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VfB Lübeck zwischen Negativtrend und Ausgliederung

kicker

Der Motor beim VfB Lübeck ist in den letzten Wochen ins Stocken geraten. Nach drei Niederlagen in der Regionalliga Nord (HSC, Phönix, Werder II) traten die Grün-Weißen nun auch am vergangenen Freitag mit einem 2:7 im Gepäck die Heimreise vom Kehdinger Stadion in die Hansestadt an. Verständlich, dass Guerino Capretti mit dem Ergebnis ganz und gar nicht zufrieden war. "Wenn du sieben Tore kassierst, dann ist das schon eine Hausnummer. Beim ersten Gegentor war das meiner Meinung nach kein Elfmeter. In der zweiten Halbzeit haben wir dann ein paar Gegentreffer kassiert, die total unnötig sind", wird er deutlich.

"Klar, du liegst zurück, hast selber Torchancen, die du nicht machst. Der Gegner hingegen spielt befreit auf, irgendwie klappt da recht viel. Bei uns will der Ball einfach nicht über die Linie. Die Jungs haben alles versucht, mit ihren Mitteln, haben sich dagegengestemmt. Am Ende sollte es nicht sein. Sieben Tore sind trotzdem zu viel, das darf uns nicht passieren", so der Cheftrainer des VfB.

Elf Ausfälle

Bitter für Capretti war aber auch schon die Tatsache, dass die Schleswig-Holsteiner ohne insgesamt elf Spieler des sowieso schon dünn besetzten Kaders auskommen mussten. Verletzt fehlten Ali Abu-Alfa (Muskelriss im Oberschenkel), Ware Pakia (Syndesmosebandriss), Pierre Becken (Kreuzbandriss), Julian Albrecht (Mittelfußbruch), Noah Andreas (muskuläre Probleme) und Joel Amadi (Muskelfaserriss).

Damit nicht genug: Gesperrt nicht zur Verfügung standen Nemo Philipp (Gelb-Rot), Mika Lehnfeld (Rot), Antonio Verinac, Marvin Thiel und Luca Menke (alle fünfte Gelbe Karte). Der VfB-Cheftrainer war also gezwungen, zu improvisieren, musste mit Torben Sachau (18), Jaromir Grimm (18), Linus Goldmann (19), Henry Jeschonek (18) und Davyd Ramaki (19) - letztgenanntes Duo stand in der Startformation - auf Talente aus der U 21 (Landesliga) zurückgreifen, um überhaupt 16 Spieler (darunter zwei Keeper) auf dem Spielbogen zu haben.

Optimal ist anders, an der Lohmühle sieht man das Ganze dann aber auch ein bisschen als Chance. Auch wenn das Ergebnis am Ende schon deftig ausfiel: "Den jungen Spielern kann man keinen Vorwurf machen, die haben alles versucht und reingehauen, was sie können. Sie haben sicherlich auch Erfahrung gesammelt", stellt sich VfB-Sportvorstand Sebastian Harms vor Youngster und Mannschaft, glaubt an einen Lerneffekt und blickt lieber nach vorne. "Jetzt müssen wir uns schnell wieder aufrichten, dann nächste Woche, mit den Jungs, die zurückkommen, im Heimspiel gegen Emden mal wieder punkten."

Ein bisschen hausgemacht

Für Capretti ist diese angespannte personelle Situation Neuland, kommt aber auch nicht ganz so unerwartet. "Ich habe so etwas noch nie erlebt. So etwas ist aber der Tatsache geschuldet, dass wir schon in der Vorbereitung nie alle Spieler zusammen hatten. Das ist uns auf die Füße gefallen", liefert der Lübecker Trainer eine Erklärung und geht weiter ins Detail. "Ich habe die Jungs im Sommer ja nach und nach gekriegt, jeder war auf einem anderen Level. Wir haben es bisher eigentlich auch nie geschafft, mal Training mit einem nachhaltigen Effekt zu machen. Weil immer wieder bei einigen nachgearbeitet werden musste, während andere sich auf den Stand bringen mussten, um ihre Fitness für neunzig Minuten aufzubauen. Es mussten auch Spieler auf dem Platz ran, die einfach noch nicht so weit waren", so der Coach: "Wir hatten zudem ja auch viele englische Wochen. Das klingt jetzt vielleicht zunächst nach Alibi, aber so kommen gerade muskuläre Verletzungen zwangsläufig."

Capretti versucht aber, positiv zu bleiben: "Diese Saison ist echt schwer. Wir müssen jetzt schauen, dass wir bis zur Winterpause wieder so viele Männer wie möglich dabeihaben, so viele Punkte wie möglich holen. Und die Zeit danach nutzen, um alle auf den gleichen Stand zu bekommen, um dann in der Restrunde zu marschieren."

Ausgliederung geplant

Am Sonnabendvormittag fand im "Juniper" (Herrenholz) zudem die Jahreshauptversammlung des VfB statt. Die Tagesordnung war voll, allerdings stach auf der Liste der abzuarbeitenden Dinge ein Punkt heraus: das Thema Ausgliederung. Dort steht der Traditionsverein hinsichtlich der Gemeinnützigkeit und deren Gefährdung unter einem gewissen Druck, hat kaum Spielraum, diesen Schritt weiter in die Zukunft aufzuschieben.

Dabei hat man das Gesamtkonstrukt im Blick. Ein Entzug gefährdet nämlich den gesamten Sportbetrieb aller in Sportverbänden organisierten Mannschaften des VfB. Vorstand und Aufsichtsrat gehen dabei einstimmig und geschlossen voran, haben an die Mitgliedschaft appelliert, damit nach der letzten Finanzkrise 2024 - eine Lücke von einer Million Euro war aufgetreten und wurde geschlossen - der VfB so aufgestellt wird, um durch eine weitere Krise im Profifußball nicht nochmal den gesamten Verein in seiner Existenz zu gefährden.

Die ersten Schritte sind augenscheinlich gemacht. Detlef Meyer-Stender wurde in der fünfeinhalb Stunden dauernden Veranstaltung in den Aufsichtsrat berufen, das Gremium aus fünf Personen komplettiert. Dr. Dieter Gudel (Vorstandsvorsitzender) zeigte sich optimistisch: "Wir haben über die abgelaufene Saison gesprochen, wo wir aktuell stehen, haben verschiedene Facetten des Vereins beleuchtet und am Ende darüber diskutiert, dass wir als Vorstand und Aufsichtsrat damit beauftragt werden, eine Ausgliederung des Profifußballs beim VfB vorzubereiten und den Mitgliedern in der Rückrunde vorzustellen. Insgesamt war es sehr sachlich, wurde natürlich auch leidenschaftlich und emotional diskutiert. Aber am Ende haben wir einen guten Schritt gemacht, unseren VfB weiterzuentwickeln."

Sportlich startet der VfB Lübeck am Montag in die neue Trainingswoche, wird dort fünf Einheiten absolvieren, ehe es am kommenden Freitag (19.30 Uhr) in der Regionalliga Nord mit einem Heimspiel gegen Kickers Emden weitergeht. Dort werden bis auf Mika Lehnfeld (Rotsperre) dann auch immerhin wieder vier zuletzt gesperrte Spieler in den Spieltagskader zurückkehren.