Fehlercode: %{errorCode}

SSG Nikola Tesla: Hamburgs "Integrationsverein" trennt sich von Trainer Wadhwa

kicker

Hamburgs Oberliga hat den zweiten Trainerwechsel der Saison: Mohet Wadhwa muss bei der SSG Nikola Tesla gehen, sein Nachfolger wird Nils Hachmann (46), der beim SV Rugenbergen Oberliga-Erfahrung sammelte, dort aber gehen musste, weil er den Wiederaufstieg verpasste.

Jetzt übernimmt Hachmann bei einem Verein mit besonderem Hintergrund in der Hansestadt. Es ist nicht bekannt, ob es in den Niederungen des Amateurfußballs in Novi Sad oder Belgrad einen Verein namens "Werner von Siemens" gibt. Vergleichbares findet allerdings in Hamburg statt, wo sich "Nikola Tesla" inzwischen nach oben gekämpft hat und nun als erster serbischer Verein in der Oberliga spielt. Obwohl: Letzteres ist nicht ganz richtig, denn die Grenzen verlaufen bereits seit der Vereinsgründung 1995 fließend.

"Alle kennen uns als verbindendes Glied, als Integrationsverein", sagt Sinisa Marinkovic, der Gründervater, der den Klub noch immer begleitet. Von vornherein war die Nationalität der Spieler völlig egal, schließlich bildete zum Auftakt die zweite Mannschaft des SV Lurup den Grundstock, die keineswegs nur aus Serben bestand. Ein Jahr später wurde der serbische Nationalsport Basketball als Abteilung gegründet - inzwischen bietet der Verein sechs Sportarten an und beherbergt Aktive aus 28 Nationen. Wobei: Die meisten sind eh in Hamburg geboren.

Offene Sportplatz-Fragen

Die Gründungs-Euphorie mündete in den sofortigen Aufstieg in die Kreisliga. Doch dort stagnierte die sportliche Perspektive, da zunächst die Vereinsentwicklung im Vordergrund stand und häufig erstmal die Sportplatz-Frage geklärt werden musste - kein einfaches Unterfangen im dicht besiedelten Stadtteil Altona. Man kickte auf dem Grandplatz an der Wichmannstraße, wo die Kabinen Nachwuchs-Charme und -Gerüchte ausströmen.

So gab es den nächsten sportlichen Schritt erst 2013, zwei Jahre später ging es erstmals sogar in die sechstklassige Landesliga, wo schon etwas Leistungsfußball gespielt wird - inzwischen im Sternschanzenpark im Schatten des Fernsehturms auf Kunstrasen. Nach einigen Jahren Abstiegskampf fand der Verein 2019 im Sportpark Baurstraße wieder eine neue Heimat. Aber nach Corona schien das Schicksal im Winter 2022 besiegelt: Mit sieben Punkten und genauso vielen erzielten Toren stand das Team auf dem vorletzten Platz.

Königstransfer Witt

An diesem Tiefpunkt nahm Daniel Witt das Zepter in die Hand. "Das war unser Königstransfer", erinnerte sich Abteilungsleiter Sladjan Marinkovic an die Verpflichtung des neuen Liga-Managers anlässlich der Aufstiegsfeier im Mai in einem Interview bei "transfermarkt.de". Denn der neue Boss ließ seine Kontakte spielen und schaffte mit ein paar lokalen Fußball-Größen den Klassenerhalt. Doch nicht nur Witt wollte nun mehr, und tatsächlich stand drei Jahre später die Krönung der Vereinsgeschichte zu Buche: der Oberliga-Aufstieg - und das ausgerechnet zum 30-jährigen Jubiläum mit nach einem dramatischem Saisonendspurt mit Protesten, Spielabbrüchen und persönlichen Animositäten im Dauer-Duell gegen den Topfavoriten TBS Pinneberg.

Ein Punkt entschied letztlich zugunsten des Teams von Mohet Wadhwa, dessen Schicksal aber nun erneut von einem Duell gegen TBS abhing: Im Pokal trafen die Rivalen aufeinander und lieferten sich einen denkwürdigen Krimi. Schon nach 13 Minuten führte sein Team 3:0, hätte bis zur Halbzeit bei der Überlegenheit eher 6:1 führen können. Doch am Ende stand nach einer sensationellen Aufholjagd des weiterhin Landesligisten eine 3:4-Niederlage. Das war in dem emotionalen Umfeld zu viel, und nach einer weiteren - aber für einen Aufsteiger relativ normalen - 1:4-Niederlage musste Wadhwa gehen.

Hachmann übernimmt

Mehr Ruhe soll nun der neue Coach Nils Hachmann in den Verein bringen. Angesichts des starken Kaders, allen voran mit den erfahrenen Ex-Regionalligaspielern William Wachowski und Niklas Kiene, kann der Verein eigentlich nicht in Abstiegsgefahr geraten. Schließlich urteilte Liga-Manager Goran Vlaskovic noch vor drei Wochen: "Wir wollen uns in der Oberliga etablieren und nicht nur der serbischen Gemeinde, sondern allen sportbegeisterten Menschen eine Heimat bieten."