Der englische Ligapokal hat seine eigenen Gesetze, allerdings sind es weniger die, die man dem DFB-Pokal nachsagt. Vielmehr sind etwa Trainer im Carabao Cup, wie der Wettbewerb offiziell heißt, von der Pflicht befreit, eine Vorab-Pressekonferenz zu geben. Vor allem aber rotieren die meisten, was das Zeug hält.
Auch Arne Slot bereitete die Fans in Anfield schon mal darauf vor, dass sie sich an diesem Dienstagabend im Auftaktspiel gegen Premier-League-Absteiger FC Southampton lieber nicht auf Virgil van Dijk, Mohamed Salah & Co. freuen sollten. "Es wird eine komplett veränderte Startelf sein", sagte der Trainer des FC Liverpool mangels PK auf der Klubwebsite.
Dabei gehe es aber nicht nur darum, den Vielspielern der vergangenen Wochen inklusive Länderspiele mal "zwei Tage Pause" zu gönnen - "was ohnehin nicht viel" sei -, sondern auch um die Bedürfnisse der zweiten Reihe. Spieler wie der neue Ersatzkeeper Giorgi Mamardashvili, Sommerneuzugang Giovanni Leoni oder der Ex-Stuttgarter Wataru Endo "brauchen ein Spiel, deswegen sind wir froh, dass wir eins haben", erklärte Slot. "Gäbe es das nicht, hätten wir diese Woche wahrscheinlich ein Testspiel ausgemacht. Denn diese Spieler brauchen auch Spielpraxis, damit sie bereit sind, wann immer wir sie brauchen."
Mangelnder Respekt gegenüber dem Wettbewerb - das sagen übrigens alle Trainer, die im Ligapokal so vorgehen - sei das nicht. "In der vergangenen Saison haben wir mit diesen Aufstellungen das Finale erreicht", erinnerte Slot an das unerwartete 1:2 gegen Newcastle im März. "Es gibt keinen Wettbewerb, den wir unterschätzen. Wir wollen alle gewinnen." Aber "wenn du um jeden Titel mitspielen willst, brauchen manche Spieler einfach ab und zu eine normale Woche, was bedeutet, dass sie unter der Woche nicht spielen".
Anlaufschwierigkeiten für Southampton und seine Neuzugänge aus Deutschland
Einer, der vor dem Duell genauso argumentiert, ist Will Still, Trainer des FC Southampton, der mit sechs Punkten aus sechs Spielen schwach in die Championship-Saison gestartet ist und ein Erfolgserlebnis gebrauchen könnte. Die Saints um die Sommerneuzugänge Leo Scienza (Heidenheim), Damion Downs (Köln), Joshua Quarshie (Hoffenheim) und Caspar Jander (Nürnberg) mussten bereits zwei Ligapokal-Runden absolvieren und rotierten jeweils großflächig. "Es geht um den richtigen Mix aus den Spielern, die ein Spiel brauchen, und solchen, die es verdient haben zu spielen", kündigte Still vor der "Herausforderung" Anfield an.
Wo sich das Quartett mit Deutschland-Erfahrung einreiht, wird sich zeigen. Während Scienza bislang nur zweimal eingewechselt wurde und Quarshie zuletzt gar nicht mehr gefragt war, standen Jander und Downs beim 1:3 in Hull am Samstag erstmals in Stills Startelf.