Natürlich drehte sich gleich die erste Frage auf der Pressekonferenz um Hugo Ekitiké. Doch bevor Arne Slot sie beantwortete - und er hatte einiges dazu loszuwerden -, nahm er sich nach Liverpools League-Cup-Pflichtsieg gegen Premier-League-Absteiger FC Southampton die Zeit, um hervorzuheben, wie angemessen Anfield am Dienstagabend Matt Beard gedacht hatte. Der langjährige Erfolgstrainer der Frauen-Mannschaft war unter der Woche mit nur 47 Jahren verstorben.
Dann aber war Ekitiké dran, und man kann sagen, dass Slot kein gutes Haar am Ex-Frankfurter ließ, der Liverpool zwar als Joker vor einem frühen Pokal-Aus bewahrt hatte, unmittelbar nach seinem 2:1-Siegtor in der 85. Minute jedoch mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war. Er hatte, frühzeitig gelbverwarnt für das wütende Wegboxen eines Balles (53.), beim Jubel sein Trikot ausgezogen.
"Unnötig und dumm" sei das gewesen, schimpfte Slot und bezog sich damit explizit auf beide Aktionen. Schon bei der ersten Gelben Karte hätte Ekitiké seine Emotionen im Griff haben müssen. "Ich weiß, wie schwer es ist, wenn man in der Premier League oder in jeder anderen Liga der Welt spielt: Als Nummer 9 kann der Verteidiger fast alles machen, was er will, und wenn man dann ein bisschen am Trikot zieht oder ihn ein bisschen schubst, bekommt man einen Freistoß gegen sich. Aber es ist immer am besten, seine Emotionen zu kontrollieren, und wenn man seine Emotionen nicht kontrollieren kann, sollte man es so machen, dass es nicht zu einer Gelben Karte führt."
"Ich hätte mich umgedreht und wäre zu Chiesa gegangen"
Noch ärgerlicher fand Slot aber den folgenschweren Torjubel - und das nicht nur weil er gelbwürdig war. "Ich habe es ihm bereits gesagt: Wenn du in einem Champions-League-Finale in der 87. Minute drei Spieler ausspielst und den Ball danach in den Winkel schießt, kann ich vielleicht verstehen, dass man so was denkt wie: 'Das ist alles mein Werk, schaut, was ich getan habe'." In Wahrheit hatte Ekitiké nach starker Vorarbeit von Andy Robertson und Federico Chiesa gegen einen Zweitligisten einfach nur eingeschoben.
"Ich habe nicht auf diesem Niveau gespielt, aber ich habe ein paar Tore geschossen, und wenn ich ein solches Tor geschossen hätte, hätte ich mich umgedreht und wäre in dieser Situation zu Federico Chiesa gegangen und hätte gesagt: 'Dieses Tor ist ganz allein dein Verdienst, es hat nichts mit mir zu tun'", belehrte Slot seinen Angreifer, der bislang mehr überzeugt hat als alle anderen Sommerneuzugänge. "Also, ja, unnötig, nicht klug. Man nennt es dumm. Ich nenne es übrigens auch dumm."
Auch Robertson kritisiert Ekitiké - der nun in der Liga fehlt
Auch aus der Mannschaft musste sich Ekitiké Kritik gefallen lassen, wenn auch etwas weniger gnadenlos. "Ich wäre sehr überrascht, wenn er das noch einmal tun würde", meinte Robertson, der Virgil van Dijk als Kapitän vertrat. "Ein Tor zu schießen ist immer emotional, aber er hatte offensichtlich einfach vergessen, dass er schon verwarnt ist." Beide Gelben Karten seien "dumm" gewesen - auch für Ekitiké selbst.
Der 23-Jährige, der in acht Pflichtspielen nun fünfmal getroffen hat, fehlt Liverpool nämlich nun nicht in der nächsten League-Cup-Runde gesperrt, in der Slot ohnehin wieder kräftig rotieren dürfte. Seine Sperre gilt vielmehr für das Premier-League-Gastspiel bei Crystal Palace am Samstag (16 Uhr, LIVE! bei kicker), das seit Mitte April kein Pflichtspiel mehr verloren hat. "Er ist noch jung und wird daraus lernen", ist sich Robertson sicher.
Ekitiké entschuldigt sich
Zumindest zeigte Ekitiké noch in der Nacht Reue. "Die Emotionen haben mich überwältigt. Ich entschuldige mich bei der gesamten Red-Familie", schrieb er bei Instagram. "Vielen Dank an die Fans, die uns immer unterstützen, und an meine Teamkollegen, dass sie diesen Sieg gesichert haben."