Diesen Sommer gab es ein Jubiläum zu feiern. 20 Jahre Österreicher-Topf, der einst zur Saison 2004/05 eingeführt wurde. Er entstand als Reaktion auf die Legionärsflut, die infolge des Bosman-Urteils nach Österreich gekommen waren. Aber seine Einführung war auch der Erkenntnis geschuldet, dass man zwar bald gemeinsam mit der Schweiz ein Großereignis im eigenen Land austragen darf - die EM 2008 -, aber kaum gute Spieler zur Verfügung hatte, um dort erfolgreich zu sein.
Nun, im 21. Jahr des Bestehens, steht der Österreicher-Topf vermeintlich auf der Kippe. Lassen wir einmal die Facette weg, dass die Regelung im Sinne der EU diskussionswürdig ist - und konzentrieren uns auf das Sportliche.
TV-Vertrag mischt Karten neu
Die Bundesliga hat von der Selbstvermarktung (vorerst) Abstand genommen und sich kürzlich erneut mit Sky auf einen neuen TV-Vertrag verständigt. Kolportiert fließen 28 Millionen Euro pro Jahr von Sky, insgesamt sollen es rund 36 Mio. sein. Das ist weniger als die Jahre zuvor, wo es 42 Mio. jährlich gewesen sein sollen.
Es ist ungewöhnlich, dass man in Zeiten der Inflation und immer größer werdender Ausgaben im internationalen Klubfußball weniger Einnahmen für die Übertragungsrechte erhält. Doch es ist die Realität, der man sich stellen muss - und die die Frage aufwirft: Wo wird künftig gespart?
Wie funktioniert der Österreicher-Topf?
Davor aber noch kurz zum Österreicher-Topf selbst. Die Bundesliga erklärt ihn wie folgt: "Auch in diesem Jahr wird der Einsatz österreichischer Spieler wieder finanziell gefördert. Für den Erhalt der Förderung aus dem Österreicher-Topf muss ein Klub in jedem Spiel bei bis zu 18 Spielern im Spieltagskader mindestens zwölf Spieler auf den Spielbericht setzen, die die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen oder vor Vollendung ihres 18. Lebensjahres zum ersten Mal in Österreich registriert wurden und für die U22 (Stichtag 1.1.2004) spielberechtigt sind. Nimmt ein Klub 19 oder 20 Spieler in den Spieltagskader auf, müssen mindestens 13 Spieler die Kriterien des Österreichertopfes erfüllen."
Und weiters: "Die Ausschüttung erfolgt in drei Abrechnungsperioden (nach elf bzw. 22 Runden sowie nach dem Finaldurchgang) und nach der Anzahl der Spielminuten österreichischer Spieler, wobei die Minuten von U22-Spielern vierfach gewertet werden. Erfüllt ein Klub in einem Spiel die Kriterien nicht, hat er für die jeweilige Abrechnungsperiode keinen Anspruch auf die Förderungen aus dem Österreicher-Topf."
Die Großen haben ein neues Geschäftsmodell
In der Bundesliga entscheiden die Vereine - jeder Klub hat eine Stimme -, wohin die Reise in Zukunft geht. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber laut APA-Informationen sollen im Vorjahr 6,1 Millionen Euro ausgeschüttet worden sein. Bei weitem nicht an alle Vereine. Die budgetschwächeren Klubs setzen aktuell flächendeckend auf die Einnahmen - das war zu Zeiten der Lustenauer und Klagenfurter Austria in der Bundesliga auch anders.
Jene Vereine mit den größten Budgets haben ein anderes Geschäftsmodell: Spieler mit Potential aus dem Ausland kaufen und für Millionensummen weiterverkaufen. Damit fährt Salzburg schon lange - auch trotz ausbleibender sportlicher Erfolge in den letzten beiden Spielzeiten - große Gewinne ein. Allein in diesem Transfersommer waren die Mozartstädter kolportierte 51,9 Millionen im Plus.
Auch der LASK und Sturm haben schon vor längerer Zeit bemerkt, dass ohne Österreicher-Topf leichter hohe Einnahmen zu erzielen sind, Rapid zog letzte Saison nach und konnte dank Mamadou Sangaré und Isaak Jansson nicht nur knapp 18 Millionen Euro einnehmen, sondern erstmals in einem Transfersommer um über zehn Mio. Spieler einkaufen.
Zumindest im ersten Abrechnungszeitraum 2025/26 springt nun auch der WAC auf das Geschäftsmodell der Budgetkaiser der Liga auf. Warum? Das zeigen die Toptransfers dieser Teams der letzten drei Spielzeiten eindrucksvoll. Dagegen wirken die Einnahmen, die im Vorjahr aus dem Ö-Topf lukriert wurden, mager.
TSV Hartberg: 1.225.000 €Wolfsberger AC: 940.000 €SCR Altach: 860.000 €GAK: 795.000 €WSG Tirol: 695.000 €Austria Wien: 650.000 €Austria Klagenfurt: 260.000 €
Der Österreicher-Topf erklärt anhand der 7. Bundesligarunde
Die Auswirkungen dieser Einnahmendiskrepanz sind offensichtlich. Wer es sich leisten kann, umschifft den Österreicher-Topf - und macht sich auf zu schier unerreichbar erachteten Ufern. Zum Anlass der siebenten Runde der aktuellen Bundesligasaison hat der österreichische Fußball-Podcast "Die beste Liga der Welt" erhoben, welche Klubs auf den Österreicher-Topf setzen und zeigen exemplarisch auf, welche Auswirkungen auf die Spielerkader und Altersstrukturen die eingeschlagenen Wege der Vereine haben.
Fünf Klubs verzichteten am siebenten Spieltag auf den Ö-Topf, weil sie das Basiskriterium (13 Österreicher im Kader) nicht erfüllten: Sturm Graz, Red Bull Salzburg, der WAC, Rapid sowie der LASK. Die meisten Eigenbauspieler liefen in der siebenten Runde für die Wiener Austria ein. Auch bei den Österreicher-Topf-U-22-Spielern (Stichtag 1. Jänner 2004), deren Einsatzminuten vierfach ausgezahlt werden, hatten die Veilchen die Nase vorne.
„Der Zwang, mit österreichischen Spielern zu spielen, die auch 32 oder 40 Jahre alt sein dürfen, ist nicht sinnvoll.“ (Rapids Sport-Geschäftsführer Markus Katzer)
Wobei auch die Spitzenteams Salzburg, Sturm und Rapid durchaus auf eigene Talente setzen - zumindest im Verhältnis zu den anderen. Eigenbauspieler sind auch ein Thema der Qualität. Es braucht eine Akademie, eine hoch spielende zweite Mannschaft und oft auch schon im jungen Alter Argumente, Kicker mit Qualität zu verpflichten.
Was sagen die Klubverantwortlichen zum Österreicher-Topf?
"Die beste Liga der Welt" hat nicht nur Daten und Fakten analysiert, sondern auch Sportdirektoren, Geschäftsführer und andere Vereinsverantwortliche der Bundesliga um Meinungen gebeten. Salzburg-Geschäftsführer Stephan Reiter meint ohne Umschweife: "Der Österreicher-Topf ist nicht mehr zeitgemäß." Markus Katzer von Rapid gibt zu bedenken: "Der Zwang, mit österreichischen Spielern zu spielen, die auch 32 oder 40 Jahre alt sein dürfen, ist nicht sinnvoll."
Einig sind sich die beiden, dass es eine Reform braucht. Wie die aussehen kann, erklären sie im Podcast ebenso wie Dino Buric (LASK-Sportdirektor) oder Wolfgang Fiala (Ried-Sportdirektor), der eine These für die mangelnde Qualität im Nachwuchs einwirft. Roland Puchas (Vize-Obmann des TSV Hartberg), Lukas Kokail (GAK-Geschäftsführer) und Christoph Peschek (Blau-Weiß Linz-Geschäftsführer) erklären, warum der Österreicher-Topf für ihre Vereine, aber auch den ÖFB und die Identifikation wichtig ist. Und Manuel Ortlechner von der Wiener Austria bringt es so auf den Punkt: "Die Frage der Zukunft des Österreicher-Topfs beantwortet sich in der Gegenwart: Wir sind von den - unter Anführungszeichen - Großklubs, der letzte, der sich dazu bekennt."
Die ausführlichen Meinungen und Einschätzungen der Entscheidungsträger der Bundesligavereine zur Zukunft des Österreicher-Topfs gibt's in der aktuellen Bonusrunde von "Die beste Liga der Welt" zu hören: