Nicht mal er selbst konnte sich das Lächeln verkneifen, als sowieso schon alle jubelten und alles toll war und endlich wieder ein bisschen normaler. Neun Monate nach seinem Kreuzbandriss feierte Alphonso Davies am Dienstagabend beim Spiel der Bayern gegen Sporting (3:1) sein Comeback auf dem Rasen der Allianz-Arena.
Falsch hätte dabei sowieso wenig laufen können, Trainer Vincent Kompany war sich am Montag ja angeblich noch nicht mal sicher gewesen, ob er Davies schon in den Kader packen wollte. Doch als er dann dabei war und die Bayern das Spiel gegen Portugals Double-Sieger auf die sichere Bahn gebracht hatten, war die Zeit gekommen für Sentimentalitäten und Belohnungen.
Also zog sich Davies nach 85 Minuten um, was die ersten Zuschauer schon aufstehen ließ. Und genau zwei Minuten später stand er bereit an der Seitenlinie, holte sich eine Umarmung von Serge Gnabry und Josip Stanisic und stehende Ovationen von den Rängen ab. Und als er anderthalb Minuten danach zum ersten Mal den Ball berührte, klatschte ein Großteil der Fans erneut und kurz darauf noch lauter, weil Davies in gewohnter Sprinter-Manier den Ball gegen Sportings Joao Simoes eroberte - und dann selbst kurz lächelte.
Normal ist deshalb noch lange nicht wieder alles, aber die Normalität rückt immer näher. "Das ist einfach schön für ihn", freute sich Sportvorstand Max Eberl über Davies, der sich im März bei der kanadischen Nationalmannschaft einen (übrigens initial nicht diagnostizierten) Kreuzbandriss zugezogen hatte. "So eine Reha, acht, neun Monate… das ist extrem anstrengend, auch für den Kopf."
Was besonders Davies' Teamkollege Joshua Kimmich höchsten Respekt abverlangt: "Wie er durch die Reha gegangen ist, ist schon vorbildlich, herausragend", sagt Bayerns Sechser. "Ich glaube, das hätte ich so nicht gepackt mit dieser positiven Energie. Er hat auch immer versucht, nah bei der Mannschaft zu sein, ist eigentlich seit Monaten immer bei uns in der Kabine." Und dort genauso wie vor der Verletzung der zuständige DJ.
„Ich finde, dass unser Feuer dieses Jahr die Geschichte von Phonzy, Ito und Jamal ist.“ (Vincent Kompany)
"Das war eine harte Zeit", weiß Manuel Neuer, der sich unglücklicherweise gut auskennt mit schwerwiegenden Verletzungen. "Für ihn ist es ganz wichtig, dass er cool bleibt bis zur Winterpause." Soll heißen: Nicht überdrehen, langsam ankommen und peu à peu zu alter Stärke finden.
Was anderes sieht der Plan von Trainer Vincent Kompany auch gar nicht vor, er hat für die linke Abwehrseite schließlich genügend gute Alternativen mit Josip Stanisic als zuverlässigen Zweikämpfer oder - etwas überraschend - mit Tom Bischof als spielstarken Gestalter gegen weniger offensivstarke Kontrahenten.
Für Davies sei jeder Einsatz vor Weihnachten ein Bonus, das hatte Kompany bereits im Vorfeld gesagt. Im Januar soll er sich den 100 Prozent nähern und Stammspieler werden. Bis dahin darf der inzwischen 25-Jährige Minuten sammeln und das gute Gefühl mitnehmen in die Pause. "Was Phonzy dieses Jahr spüren wird, auch Ito und Jamal, wenn er zurück ist", sagt Kompany über das langzeitverletzte Trio, "wie schwierig es ist, ein Top-Fußballspieler zu sein. Wie gut sich das anfühlt, wenn man mal Minuten bekommt; wenn man Tore schießt, siegt. Ich möchte, dass die Mannschaft das mitnimmt."
Und daraus Kraft zieht: "Letztes Jahr war die Geschichte von Harry und Eric Dier, die zum ersten Mal was gewonnen haben." Feuer in die Mannschaft brachten. "Und ich finde, dass unser Feuer dieses Jahr die Geschichte von Phonzy, Ito und Jamal ist. Und wie hart die Jungs gekämpft haben, um zurückzukommen. Was die jetzt spüren, muss jeder in der Mannschaft spüren."