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"Unser Publikum sollte uns eher beflügeln": Bayreuths unerklärliche Heimmisere

kicker

Drei Heimspiele, dreimal torlos, dreimal punktlos. Zuletzt reagierte Lukas Kling, Trainer der SpVgg Bayreuth, nach den Auftritten seiner Mannschaft auf heimischem Boden ungewohnt schmallippig. Er fand dennoch passende Worte für die Darbietung der Altstädter, die eher der eines Abstiegskandidaten denn der eines im Rahmen seiner Möglichkeiten ambitionierten Teams gleichkamen.

Die mitunter harsche Kritik an der kompletten Mannschaft hatte ihre volle Berechtigung. Die Frage, die sich stellt, ist die der unterschiedlichen Auftritte in der Fremde und zu Hause. An den Anhängern kann es nicht liegen: Gegensätzlich zu anderen Traditionsstandorten stehen die Fans zu den Spielern und dem Trainerteam, finden immer wieder aufbauende und kämpferische Worte, unterstützen ihr kickendes Personal auch auswärts in großer Zahl mitreisend.

Zurück zu den Basics - Verletzungspech keine Ausrede

Eine Erklärung für die nicht konvergierenden Leistungen zu finden, fällt auch Kling schwer. Wo sieht er den Ansatz zur Besserung? Das macht er nicht an den personellen Voraussetzungen fest, sondern an oder in den Köpfen seiner Spieler. "In der letzten Saison habe ich immer von den Basics geredet. Da müssen wir wieder hinkommen", analysiert er, "Laufwege nicht scheuen, die Zweikämpfe wieder annehmen. Alles andere kommt dann von alleine."

Kein Freund ist er davon, Verletzungspech vorzuschieben. Schließlich fallen mit dem am Montag nach einem anfangs nicht diagnostizierten Sehnenriss operierten Neuzugang Ben Fischer, Zentrumsspieler Marco Zietsch und dem bis zu seinem Wadenbeinbruch überragend aufgelegten vierfachen Torschützen Felix Heim gleich drei unumstrittene Stammspieler aus. Mit Marco Stefandl, Jann George und dem jüngst aufs Feld zurückgekehrten Deniz Koc mussten weitere Kicker mehr oder minder lange passen - dazu fehlte mit Kapitän Nicolas Andermatt bei der 0:2-Niederlage gegen den SV Wacker Burghausen der unumstrittene Führungsspieler des Teams gelbgesperrt.

„Zehn Minuten macht die Mannschaft vieles richtig, setzt die Vorgaben um - und danach klappt überhaupt nichts mehr.“ (Lukas Kling)

Auch das lässt Kling nicht gelten. "Fakt ist, dass wir es zu Hause den Gegnern zu leicht machen, zu Toren zu kommen", so der Altstädter Übungsleiter, "wir sind zu wenig aggressiv und haben zu große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen."

Er selbst justierte im Spiel mehrfach nach, nahm seinen Youngster Tino Lennerth, den er einst in der U 17 der Stuttgarter Kickers schon trainierte, nach einer halben Stunde vom Feld, versuchte taktische Änderungen - am Ende verpufften alle Versuche aufgrund des lethargischen Auftritts des Kollektivs. "Zehn Minuten macht die Mannschaft vieles richtig, setzt die Vorgaben um", stellt er fest, "und danach klappt überhaupt nichts mehr."

Zuschauertiefpunkt: niedrigster Wert seit 2022

Irritierend war auch die Zuschauerzahl: Nur 921 Besucher, der schwächste Zuspruch seit dem 9. April 2022 - damals waren gegen Schalding-Heining 771 Zuschauer im Hans-Walter-Wild-Stadion - sorgten nicht für Freudensprünge. Es dürfte aber eher an den Umständen, denn an den letzten Heimleistungen gelegen haben. Da BR24 die Partie live streamte, wurde sie einen Tag vorverlegt: Nicht wenige wollten das Spiel daher nur auf der Couch verfolgen, ebenso viele zog es zum fast parallel stattfindenden Oberligaspiel der Bayreuth Tigers auf der anderen Mainseite.

In Vilzing gilt es am Wochenende, den Abstand nach unten wieder zu vergrößern. Schließlich rangiert der Gastgeber mit nur drei Punkten weniger in der Tabelle als Nachbar, würde mit einem Sieg vorbeiziehen und die Lage in der Wagnerstadt nicht gerade verbessern.

"Mit einem Sieg wärst du wieder draußen", so der Bayreuther Trainer. Was für die Altstädter spricht? Die Auswärtsbilanz. In den bislang nur vier Auftritten in der Fremde sind Klings Schützlinge um Hoffnungsträger Thomas Winklbauer an vorderster Front noch ungeschlagen.

„Unser Publikum daheim sollte uns ja eher beflügeln. Mit ein paar Prozent weniger geht das aber nicht.“ (Lukas Kling)

Dem Sieg im Auftaktspiel bei der SpVgg Ansbach folgten drei Unentschieden: Während die Gelb-Schwarzen bei Schwaben Augsburg einen 2:0-Vorsprung verspielten, brillierten sie beim 2:2 im Grünwalder Stadion gegen die kleinen Bayern und auch beim 1:1 in Memmingen nicht nur phasenweise, sondern riefen äußerst bemerkenswerte Auftritte ab.

"Es ist mir zu einfach, das darauf zu schieben, dass die Mannschaft auswärts weniger Druck hat", sagt Kling, "unser Publikum daheim sollte uns ja eher beflügeln. Mit ein paar Prozent weniger geht das aber nicht, da es ja den Gegner genauso anspornt, vor einer solchen Kulisse zu spielen." Für Kling steht fest, dass er mit seinen Mannen den Sieg in Vilzing holen will. "Danach spielen alle gegeneinander", blickt er nach vorne.

Wohlwissend, dass bei einer Niederlage oder einem Unentschieden die Altstadt in dem Wort "alle" mittendrin wäre. Zumal mit den Würzburger Kickers und der SpVgg Unterhaching die vermeintlich dicksten Bretter der Liga noch zu bohren sind. Klings Hoffnung ist klar - und die Gründe ebenso: "Es ist dermaßen schnelllebig und geht ratzfatz", sagt er rückblickend. Nach fünf Partien ohne Niederlage träumte der ein oder andere Anhänger bereits von mehr - nach jetzt fünf Partien ohne Sieg schlug dieses Pendel aus in die Gegenrichtung.