Wenn der FC Einheit Wernigerode seine fünfte Saison in der Oberliga NOFV-Süd auf jenem 9. Platz beenden könnte, den der Verein aktuell nach acht Spieltagen innehat, wäre für Trainer Florian Mehr alles gut. Trotzdem würde der 35-jährige Gymnasiallehrer das erste Saisonviertel seiner Mannschaft nur mit einer "3+" benoten. "Mit drei Punkten aus den ersten fünf Spielen sind wir zunächst hinter unseren Erwartungen geblieben", erklärt Mehr.
In dieser Zeit sorgte Wernigerode zwar mit dem 2:1-Sieg beim Aufstiegsanwärter Krieschow für ein Highlight. "Aber gerade in den Spielen gegen Sandersdorf und Rudolstadt wäre mehr drin gewesen", betont der Trainer. Bei der 0:5-Heimklatsche am 5. Spieltag gegen den SC Freital kam aus seiner Sicht dann vieles zusammen. "Zum einen steckte noch die unglückliche Pokalniederlage in Halberstadt in den Köpfen der Spieler. Dann hatte Freital einen richtig guten Tag erwischt. Und dazu kamen dann noch individuelle Fehler auf unserer Seite und auch ein paar strittige Schiedsrichterentscheidungen", so Mehr. "Diese Niederlage hat nicht nur der Mannschaft und mir sehr geschmerzt, sondern dem gesamten Verein", fasst er zusammen.
„Ich kann der Mannschaft nur ein Riesenkompliment machen, wie sie das Freital-Spiel weggesteckt hat.“ (Trainer Florian Mehr)
Umso erstaunlicher war die Reaktion seiner Truppe. Erst gelang bei Budissa Bautzen ein 3:0-Sieg, bei dem Wernigerode das erste Mal in der Liga seit genau einem Jahr (1:0 gegen Zorbau) wieder zu null spielte. Dann folgte der 2:1-Heimsieg gegen den als ungeschlagenen Spitzenreiter angereisten VfL Halle. Und schließlich nahm der FC Einheit auch vom Derby bei Germania Halberstadt (2:2) Zählbares mit. "Das waren alles Punkte, mit denen man nicht unbedingt rechnen konnte. Ich kann der Mannschaft daher nur ein Riesenkompliment machen, wie sie das Freital-Spiel weggesteckt hat", betont Mehr.
Die Punktspielpause am vergangenen Wochenende kam trotz der jüngsten Erfolgsserie nicht ganz ungelegen. Zum einen gibt es mit Hendrik Kuhnhold (Knieverletzung), Gregor Schlichting (angebrochene Rippe) und Erwin Liese (Schulterverletzung) angeschlagene Spieler. Zudem kränkelten zuletzt mehrere Kicker aus dem FC-Einheit-Kader. "Wir haben es deshalb vorige Woche bewusst ruhiger angehen lassen und am Dienstag wieder die Intensität angezogen", so der Trainer.
Für den im Januar nach Wernigerode gekommenen Mehr war im Sommer die erste komplette Saisonvorbereitung mit der Mannschaft eine doppelte Herausforderung. Zum einen gab es einen größeren Umbruch im Team. Zum anderen legte er trotz erfolgreicher Rückrunde, in der Einheit sechs Punkte mehr als in der Hinrunde holte, das Hauptaugenmerk auf eine größere taktische Flexibilität. "Es war im Frühjahr auffällig, dass wir gegen Mannschaften in bestimmten Formationen nicht so gut aussahen", begründet der Trainer. Sein Team hat dafür jetzt neben der Vierer- auch die Dreierkette im Repertoire und ist insbesondere auch in der Grundordnung vor der Abwehrkette flexibel. "Das hat sich in den Spielen in Krieschow und in Halberstadt ausgezahlt", bilanziert Mehr.
Er betont, dass die aktuelle Situation angesichts von nur drei Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz mit Vorsicht zu genießen ist. Deshalb will Wernigerode jetzt dranbleiben. Fürs nächste Spiel an diesem Samstag steht für den Trainer fest: "Der VfB Auerbach ist stärker einzuschätzen, als es der Tabellenstand sagt. Ich rechne mit einem Spiel auf Augenhöhe, in dem beide die Punkte brauchen, um sich von hinten abzusetzen." Ziel des FC Einheit war, ist und bleibt es, so früh wie möglich den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen.