Ein unglaubliches Fußballjahr liegt hinter Arminia Bielefeld: Die Rückkehr in die 2. Bundesliga als Drittligameister, das gegen Stuttgart verlorene DFB-Pokal-Finale (2:4) und schließlich der Sieg im Westfalen-Pokal gegen die Sportfreunde Lotte (2:0). Da passte bei der Rückkehr ins Berliner Olympiastadion ein irrer Jahresabschluss sehr gut ins Bild.
In der allerletzten Spiel-Sekunde des Jahres 2025 zirkelte Stefano Russo den Ball traumhaft in den rechten Winkel und glich so auf dramatische Weise Herthas Führungstreffer noch aus. "Den trifft er nie wieder so. Glückwunsch", mokierte Berlins Trainer Stefan Leitl nach Abpfiff bei Sky, der Torschütze selbst beschrieb seinen Sonntagsschuss eher flapsig: "Unbeschreiblich. Nach schweren harten Wochen ist das ein schönes Gefühl."
Viel Lob für Debütant Yasar
Das Gefühl durfte umso schöner gewesen sein, da die Formkurve der Arminia zuletzt nach unten gezeigt hatte. Aus den letzten vier Spielen hatte der Aufsteiger nur einen Punkt geholt und dabei nur einmal selbst getroffen - vom Elfmeterpunkt. Vier Punkte trennten die Bielefelder vor Anpfiff in der Hauptstadt nur noch von den Abstiegsrängen.
„Diesen Virus hat die Mannschaft einfach. Wir wollen immer mehr.“ (Mitch Kniat)
Umso mehr freute Mitch Kniat der Auftritt in Berlin, auch wenn dieser erneut keinen Dreier brachte. "Erstmals ist der Punkt nicht so wichtig wie das Gefühl. Dass du weißt, wenn du ans Limit gehst, dann kannst du jeden Gegner schlagen, kommst immer zurück", meinte der DSC-Trainer stolz. Seine Mannschaft fighte bis zur letzten Minute, "egal, was die letzte Minute ist", so Kniat weiter. "Diesen Charakter, diesen Virus hat die Mannschaft einfach. Wir wollen immer mehr und das ist heute viel mehr wert als der eine Punkt."
Beinahe nahtlos fügte sich auch Eyyüb Yasar ein. Das 17-jährige Eigengewächs, das am Freitagabend sein Profidebüt feierte, setzte jedem Ball nach und zwang mit einem Distanzschuss Hertha-Keeper Tjark Ernst zu einer Glanzparade. "Er ist ein typischer Achter, der extrem viel läuft, mit einer extrem guten Schusstechnik", lobte Kniat das Talent. "Der Junge gibt einfach Gas. Es gilt, ihn weiter aufzubauen. Wer mich kennt, der weiß, da bin ich der Richtige dafür."
Mit Stolz in die Winterpause
So endete eine komplizierte Hinrunde für die Ostwestfalen versöhnlich. "Wir sind eine junge Mannschaft, sowas gehört dazu", kommentierte Russo den jüngsten Negativlauf. Nach einem euphorischen Anfang sei man "ein bisschen ins Negative geraten", so der Abräumer. "Aber wir sind stark geblieben, bleiben immer bei uns. Und so war das heute für die Mannschaft ein überragender Tag."
Auch Kniat zog ein Fazit: "Jeder hat gesehen, dass wir die ganze Hinrunde über in jedem Spiel alles reingehauen haben. Das macht mich stolz." Jetzt sei es Zeit für die Winterpause, nachdem die beiden Finals im Mai den Sommerurlaub auf nur 14 Tage verkürzt hatten. "Die Jungs sind extrem froh, dass sie mein Gesicht für mindestens zwei Wochen nicht sehen müssen", witzelte Kniat. Russo pflichtete ihm grinsend bei: "So gerne wir ihn haben. Zwei Wochen tun mal gut."