Bezeichnend für das Leverkusener Dilemma an diesem Champions-League-Abend war der Auftritt von Malik Tillman. Der US-Amerikaner tauchte immer wieder in gefährlichen Zonen auf, brachte aber kaum einen ernsthaften Abschluss zustande - im Strafraum fehlte die Zielstrebigkeit. Aber nicht nur Tillman erzeugte zu wenig Torgefahr, sondern die gesamte Bayer-Mannschaft spielte um den Sechzehner teilweise sehr ansehnlichen Kombinationsfußball, doch machte dann zu wenig daraus.
Das sah auch Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand nach dem Spiel am DAZN-Mikrofon so: "Wir hatten eigentlich Möglichkeiten für mehr als ein Tor. Wir hatten eigentlich die Chancen für einen Sieg." Es sei ein "ganz gutes" Spiel gewesen, sagte der Däne, aber man müsse diese Partie "natürlich gewinnen": "Uns fehlt der letzte Punch, der letzte Pass. Wir hatten sechs oder sieben Überzahlsituationen."
Grimaldo sieht positive Entwicklung
Vor allem in der ersten Halbzeit war immer wieder Alejandro Grimaldo der Auslöser für die Überzahlsituationen der Werkself. Der nominelle Außenverteidiger tauchte ein ums andere Mal im Zehnerraum auf und initiierte durch seine herausragenden Steckpässe Chancen. Dementsprechend zeigte sich der Bayer-Kapitän trotz des Unentschiedens zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft: "Wir haben eines unserer besten Spiele gemacht, aber so ist es eben in der Champions League. Da wird man manchmal nicht belohnt."
Grimaldo sei aber überzeugt, dass sich die Werkself auf "dem richtigen Weg" befinde und die kommenden Spiele gewinnen könne. Er lobte vor allem die Produktivität: "Wir haben Chancen kreiert, die wir davor nicht kreiert haben." Das Zusammenspiel innerhalb der Mannschaft werde immer besser.
„Wir haben kein Training. Wir spielen Spiele.“ (Kasper Hjulmand über die englischen Wochen)
Und das, obwohl Leverkusen momentan kaum auf dem Trainingsplatz zusammenkommt, wie Hjulmand klarstellte: "Wir haben kein Training. Wir spielen Spiele", sagte der Coach. Die Mannschaft müsse aus den Spielen lernen: "Es ist Regeneration und Vorbereitung für das Spiel. Es ist von Spiel zu Spiel." Seine Spieler hätten alles versucht, gab der Trainer zu Protokoll, aber "es ist nicht einfach", weil viele "neue Spieler" und "sehr junge Spieler" in der Mannschaft seien.
Hjulmand "liebt die Spiele"
Auch Hjulmand ist der Meinung, dass sich das Team auf einem "guten Weg" befinde, aber es brauche eben "Zeit und Siege". Dabei ist es für den 53-Jährigen gar kein Problem, dass er statt auf dem Trainingsplatz häufiger im Stadion an der Seitenlinie stehen muss: "So ist das. Das ist schön. Ich liebe die Spiele." Und schon am Samstag darf sich Hjulmand auf das nächste seiner geliebten Spiele freuen. Dann ist Leverkusen um 15.30 Uhr in der Bundesliga zu Hause gegen Union Berlin gefordert.