Allzu häufig durfte Rani Khedira in seiner Zeit bei Union Berlin nicht als Erster zum Jubeln abdrehen. Bis zur Partie am Freitagabend gegen Borussia Mönchengladbach erzielte der defensive Mittelfeldspieler in 157 Partien für die Eisernen lediglich drei Treffer. Nun kam gegen die Fohlen das vierte Tor hinzu. Der 31-Jährige markierte mit dem 3:1 den Endstand gegen das noch sieglose Tabellenschlusslicht vom Niederrhein.
Er war bei der Ecke, die dem Tor vorausgegangen war, eigentlich für die Absicherung zuständig gewesen. Zuvor hatte Trainer Steffen Baumgart ihm noch aufgezeigt, wo er denn stehen solle und wie viele Spieler hinten bleiben mussten. "Der Ball war lange in der Luft, dadurch nicht so einfach zu nehmen", erklärte der Torschütze. Weil er sich eben nur arg selten in die Torschützenliste einträgt, musste sich Khedira in der Vergangenheit immer mal wieder den einen oder anderen scherzhaften Spruch von den Mitspielern oder der Familie gefallen lassen.
"Sehr gute Quote" im Training
So wie zuletzt erst, wie er erzählte: "Wir haben ein Fünf-gegen-fünf gespielt unter der Woche. Da hatte ich eigentlich eine sehr gute Quote. Da musste ich mir einen Spruch von meinen Brüdern gefallen lassen, dass ich doch ein Trainingsweltmeister sei." Mit seinem vierten Union-Treffer dürfte nun erstmal wieder Ruhe einkehren und er muss sich zunächst nichts mehr weiter anhören von der Mannschaft und seinem engeren Umfeld.
Es war nicht nur ein seltener Glücksmoment für den Vize-Kapitän, sondern ebenso ein wichtiger Erfolg für die Berliner, die zuletzt zweimal in Folge nicht gewinnen konnten und vor allem in der Vorwärtsbewegung einiges schuldig geblieben sind. Das war diesmal ein wenig anders: Die Köpenicker erwischten einen druckvollen Start und erspielten sich in der Anfangsviertelstunde einige Chancen gegen überforderte und in der Defensive ungeordnete Gladbacher.
Nach drei Standardsituationen fielen schlussendlich die Treffer zum dritten Saisonsieg. "Wir wollten eklig sein in den Zweikämpfen, ich habe viel Intensität bei meiner Mannschaft gesehen. Dadurch haben wir uns die Standards erkämpft", resümierte Steffen Baumgart. Nicht gefallen haben dürfte dem Trainer jedoch die Phase nach dem Anschlusstreffer zum 2:1. Aus dem Nichts schalteten die Hausherren in den Verwaltungsmodus, Gladbach wurde sukzessive stärker, ohne dabei aber große Möglichkeiten zu kreieren.
Umstellung bringt wieder mehr Stabilität
"Wir haben uns in der Halbzeit gut gesammelt. Wir wollten weiter vorwärts verteidigen und höher anlaufen", erklärte Khedira. Das ging im zweiten Abschnitt nur phasenweise auf. Mehr Stabilität bekamen die Unioner erst ins Spiel, als das Zentrum durch die Umstellung auf ein 3-3-2-2 wieder gestärkt wurde. "Dann hatten wir es wieder im Griff", sagte Khedira, der sich sein Tor vermutlich noch das eine oder andere Mal anschauen wird.