Offensichtlich fühlte man sich beim e.V., der mittlerweile wieder die Stimmrechtsmehrheit über die Spielbetriebsgesellschaft gegenüber Hopp in dem wackeligen Konstrukt der TSG Hoffenheim hält, zu einer Stellungnahme bemüßigt. Mehrere Mitglieder sollen angefragt haben zu der von Hopp veranlassten Prüfung durch die Düsseldorfer Wirtschaftskanzlei "Grant Thornton", nachdem der kicker zuletzt berichtet hatte, dass bis dato nichts Belastendes herausgekommen sei.
Kuriose Zeitschiene: Abberufungen schon am Freitag unterzeichnet
"Auf Grundlage der bislang vorliegenden Ergebnisse teilt der TSG 1899 Hoffenheim e.V. mit, dass nach seiner Kenntnis derzeit keine Feststellungen getroffen wurden, die eine rechtlich relevante Beanstandung des Handelns der Geschäftsführung begründen könnten. Dies gilt ausdrücklich auch für den gesamten Zeitraum, in dem Markus Schütz (Vorsitzender der Geschäftsführung) und Frank Briel (Geschäftsführer Finanzen) Verantwortung trugen", heißt es entsprechend auch in der Klubmitteilung.
Schütz und Briel waren als Triebfedern des in Teilen vom Landgericht Heidelberg aufgehobenen Hausverbots gegen Roger Wittmann Anfang November abberufen worden, der als Zeuge gegen den Spielerberater auftretende Sportgeschäftsführer Andreas Schicker nicht. Kurios: Das Schicksal des Duos war jedoch bereits Tage vor der offiziellen Verkündung der Freistellung besiegelt. Beide Protokolle zu den Gesellschafterbeschlüssen liegen dem kicker vor und sind auf 31. Oktober 2025 datiert.
Albrecht sollte Aufhebungsvereinbarungen aushandeln
An jenem Freitag also unterzeichneten Hopp und der mittlerweile zurückgetretene e.V.-Chef Jörg Albrecht die Abberufungen, die gemäß Protokoll mit Ablauf des 2. November in Kraft treten sollten. An diesem siegte die Mannschaft von Trainer Chris Ilzer noch mit 3:2 beim VfL Wolfsburg, ehe dann am Montag, 3. November, der kicker exklusiv von der bevorstehenden Trennung berichtete. Die aber erst am 5. November, also fünf Tage nach Unterzeichnung, durch den Bundesligisten offiziell kommuniziert wurde.
Laut Protokoll wird Albrecht damit beauftragt, Aufhebungsvereinbarungen mit Schütz und Briel auszuverhandeln. Diese Pflicht dürfte mit dem überraschenden Rücktritt des langjährigen Sinsheimer Oberbürgermeisters vom Amt des e.V.-Vorsitzenden - offiziell aus gesundheitlichen Gründen - auf Christoph Henssler als Stellvertreter übergegangen sein. Nur wie soll das funktionieren? Im Einzelnen wie im Gesamten?
Hensslers Schlusswort zeugt von Selbstbewußtsein und birgt Brisanz
Henssler soll noch am 4. November darauf gedrängt haben, die Doppel-Abberufung wieder einzufangen. Auch das dürfte ein Grund für die seltsame Zeitachse sein. Doch es ist ja offenkundig, dass dies konträr zum Willen von Geldgeber Hopp gewesen wäre, denn auf dessen Intervention fußt die Revision, die sich vornehmlich gegen Schütz und Briel richtete. Und in der Gesamtgemengelage fußt Hensslers Mandat vornehmlich auf den Stimmen der Ultras, aus deren Reihen er stammt und für die Wittmann weiterhin ein Rotes Tuch ist.
Dass Henssler nun in der e.V.-Mitteilung zur Sonderprüfung das Wort ergreift, lässt auf ein gewisses Selbstbewusstsein schließen: "Alle bisherigen Ergebnisse stützen vielmehr das Bild einer sorgfältigen, integren und verantwortungsvollen Geschäftsführung im bestmöglichen Interesse der Gesellschaft. Auch wenn die Prüfung derzeit noch nicht abgeschlossen ist, möchten wir bereits zum jetzigen Zeitpunkt über deren Stand informieren, da uns seitens vieler Mitglieder in den vergangenen Wochen zahlreiche Nachfragen erreicht haben." Die Schlussworte Hensslers bergen ob der Tatsache, dass Hopp die Revision beantragt hat, Brisanz und legen nahe, dass der nächste Zwist mit der Gegenseite nur eine Frage der Zeit sein könnte: "Der TSG Hoffenheim e.V. befürwortet einen zeitnahen Abschluss der Prüfung." Von Einigkeit kann im zerrissenen Dorfklub trotz des sportlichen Höhenflugs nach wie vor eher nicht die Rede sein.