Mit einem positiven Gefühl und hoher Motivation startete Trainer Marco Wildersinn ins neue Jahr - nicht nur, weil ihm die Verantwortlichen der Stuttgarter Kickers nach der ausführlichen Analyse im Dezember das Vertrauen ausgesprochen haben. "Wir gehen mit großer Vorfreude und einem klaren Plan in die Vorbereitung. Die Pause hat gutgetan, um den Kopf freizubekommen, gleichzeitig haben wir sie sehr intensiv genutzt, um zu analysieren, was gut lief und wo es Ansatzpunkte gibt", sagt Wildersinn nach über einem Monat fußballerfreier Zeit.
Inzwischen ist der 45-Jährige aber wieder voll im Fokus auf die Restrunde in der Regionalliga Südwest, die für die Blauen am 21. Februar mit einem Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 II startet. "Dafür wollen wir bereit sein. Die Liga ist extrem eng, eigentlich kann jeder jeden schlagen", weiß Wildersinn. Doch trotz entsprechender Ambitionen und dem von Präsident Rainer Lorz ausgerufenen Perspektivziel 3. Liga, dürfte jedem auf der Waldau klar sein, dass man für dieses Jahr bereits fernab sämtlicher Aufstiegsträume in der Realität aufgewacht ist. Zu durchwachsen läuft die bisherige Spielzeit für die Degerlocher, auch wenn punktuell immer wieder zu erkennen ist, welches Potenzial in der jungen Mannschaft schlummert. Der Abstand zu Tabellenführer SGV Freiberg dürfte mit zwölf Punkten Rückstand und bei erst 28 erzielten Toren - die viertwenigsten der Liga - bei noch 14 ausstehenden Spielen zu groß sein.
Vielmehr gilt es, den Blick nach hinten zu richten, um sich im Laufe des Frühjahrs nicht noch mit dem Abstiegskampf beschäftigen zu müssen. Deshalb sagt Wildersinn auch: "Unser Ziel ist es, konstanter zu punkten als in der Hinrunde und uns möglichst früh einen soliden Abstand nach unten zu erarbeiten."
Wie weiter für Wildersinn?
Für den Trainer geht es dabei auch um die eigene Zukunft. Sein nach der Saison auslaufender Vertrag dürfte wohl nur nach einem starken Frühjahr mit konstanteren Leistungen verlängert werden. So kommt es Wildersinn sicher nicht ungelegen, dass er mit seinen Spielern nach der Winterpause nochmal eine komplette Vorbereitung absolvieren kann.
Von dieser liegt die erste von fünf Wochen bereits hinter dem Team. "Es gibt nicht den einen Schwerpunkt. Wir werden das Team im physischen Bereich auf ein noch besseres Niveau bringen und gleichzeitig viele fußballerische Situationen trainieren", sagt Wildersinn. Taktisch dürfte es dabei aber eher um kleinere Anpassungen gehen als um ein neues System. Auch wenn Sport-Geschäftsführer Lutz Siebrecht im Anschluss an die Analyse eine Mannschaft ankündigte, "die mit einfachem, klarem Spielsystem und intensivem Spiel gegen den Ball uns allen Spaß und Freude bereiten wird".
Als komplette Abkehr des von Wildersinn präferierten Ballbesitzfußballs ist das aber wohl nicht zu verstehen. "Was Lauf- und Sprintmeter angeht, sind wir im Ligavergleich unter den besten Teams. Eine klare Struktur und Abläufe sind auch mir sehr wichtig. Das ist die Basis für ein erfolgreiches Spiel. Es ist aber sicherlich kein Widerspruch, darüber hinaus auch noch gute Ballbesitzwerte zu haben. Das klarere Umschaltspiel ist ein Punkt, an dem wir arbeiten möchten", erläutert Wildersinn.
Puzzleteil Mboob
Ein passendes Puzzleteil dazu könnte der bisher einzige Winter-Neuzugang sein. Pünktlich einen Tag vor dem Trainingsauftakt haben sich die Kickers mit Abdoulie Mboob in der Offensive verstärkt. Der 23-Jährige gilt als athletischer, schneller, wendiger Spieler, der dazu beidfüßig und sowohl im Sturmzentrum als auch auf den Außenbahnen einsetzbar ist. Der in Schweden aufgewachsene Gambier sorgte zuletzt beim Türkischen SV Singen für Furore. Vergangene Saison wurde Mboob mit 30 Treffern in 32 Einsätzen Verbandsliga-Torschützenkönig und schoss den TSV in der Aufstiegsrunde erstmals in die Oberliga. Nachdem sich der Wechsel zu einem türkischen Erstligisten im Sommer zerschlagen hat, ließ Mboob mit elf Toren in elf Spielen in der laufenden Oberliga-Saison weiter aufhorchen.
Jetzt soll er mit seiner Dynamik, seinen Stärken im Eins-gegen-eins und seiner Variabilität der in dieser Spielzeit teilweise stockenden Stuttgarter Offensive neuen Schwung verleihen. "Er hat in der Verbands- und Oberliga gezeigt, dass er sehr torgefährlich sein kann. Aber wir werden ihm die nötige Zeit geben, sich an die neue Umgebung, mehr Training und das Spiel in einer höheren Spielklasse zu gewöhnen. Für die anderen Offensivspieler bedeutet das vor allem noch mehr Konkurrenzdruck und noch mehr Optionen für uns", sagt Wildersinn.
Langzeitverletzte sind zurück
Mehr Möglichkeiten bieten auch die zurückgekehrten Langzeitverletzten: Die eigentliche Nummer eins Felix Dornebusch, Offensivakteur Christian Mauersberger und Innenverteidiger Vincent Schwab, der bisher zwar 13 Einsätze verbuchen konnte, aber aufgrund eines Handbruchs nahezu die komplette Sommervorbereitung verpasst hat. "Für sie ist die Zeit jetzt besonders wertvoll. Es geht darum, individuell die Belastung zu steuern und sie ans Wettkampfniveau heranzuführen", erläutert Wildersinn.
Während Dornebusch im ersten Testspiel gegen Verbandsliga-Tabellenführer Young Boys Reutlingen noch nicht zum Einsatz kam, war Mauersberger - wie auch Mboob - für eine halbe Stunde auf dem Platz. Vor allem die beiden Routiniers Dornebusch und Mauersberger könnten wichtige Bausteine zu mehr Konstanz in der restlichen Saison sein. Allerdings bot der 4:3-Sieg - nach einem 0:3-Rückstand - gegen den Sechstligisten für Wildersinn bereits wieder ausreichend Ansatzpunkte.
Am Samstag (14 Uhr) folgt der nächste Test gegen den Oberligisten 1. CfR Pforzheim. Es wird weiterhin Motivation und gute Arbeit brauchen, damit Wildersinn nach der Saison auch mit einem positiven Gefühl zurückblicken kann.