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Vom Sorgenkind zum Überflieger: Wie Ansbach den Kopf aus der Schlinge zog

kicker

Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft - das beste Beispiel dafür liefert derzeit die SpVgg Ansbach. Ende August hing der Himmel über der mittelfränkischen Hauptstadt noch pechschwarz: Nach einem großen Umbruch im Sommer und dem Abgang zahlreicher verdienter Spieler hatten die Nullneuner eine Bruchlandung hingelegt und standen sieglos auf dem vorletzten Tabellenplatz.

Im traditionell kritischen Umfeld an der Rezat war zu diesem Zeitpunkt erwartungsgemäß eine gewisse Unruhe spürbar. Ist der Kader breit genug, gut genug? Droht erneut der Abstiegskampf? Die Antwort lieferten die Grün-Weißen umgehend: Sechs Wochen später ist die Mannschaft kaum wiederzuerkennen - entpuppte sich vom Sorgenkind zum Überflieger der Liga. 13 von 15 möglichen Punkten aus den folgenden fünf Ligaspielen ließen die Elf von Niklas Reutelhuber aus dem Tabellenkeller emporsteigen.

Am Freitagabend empfing man als formstärkste Mannschaft der Liga vor der Top-Kulisse von 2.675 Zuschauern die kleinen Bayern - auf dem Papier sogar als Favorit. In einem ausgeglichenen Duell trotzte man dem FCB-Nachwuchs - auch mit dem nötigen Glück in der Schlussphase - ein Remis ab und hielt damit die Serie am Leben.

„Das Remis war verdient und glücklich zugleich.“ (Niklas Reutelhuber)

"Das Remis war verdient und glücklich zugleich", resümierte der jüngste Regionalligatrainer Deutschlands. Damit hatte er keinesfalls Unrecht. Über 75 Minuten boten die Nullneuner einen großen Kampf und hätten mehrfach selbst den zweiten Treffer erzielen können. Zugeben musste Reutelhuber, dass die Bayern-Amateure mit einem Powerplay "vielleicht gegen Ende doch dem Sieg näher waren."

Mit dem sechsten ungeschlagenen Spiel in Folge belegt Ansbach nun einen einstelligen Tabellenplatz mit komfortablem Polster zur Gefahrenzone - eine Ausgangslage, die noch vor wenigen Wochen kaum vorstellbar schien. Wie kam es also zu dieser Leistungsexplosion? "Manchmal liegen Sieg und Niederlage sehr eng beieinander", analysiert Reutelhuber. Die Leistungen hätten - abgesehen von den Partien in Vilzing und Unterhaching, in denen "das Gesamtkonstrukt nicht funktionierte" - meist gestimmt. Nur der Ertrag ließ lange auf sich warten.

Glaube an die eigenen Stärken

"Wir wussten immer, was wir konnten." Mit diesem Gedanken bezieht sich der Trainer nicht nur auf sich selbst oder die Verantwortlichen wie Christoph Hasselmeier, der den Kader zusammengestellt hatte, sondern auch auf die Mannschaft. Der Glaube an die eigenen Stärken, gepaart mit Arbeitsmoral und Selbstreflexion, sei ausschlaggebend gewesen, um die schwierige Phase zu überstehen.

„In der Breite haben wir aktuell den besten Kader, den es je bei der SpVgg gegeben hat.“ (Niklas Reutelhuber)

Die klassischen Führungsspieler um Kapitän Tobias Dietrich, Abwehrchef Eric Weeger und Vereinslegende Patrick Kroiß, der beim 6:3 gegen Hankofen mit vier Assists an seine Gala-Auftritte aus Bayernligazeiten erinnerte, erwiesen sich als verlässliche Stützen. Neuzugänge wie Sommertransfer Mirko Puscher entwickelten sich schnell zu Lautsprechern auf dem Platz.

Doch wie Reutelhuber klarstellt, kann man auch ohne Lautstärke Verantwortung übernehmen. Tarkan Ücüncü und Björn Angermeier etwa "streiten sich jede Woche um die meisten gelaufenen Kilometer - das gibt einer Mannschaft mindestens genauso viel." Sven Landshuter, der Ansbach damals in die Regionalliga geschossen hatte, nach langer Verletzung zwischenzeitlich aber fast zwei Jahre lang einen schweren Stand hatte, überzeugt inzwischen mit alter Stärke wieder regelmäßig in der Startelf und steht sinnbildlich für die enorme Kader-Tiefe, über die Ansbach mittlerweile verfügt.

Reutelhuber geht sogar noch weiter: "In der Breite haben wir aktuell den besten Kader, den es je bei der SpVgg gegeben hat. Wenn ich mich umdrehe, denke ich mir: Jeder Spieler ist eine Option - das sagt schon viel aus."

Schwere Aufgaben vor der Brust

Diese positive Gefühlslage gilt es nun, aufrechtzuerhalten. Am Freitag geht es zum Überraschungsaufsteiger FC Memmingen, der laut Reutelhuber "zu Recht mit 19 Punkten auf Platz 7 steht". Am darauffolgenden Dienstag wartet mit dem FV Illertissen direkt "der nächste schwere Brocken".

Um möglichst viele Spieler im Rhythmus zu halten, bestritten die Nullneuner am Dienstag ein Testspiel gegen den Sechstligisten SC 04 Schwabach. Beim souveränen 10:3-Kantersieg sammelte Reutelhuber "wichtige Eindrücke" - denn in Memmingen soll es "am besten wieder drei Punkte geben".