg hat man einen klaren Plan und eine genaue Vorstellung davon, was man wie und mit wem erreichen will. Im gesamten Verein herrscht ein bemerkenswerter Zusammenhalt, der sich auch auf die Mannschaft auswirkt. Deshalb befindet sie sich auch auf Augenhöhe mit Gegnern, die punkto Kaderqualität eigentlich über sie zu stellen wären." Für den ehemaligen ÖFB-Legionär beim SC drängt sich eine Parallele auf, die den Kreis zur WM schließt. "Was Teamgeist, Zusammenhalt und Charakter der Freiburger betrifft, würde ich sie fast mit unserer Nationalmannschaft vergleichen."