Um Punkt 09.58 Uhr erschien Johannes Hoff Thorup in den Katakomben des Allianz Stadions zu seinem ersten offiziellen Pressetermin als Rapid-Trainer. Die erste große Neuigkeit verkündete allerdings Geschäftsführer Sport Markus Katzer: Stefan Kulovits und Daniel Schepper werden unter dem Dänen nicht mehr zum grün-weißen Trainerteam zählen.
Neben Alan Arac, der ihn bereits bei Nordsjaelland und Norwich unterstützte, wird Hoff Thorup einen weiteren ehemaligen Bekannten ins Team holen. Chelsea-Legende Michael Essien, mit dem Hoff Thorup einst in Dänemark zusammenarbeitete, wird es voraussichtlich nicht sein. "Ich rede immer noch mit ihm, er ruft mich ab und zu an. Aber ich weiß nicht, ob wir das Budget für Michael Essien haben", scherzte Hoff Thorup auf kicker-Nachfrage. Der Ghanaer hatte seinen Vertrag als Co-Trainer von Nordsjaelland im Sommer bis 2027 verlängert.
Hoff Thorup baut auf "viele Augen"
Allerdings wolle Rapid jemanden mit einem vergleichbarem Profil suchen, der die (emotionale) Schnittstelle zwischen den Spielern und dem Trainer bilden könnte. Ohnedies sei es laut Hoff Thorup vor allem in der Anfangszeit wichtig, die Vorgänge innerhalb der Mannschaft von "vielen Augen" beobachten zu lassen. Dass er sich dabei nicht nur auf etablierte Kräfte aus dem Verein verlassen möchte, ist für Hoff Thorup wohl ein Learning aus seiner Zeit bei Norwich. Dort wurde er im April 2025 nach einer langen Negativserie entlassen. "Wir haben es defensiv nicht hinbekommen", blickte der 36-Jährige auf seine Zeit in der Championship zurück. Offensiv habe vieles gut funktioniert, zudem sei eine klare Spielidee zu erkennen gewesen.
Hoff Thorups bevorzugte Formation ist ein offensives 4-3-3-System, das sich ohne Ball zum 4-5-1 entwickelt. "Wir wollen das Spiel kontrollieren, eine gute positionelle Struktur haben, aus der wir viele Chancen kreieren können", erklärte Hoff Thorup. "Für mich ist aber auch wichtig, welche Spieler mir zur Verfügung stehen. Das Letzte, was ich machen will, ist, Forderungen an die Spieler zu stellen, die sie nicht wirklich erfüllen können." Seine Vorab-Analyse des Kaders habe ergeben, dass eine Viererkette gut zur Mannschaft passe. "Wir werden damit also zumindest einmal starten."
Bis zum ersten Spiel bleiben Hoff Thorup, der sich bei der mehr als 45-minütigen Pressekonferenz sehr souverän präsentierte, rund drei Wochen Zeit. Am 31. Jänner (17.30 Uhr, LIVE! bei kicker) gastiert Rapid im Cup-Viertelfinale bei der SV Ried, danach geht es für die Wiener in fünf Endspielen um den Sprung in die Meistergruppe. Katzer: "Wenn die Ergebnisse am Anfang nicht gleich so passen, werden wir nicht nervös werden."
Hoff Thorup: "Ohne hohe Erwartungen wäre ich nicht hier"
Die Kritik, ähnliche Bekenntnisse bereits bei Peter Stöger abgegeben zu haben, wies Katzer zurück: "Es ist nicht nur um die Ergebnisse gegangen. Der Fußball hatte am Ende nichts mehr mit unserer Spielidee und dem, was wir vorhatten, zu tun. Das Ziel muss sein, länger mit den Trainern zusammenzuarbeiten." Daher habe er sich absichtlich viel Zeit bei der Trainersuche gelassen und anschließend den "absoluten Wunschkandidaten" bekommen.
Freilich ist allen Beteiligten klar, dass der Druck angesichts der diffizilen Ausgangslage in der Liga - aktuell liegt Rapid als Siebter auf einem Qualifikationsgruppenplatz - trotz aller Lippenbekenntnisse enorm ist. "Ein großer Klub in einer großen Stadt hat auch hohe Erwartungen. Ohne hohe Erwartungen wäre ich nicht hier. Druck gehört dazu", meinte Hoff Thorup. "Aber die Spieler sollen frei davon spielen."