Mit Ihrem Tor zum 1:0-Sieg gegen Eintracht Mahlsdorf am letzten Spieltag der Vorsaison haben Sie den BFC Preussen in die Regionalliga geschossen. Wie oft haben Sie sich diesen Treffer im Nachfeld noch angeschaut, Herr Stein?
Sehr oft. Weil ja natürlich auch die Frage im Raum stand, ob der Ball drin war oder nicht. Aber allein, um den Augenblick noch einmal zurückzuspulen, habe ich es mir oft angeschaut. Es war ein besonderer Moment, den man sich zu keinem besseren Zeitpunkt hätte wünschen können.
Es rankten sich unzählige Videoaufnahmen um den entscheidenden Treffer, es wurde sogar vom Wembley-Tor gesprochen und geschrieben. War der Ball denn nun wirklich hinter der Linie?
Aus meiner Sicht, das habe ich von der ersten Sekunde an gesagt, war es so, dass der Ball hinter die Linie gesprungen ist und dann wieder raus. Deswegen habe ich auch sofort die Arme hochgerissen, weil ich mir sicher war, dass der Ball drin war. Das kann ich ehrlich sagen.
„Es war jedenfalls der außergewöhnlichste Moment in meiner Fußballkarriere.“ (Lenny Stein)
Welchen Stellenwert nimmt dieses Tor in Ihrer bisherigen Karriere als Fußballer ein?
Den würde ich absolut auf die Eins setzen, auch aufgrund der Umstände. Wir mussten unbedingt gegen Eintracht Mahlsdorf gewinnen, um aufzusteigen. Dazu war es der letzte Spieltag. Dann kam der Treffer in der 95. Spielminute. So einen Moment hat man vielleicht maximal zweimal im Leben, wenn nicht sogar nur einmal. Es war jedenfalls der außergewöhnlichste Moment in meiner Fußballkarriere.
Für Sie persönlich war es sogar der zweite Aufstieg in Folge in die 4. Liga: Nach der Saison 2023/24 wechselten Sie jedoch von Regionalliga-Aufsteiger Hertha 03 Zehlendorf zum damaligen Oberligisten BFC Preussen und verzichteten erstmal noch auf die Regionalliga. Warum?
Der Zeitpunkt im Jahr zuvor bei Hertha 03 Zehlendorf hat mir einfach nicht so gepasst, auch aus privaten Gründen. Deswegen war es noch nicht an der Zeit für die Regionalliga. Parallel hatte ich dazu gute Gespräche mit Preussen. Da habe ich mich erstmal für diesen Schritt entschieden, aber mit dem Hintergedanken, dass ich schon irgendwann in der Regionalliga spielen möchte. Das war schon mein eigener Anspruch und Ziel. Dass es dann direkt in der ersten Saison mit Preussen klappte, ist natürlich umso schöner.
Wie fällt aus Ihrer Sicht die erste Halbserie der Saison 2025/26 mit dem BFC Preussen aus?
Wirklich top. Ich denke, es hätte nicht viel besser laufen können bis jetzt. Hätte mir vor der Saison jemand gesagt, dass wir am Ende der Hinrunde auf dem 7. Tabellenplatz stehen, hätte ich da wahrscheinlich meine Zweifel gehabt. Man darf zudem die Umstände nicht vergessen, dass im Sommer viele neue Spieler kamen und wir uns erstmal finden müssen. Wir haben dann aber schnell auf und neben dem Platz gut miteinander harmoniert.
„Es gibt kein Team, gegen das man mal so nebenbei gewinnt. Am Ende kann jeder jeden schlagen.“ (Lenny Stein über die Qualität in der Regionalliga Nordost)
Welche Gründe führen Sie für die starken Auftritte des Teams in der ersten Saisonhälfte an?
Da spielen natürlich viele Faktoren zusammen. Die Mannschaft ist unglaublich flexibel. Wir haben ein wirklich großes Spielermaterial. Sowohl von der Breite als auch der Qualität. Dass das alles sofort gegriffen hat, hat natürlich auch mit der Arbeit des Trainerteams zu tun. Die Trainer stellen uns gut ein, sodass die Räder schnell ineinander gegriffen haben. Die Faktoren für den Erfolg sind das Trainerteam, die harte Arbeit, die individuelle Klasse, aber auch die Menschlichkeit jedes Einzelnen.
Was sind nach Ihrem Empfinden die größten Unterschiede zwischen der Ober- und Regionalliga?
Ich sehe schon große Unterschiede, vor allem in der körperlichen Fitness. Da hast du keine Mannschaft, die groß abfällt. Zudem gibt es jetzt kein Team, gegen das man mal so nebenbei gewinnt. Am Ende kann jeder jeden schlagen.
Aber nicht nur in der Liga läuft es für den BFC Preussen, sondern auch im Berliner Landespokal. Da steht der Verein im Viertelfinale, trifft auf Ligakonkurrent BFC Dynamo und könnte erstmalig seit 2016 wieder die Trophäe holen.
Also, wenn man auf die Tabelle in der Regionalliga mit den Berliner Vereinen schaut, ist die Ausgangslage sehr gut für uns. Wir brauchen auch nicht um den heißen Brei zu reden, dass wir den Berliner Landespokal gerne holen würden. So selbstbewusst können wir sein und das auch offen ansprechen.
Wo sehen Sie persönlich Ihre Stärken auf dem Feld?
Natürlich meine Zweikampfstärke, aber auch meine Lufthoheit. Dann unterscheidet einen guten von einem sehr guten Verteidiger noch das Aufbauspiel, also wie man in der Offensive des eigenen Teams mitwirken kann. Und da bringe ich gute Sachen mit ein und kann unsere Offensivspieler in Szene setzen.
Wer ist Ihrer Meinung nach der Favorit auf die Meisterschaft?
Aufgrund des Punktevorsprungs ist da sicherlich Lok Leipzig zu nennen. Wenn es aber um die fußballerisch beste Mannschaft bisher geht, fand ich den Halleschen FC am besten.
„Meine Körpergröße bringt mir natürlich einige Vorteile, aber auch nur dann, wenn man weiß, mit seinen Beinen umzugehen.“ (Lenny Stein)
Sie sind genau zwei Meter groß. War die Position des Innenverteidigers dadurch sofort klar oder haben Sie sich in Ihrer Karriere auch woanders auf dem Feld ausprobiert?
In der Jugend habe ich als Stürmer angefangen. Zu meiner Zeit im Nachwuchs bei Cottbus wurde ich dann zum Innenverteidiger umgeschult. Ich habe in Babelsberg als Sechser oder Zehner gespielt. Bei meinen Stationen in Brieselang oder Zehlendorf war es dann eher Sechser oder eben als Innenverteidiger. Das hat sich dann irgendwann eingespielt und ist auch völlig in Ordnung. Meine Körpergröße bringt mir natürlich einige Vorteile, aber auch nur dann, wenn man weiß, mit seinen Beinen umzugehen.
Demnächst steht die Winterpause an. Wie werden Sie diese bis zum Januar 2026 und dem Start der Vorbereitung verbringen?
Da gilt es einfach ein bisschen die Beine hochzulegen, abzuschalten und die Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen. Die Pause ist relativ kurz und dann geht es wieder voll rein in die nächste Runde.