Wie schon Mitte Dezember in Stuttgart, als der VfB 4:1 gegen Maccabi Tel Aviv gewann, muss auch das Freiburger Spiel an diesem Donnerstag (ab 18.45 Uhr LIVE! bei kicker) gegen den israelischen Klub wegen des Nahost-Konflikts unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Der SC hat bisher 27.500 Tickets verkauft, nur noch Mitglieder können welche erwerben. Die Breisgauer raten zu einer frühzeitigen Anreise, vor allem wegen der intensiven Personenkontrollen.
"Selbstverständlich wünscht man sich andere Voraussetzungen", sagte Trainer Julian Schuster am Mittwoch, gerade gegen ein Team aus einer Freiburger Partnerstadt. Die "traurige Realität" mache aber die aktuellen Rahmenbedingungen notwendig. Vor diesem Hintergrund werden Teile der SC-Ultras dem Spiel fernbleiben. Das bedauert Kapitän Christian Günter, betont aber: "Für uns gilt es einfach, den Fokus auf den Sport zu legen."
In diesem Bereich kann der Sport-Club mit einem weiteren Sieg als aktuell Fünfter der Europa League den nächsten großen Schritt Richtung direkte Qualifikation fürs Achtelfinale machen. Die Favoritenrolle haben die Gastgeber aber nicht nur deshalb. Maccabi rangiert nämlich mit bisher nur einem Punkt auf Rang 35 der 36er Tabelle.
Schuster weiß um Tel Avivs Schwachstellen
Schuster erwartet einen Gegner, der "über Ballbesitz kommt" und sich auch gegen bisher starke Kontrahenten wie den VfB oder die Top 3 der Tabelle, Lyon, Midtjylland und Aston Villa, einige eigene Chancen erspielt habe. Die Schwachstelle ist angesichts des Torverhältnisses von 2:18 aber auch schnell ausgemacht. "Wo wir Möglichkeiten sehen, ist der Defensivverbund, wo sie vielleicht nicht ganz dieses hohe Niveau haben", sagt Schuster.
Das Duell mit Maccabi ist Spiel eins, nachdem Matthias Ginter klare kritische Worte gefunden hat. "Das Spiel mit dem Ball ist unser ganz großes Problem", sagte der Abwehrchef nach dem 2:2 in Augsburg am Sonntag und machte diese zum wiederholten Male von ihm getroffene Diagnose sowohl für offensive als auch defensive Schwierigkeiten verantwortlich.
„Das ist definitiv ein Punkt, bei dem wir, Spieler wie Trainer, den Anspruch haben, besser zu werden.“ (Julian Schuster über das eigene Ballbesitzspiel)
"Wenn wir viel Ballbesitz hätten, auch in der gegnerischen Hälfte, dann käme es erst gar nicht zu den vielen Eckbällen und diesen Situationen", meinte der 51-malige Nationalspieler zu den Gegentoren beim FCA. Und vorne vermisst Ginter immer wieder Passqualität und erfolgreiche Abläufe, um sich Chancen zu erspielen. In Augsburg traf der SC mal wieder zweimal nach Standards, der großen Freiburger Stärke.
"Nicht immer so schlecht unterwegs"
Und wie sieht der Trainer diese Kritik an einem Bereich, der zugegebenermaßen die hohe Kunst im Fußball darstellt? "Das ist definitiv ein Punkt, bei dem wir, Spieler wie Trainer, den Anspruch haben, besser zu werden. Wir haben das auf dem Schirm, weil es Möglichkeiten sind, noch torgefährlich zu werden", teilt Julian Schuster grundsätzlich die Analyse seines erfahrensten Profis: "Das sind Punkte, die man im Idealfall trainieren - oder eben in der Videoanalyse ansprechen kann, wie an diesem Mittwoch."
Schuster wirbt allerdings auch um Geduld: "Das verbessert man nicht von heute auf morgen. So ein Prozess kann auch Zeit in Anspruch nehmen." Mit dem Verweis auf den eigenen Expected-Goals-Wert von 1,628, der in der Bundesliga Platz 7 hauchdünn hinter dem mit dem Ball oft erfolgreich und ansehnlich agierenden VfB Stuttgart (1,634) bedeutet, hielt der SC-Coach aber auch fest: "So ein Wert entsteht nur, wenn man auch spielerische Lösungen findet. Daher sind wir nicht immer so schlecht unterwegs."
Gegen Tel Aviv wird bei einigen Beobachtern sicher ein besonderes Augenmerk auf dem Freiburger Spiel im eigenen Ballbesitz liegen. Die drei vor eineinhalb Wochen in den ersten 30 Minuten gegen den HSV herausgespielten Torchancen wären in diesem Fall ein gutes Vorbild, um daran gegen die Israelis anzuknüpfen.