"Ein Unding", "eine klare Fehlentscheidung" und "absolut unerklärlich" hatte HSV-Coach Merlin Polzin die Entscheidung genannt, die Referee Timo Gerach beim Freiburger Tor zum 2:1 getroffen hatte. Bevor Igor Matanovic eine Hereingabe von Niklas Beste zum siegbringenden Treffer verwertete, hatte Johan Manzambi im Luftduell HSV-Verteidiger Jordan Torunarigha mit dem Arm am Kopf getroffen. Der Treffer zählte trotzdem, auch der VAR griff nicht ein - was den Trainer der Hamburger in Rage brachte.
"Ich kann die Emotionen verstehen", sagte Schiedsrichter-Chef Knut Kircher am Samstagabend im ZDF. Eine ähnliche Situation sei in der jüngeren Vergangenheit bereits gegen den HSV gepfiffen worden. Einheitlichkeit in den Entscheidungen sei ein großes Thema für ihn in seinem Job. Allerdings wollte sich der Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH auch nicht darauf festlegen, dass Gerach eine Fehlentscheidung getroffen habe, sondern fand eher Argumente, die für dessen Handhabung sprachen.
Stoßstange oder fußballtypisch?
"Der Spieler geht nach oben, dabei schwingen die Arme mit", bewertete er die Aktion von Manzambi. "Er geht zielgerichtet mit dem Kopf zum Ball. Der Abwehrspieler kommt von hinten rein in die Situation." Entscheidend sei dann, wie genau der Schiedsrichter den Armeinsatz des Freiburgers einstufte. Gerach selbst hatte dazu gesagt: "Ich habe keine Schlagbewegung wahrgenommen und sehe die auch in den Bildern nicht." Diese Einschätzung teilte Kircher: "Wir reden nicht von einem Schlag, das wäre regeltechnisch und disziplinarisch eine Rote Karte."
Die Frage sei: "Ist es eher ein Wegräumen - wie eine Art Stoßstange des Gegenspielers - oder ist es ein grenzwertig normaler fußballtypisch robuster Einsatz?" Gerach hatte die Frage mit Letzterem beantwortet, bezeichnete Manzambis Aktion als "fußballtypisch". Kircher selbst legte sich nicht vollständig fest, nannte die Szene eine "grenzwertige Situation". Im gleichen Spannungsfeld befinde sich auch der VAR, der sich die Frage stellen müsse, ob er "eine andere Wahrnehmung oder andere Bilder" habe, "die mich dazu motivieren, da einzugreifen". Auch diese Frage hatte VAR Arne Aarnink mit Nein beantwortet.