Seit Januar stürmt Jovan Milosevic für Partizan Belgrad und hat sich nach einer kniffligen Eingewöhnungsphase als absoluter Stammspieler etabliert. 11 Tore in 16 Spielen hat er für die "Dampfwalze" in der laufenden Saison bereits erzielt, viel mehr aber wiegt, dass der 20-Jährige gemeinsam mit den anderen zahlreichen Talenten eine von vielen nicht mehr für möglich gehaltene Euphorie entfacht hat.
Partizan, das sich seit einigen Jahren in einer finanziellen Schieflage befindet, hat sich entschieden, alles auf die Karte Jugend zu setzen. Neben Nikola Simic (18), Milan Roganovic (19), Vanja Dragojevic (19), Ognjen Ugresic (19), Nemanja Trifunovic (21) oder Andrej Kostic (18) zählt auch die Stuttgarter Leihgabe zu den gefeierten "schwarz-weißen Babys", die es auch dank ihrer unbeschwerten und erfrischend-offensiven Spielweise geschafft haben, enttäuschte Partizan-Fans zu reaktivieren - und das Stadion wieder zu füllen.
So auch am vergangenen Samstag gegen Vojvodina Novi Sad. Exakt 80 Jahre nach der Gründung von FK Partizan erzielte dann auch noch ausgerechnet Milosevic, der einst von Vojvodina zum VfB Stuttgart gewechselt war, den Treffer des Tages.
Partizan wird in Serbien von Medien, Experten und auch Konkurrenten für seinen attraktiven Fußball gelobt. Und die Meisterschaft ist auch spannend wie schon lange nicht mehr. Der Rückstand auf Serienmeister Roter Stern beträgt aktuell nur zwei Punkte. "Es gibt nichts Schöneres, als in ein volles Stadion einzulaufen. Wir sind sehr froh darüber", sagte Milosevic im Podcast expertIVA und gab zu, dass er schon gerne die langjährige Dominanz des Stadtrivalen durchbrechen wolle. "Der Wunsch jedes Spielers ist die Meisterschaft", erklärte der Stürmer, "aber an uns ist, zu arbeiten - und am Ende der Saison wird man sehen."
Ob es mit der Meisterschaft klappt, wird sich erst im Frühjahr zeigen - zuvor muss aber noch die Zukunft von Milosevic geklärt werden. Seine Leihe läuft im Dezember aus, nach aktuellem Stand der Dinge müsste er zurück zum VfB. Dort aber hat er keine allzu guten Perspektiven. Sebastian Hoeneß hat im Sturm ganz andere Kaliber zur Verfügung, sodass es für Milosevic schwierig werden dürfte, ausreichend Einsatzzeiten zu erhalten. Das ist aber genau das, was ein 20-jähriger Stürmer für die weitere Entwicklung seiner Karriere dringend benötigt.
Schlechte Perspektive beim VfB, gute in Belgrad
Für einen ambitionierten Stürmer, der bei einem Renommeeklub in Serbien wie am Fließband trifft, dürfte die Option, dass er in der zweiten Mannschaft der Schwaben Spielpraxis sammeln könnte, ebenfalls nicht gerade reizvoll sein. Milosevic droht, dass er beim VfB auf der Bank versauern könnte. Was also tun? Die Belgrader haben Interesse, ihren derzeit treffsichersten Angreifer zu halten, dürften sich aufgrund klammer Kassen einen Kauf aber nicht leisten können.
Bliebe noch die Möglichkeit, die Leihe nochmals zu verlängern. Stuttgart dürfte jedenfalls gesprächsbereit sein, schließlich steigert Milosevic mit jedem weiteren Treffer in der serbischen SuperLiga nicht nur sein Selbstvertrauen, sondern auch seinen Marktwert - und er dürfte auch stärker auf dem Radar anderer europäischer Klubs auftauchen, was aus VfB-Sicht auch keine schlechte Entwicklung wäre, schließlich läuft der Vertrag des Angreifers noch bis 2027.
Der Spieler selbst hält sich bedeckt. "Generell wissen alle Verantwortlichen bei Partizan, wie ich dazu stehe", antwortete er auf die Frage nach seiner Zukunft und ergänzte: "Ich bin da, wo ich bin. Ich bin aktuell zufrieden mit meiner Situation, wir werden im Dezember sehen." Über seine Zeit beim VfB sagt er, dass es "eine schöne Erfahrung war. Ich hatte die Ehre, den Platz mit unglaublichen Spielern zu teilen. Es war sicherlich eine schöne Zeit, aber es wäre noch schöner gewesen, wenn ich mehr Chancen gehabt hätte, dort zu spielen. In der Saison hatten sie unglaublichen Erfolg und ich habe nichts Schlechtes zu sagen."