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Was es mit der zusätzlichen Karte bei der U-20-WM auf sich hat

kicker

Wer Spiele der U-20-WM auf der offiziellen FIFA-Seite im Ticker verfolgt, könnte über einen Begriff stolpern, der einem immer wieder begegnet: Neben Eckstößen, Gelben Karten oder Auswechslungen ist dort in der deutschen Version in manchen Spielminuten auch von "Videounterstützung" die Rede. Hintergrund ist ein Experiment der FIFA und eine Option, die es in den Fußballregeln bislang noch nicht gibt: eine Karte, die nicht Schiedsrichtern, sondern Trainern zur Verfügung steht.

Bei dem Turnier, das seit dem 27. September und noch bis zum 19. Oktober ohne Beteiligung der deutschen U-20-Nationalmannschaft in Chile stattfindet, haben Trainer die Möglichkeit, diese Karte während eines Spiels zu ziehen und damit eine Entscheidung des Schiedsrichters überprüfen zu lassen. Der Football Video Support (FVS), wie die Maßnahme offiziell heißt, ist eine Light-Version des VAR, der bei der U-20-WM nicht im Einsatz ist.

Konkret können Trainer bei Toren, bei Elfmetern und Roten Karten intervenieren und den Referee dazu zwingen, sich die betroffene Situation noch einmal auf dem Bildschirm anzusehen, ohne dass dieser allerdings Rücksprache mit einem Videoschiedsrichter halten kann. Dabei ist egal, ob Tore, Elfmeter oder Rote Karten zunächst gegeben wurden oder nicht, solange das entsprechende Signal - ein Finger in der Luft - unmittelbar erfolgt und die Karte dem Vierten Offiziellen übergeben wird. Auch Spieler dürfen ihre Trainer dazu auffordern.

Spanien verlor durch die Karte bereits einen Elfmeter

Grundsätzlich steht den Trainern diese Challenge-Option zweimal pro Partie zur Verfügung. Ändert der Schiedsrichter seine zunächst getroffene Entscheidung jedoch nach einem entsprechenden Einspruch, kann der Trainer die "Videounterstützung" ein weiteres Mal einfordern. Mohamed Ouahbi schrieb in Chile dahingehend bereits Geschichte: Weil Marokkos U-20-Nationaltrainer eingegriffen hatte, wurde ein Elfmeter für Spanien am 1. Spieltag wieder zurückgenommen. Marokko gewann mit 2:0.

Schon im vergangenen Jahr war der FVS bei der U-20-WM der Frauen und der U-17-WM der Frauen getestet worden - "sehr erfolgreich", wie Pierluigi Collina urteilt. "FVS unterstützt Schiedsrichter bei Wettbewerben, die über weniger Ressourcen und Kameras verfügen. Es handelt sich nicht um Video-Schiedsrichterassistenten und auch nicht um eine abgeänderte Version davon, weil es keine Video-Spieloffiziellen vorsieht, die jeden Vorfall überprüfen", erklärt der Vorsitzende der FIFA-Schiedsrichterkommission.

Gut möglich, dass die Trainer-Challenge schon bald flächendeckend Einzug erhält, gerade in Ligen, die sich die kosten- und personalintensive Einführung des VAR nicht leisten können oder wollen. In Italien ist der FVS in der drittklassigen Serie C seit dieser Saison fester Bestandteil, ebenso in Spaniens dritter Liga und der ersten Liga der Frauen. Auch DFB-Schiedsrichterchef Knut Kircher zeigte sich bereits grundsätzlich offen für das Thema.