Es passte in die verkorkste Saison von Real Madrid, als Florentino Perez Mitte Mai plötzlich Neuwahlen ausrief und sein Amt als Präsident damit "zur Verfügung stellte". Für den 79-Jährigen, der nach einer ersten Amtszeit zwischen 2000 und 2006 nun seit dem 1. Juni 2011 ununterbrochen an der Spitze des Klubs steht, sollte es aber nur eine Machtdemonstration werden. Es gebe schließlich noch "viel Geschichte zu schreiben", wie es in Perez' Wahlmotto hieß.
Wie groß aber war die Lust der Vereinsmitglieder, an dieser Wahl teilzunehmen? Ein erster von Real selbst kommunizierter Zwischenstand um 17 Uhr war noch nicht so verheißungsvoll - und zeigte eine Wahlbeteiligung von 31,37 Prozent. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten lediglich 23.593 Mitglieder ihren Weg zur Wahlurne gefunden. Die Wahllokale hatten allerdings auch noch drei Stunden lang geöffnet.
Gegenkandidat Riquelme spuckte im Vorfeld der Wahl große Töne, sprach von einem Sportdirektor Raul, träumte von Trainer Jürgen Klopp und einer Verpflichtung von Erling Haaland. Am Ende aber setzte sich wie erwartet Perez mit 65 Prozent der Stimmen (21.741 an der Zahl) durch - obwohl ihm zwischenzeitlich nach eigenen Angaben 1000 Stimmen der Briefwahl wegen Unregelmäßigkeiten aberkannt worden waren. Riquelme landete bei 35 Prozent (11.814 Stimmen) und kündigte an: "Das ist nicht das Ende, das ist der Anfang."
Die ersten drei Deals eingetütet?
Als Perez nach Mitternacht die Bühne betrat, hatte er eine Video-Botschaft seines neuen Trainers im Gepäck - José Mourinho äußerte keinen Zweifel, dass Perez weiterhin Präsident bei Real Madrid sein würde. 15 Millionen Euro müssen die Königlichen an Benfica überweisen, um den Portugiesen loszueisen.
Neben Mourinho soll Perez auch die Deals mit Liverpools ablösefreiem Innenverteidiger Ibrahima Konaté und Inters Rechtsverteidiger Denzel Dumfries weit vorangetrieben haben.
"Ich möchte mich auch an jene Mitglieder wenden, die nicht für mich gestimmt haben", erklärte Perez in der Nacht: "Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um ihren Anliegen gerecht zu werden. Wir werden unsere Arbeit intensivieren, damit alle wissen, dass wir ein offenes Ohr für ihre Probleme haben. Wir werden ihnen näher sein als je zuvor, denn wir alle sind Real Madrid."