Nach dem Spiel gegen den SGV Freiberg (0:1) versammelte sich der TSV Schott Mainz, wie immer, zum Mannschaftskreis. Die Spieler erfuhren von Samuel Horozovic, dass sie nach der Saison einen anderen Chefcoach haben werden. Der 28-Jährige, der in Hörweite zum Vereinsgelände lebt, will für seine weitere Trainer-Laufbahn das heimische Nest verlassen.
So war es schon länger angedacht. Damit, dass der Aufsteiger als Tabellenletzter der Regionalliga Südwest überwintert, hat dieser Schritt nichts zu tun. Hoffnungen auf den Klassenerhalt, die nach nur fünf Punkten aus 16 Spielen schon beerdigt schienen, flackern wieder auf. Nach dem deprimierenden 1:4 bei der TSG Balingen setzte sich die Mannschaft zusammen, sprach Klartext.
Krisengespräch zeigte Wirkung
"Die Stimmung war am Tiefpunkt", erzählt Kapitän Jost Mairose. "Wir hatten das Gefühl, da noch mal intervenieren zu müssen. Das hat gefruchtet." In den folgenden vier Spielen sprangen zumindest genauso viele Punkte heraus wie in den drei Monaten zuvor. Und, viel wichtiger, endlich überzeugende Leistungen.
Klarer spielen, kompakter verteidigen, Geschlossenheit und Galligkeit auf den Platz bringen, darauf schworen sich die Mainzer ein. So folgte auf den ersten Heim-Punkt gegen Eintracht Trier (1:1) der lang ersehnte zweite Saison-Sieg, wie in der Hinrunde (4:0) wieder gegen Bayern Alzenau (1:0). Die Rutschpartie beim Bahlinger SC (0:0) endete vom Ergebnis her mit einer Enttäuschung, wurde aber als Trend-Bestätigung in Sachen Widerstandsfähigkeit verbucht.
„Die Art und Weise, wie wir auf dem Platz agiert haben, fand ich zum Jahresabschluss super“ (Samuel Horozovic)
Nach dem Spiel gegen Freiberg erblickte man in den Gesichtern der Verantwortlichen sogar so etwas wie Zufriedenheit. "Ihr habt sehr kampfbetont und männlich gespielt", lobte Gäste-Coach Kushtrim Lushtaku, was diese Saison viel zu selten zu loben war.
Schott-Mittelfeldspieler Daniel Bohl hatte die starke zweite Halbzeit mit einer Kabinenansprache eingeleitet, die auch im Trainerbüro nebenan die Wände wackeln ließ. Tenor: Wir bleiben als Mannschaft beieinander und lassen uns gar nichts mehr bieten.
Der Lohn blieb aus, "aber so ein Bild wollen wir als Mannschaft abgeben", betont Mairose. "Die Art und Weise, wie wir auf dem Platz agiert haben, fand ich zum Jahresabschluss super", hält Horozovic fest.
Grundsatzfragen und Attacke auf Platz 15
Beginnend bei der SG Barockstadt am 21. Februar - wo Bohl wegen seiner Roten Karte und Horozovic nach fünf Verwarnungen gesperrt fehlen werden - soll Rang 15 attackiert werden, in der Hoffnung, dass dies für den Klassenerhalt reicht. Nur sechs Punkte Abstand machen Hoffnung.
Bis dahin stehen Grundsatzfragen an. Wird der neue Trainer wieder intern rekrutiert oder braucht man Impulse von außen? Wird beim Abstieg ein Schnitt gemacht und deutlich verjüngt, auf Kosten eines möglichen Wiederaufstiegs? Versucht man es weiter mit regionalen Amateurspielern und einem niedrigen sechsstelligen Budget?
Oder wird versucht, in Sachen Sponsoring das große Rad zu drehen? Da kommen auf Geschäftsführer Till Pleuger und den Sportlichen Leiter Sascha Meeth - dessen Rückkehr auf die Trainerbank sich viele beim TSV wünschen - knifflige Entscheidungen zu, erst recht ob der neu geweckten Hoffnung auf den Klassenerhalt.