Dass die Nachspielzeit dieser Partie noch viel zu bieten haben würde, hätten in der 73. Minute wohl die Wenigsten für möglich gehalten. Als Daisuke Yokota nach seinem Treffer zum 2:0 jubelnd abdrehte, erschien ein hart erarbeiteter Auswärtssieg der Hannoveraner nicht nur realistisch, sondern sogar sehr wahrscheinlich. Dass es dann anders kam und am Ende des Duells zwischen Preußen Münster und Hannover 96 ein 2:2 auf der Anzeigetafel stand, hatte mehrere Faktoren.
Hannover gibt Kontrolle ab
Die Kaltschnäuzigkeit eines Oliver Batista Meiers vom Punkt (90.+1) und die Übersicht eines Zidan Sertdemirs, der die Kugel präzise zum 2:2 einschob (90.+6), sind zwei Gründe aus Münsteraner Sicht für den späten, und nicht unverdienten Punktgewinn. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sich bei Hannover nach dem 2:0 der Schlendrian eingeschlichen hatte. 96 beschränkte sich nur noch aufs Verteidigen und tat selbst viel zu wenig für das eigene Spiel.
Entsprechend bedient war 96-Trainer Christian Titz, der nach der Partie auf Ursachenforschung ging: "Wir haben zwei Dinge nicht mehr gemacht", erklärte der 54-Jährige. "Wir sind nicht mehr höher angelaufen. Das wollten wir eigentlich machen." Tatsächlich zog sich 96 weit zurück, ließ Münster das Spiel an sich reißen und konnte dabei selten eigene Nadelstiche setzen.
"Es war so ungefährlich"
Daran anknüpfend setzte der Trainer den zweiten Kritikpunkt: "Wir haben den Ball hinten nicht mehr kontrolliert, wir haben so riesige Räume gehabt, aber haben uns hinten reingestellt und den Ball ganz schnell wieder abgegeben. Wir waren ganz, ganz fahrlässig mit unseren Ballgewinnen." So witterte Münster seine Chance, wurde dabei aber vor allen Dingen mit Distanzschüssen wirklich gefährlich. Die eigene Box verteidigte 96 bis auf eine entscheidende Ausnahme konsequent.
"In diesem Spiel passiert nichts mehr, wenn wir nicht diesen völlig unnötigen Elfmeter produzieren", sprach der Trainer den Ausgangspunkt der Münsteraner Aufholjagd an. In der 90. Minute agierte Ime Okon im eigenen Sechzehner ungestüm und lief Lars Lokotsch in die Beine. "Es war so ungefährlich. Der Spieler (Lokotsch, Anm. d. Red.) läuft auf zwei von uns zu, da wäre gar nichts passiert", analysierte Titz.
Dass 96 durch das Unentschieden in Münster auswärts in dieser Zweitliga-Saison weiter ungeschlagen bleibt, tröstet in Hannover natürlich niemanden. Schon gar nicht Torhüter Nahuell Noll. "Ich war sehr, sehr sauer nach dem Spiel. Man muss es einfach nur über die Ziellinie bringen und dann schenken wir denen einen Elfmeter. Die machen mit dem letzten Schuss noch den Ausgleich", so der konsternierte Schlussmann.