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Wikingerin brilliert am Rasen und im Mittelmeer

kicker

Den ganzen Tag bei grauslichem Wetter am Gletscher stehen wollte Lena Danner nicht mehr. Zweieinhalb Jahre war sie nach Abschluss ihres Sportwissenschaftsstudiums in der Ski-Akademie Bad Hofgastein tätig - im Rahmen eines Gender-Traineeprogramms des Sportministeriums, das Frauen gezielt auf Führungspositionen im Leistungssport vorbereitet. "Das Programm war auf vier Jahre angelegt und hat mir viele wertvolle Einblicke und Erfahrungen ermöglicht - trotzdem habe ich mich schließlich für einen anderen Weg entschieden."

Diesen Weg beschreitet Danner aktuell in der Akademie der SV Ried. Dort hat die 29-Jährige die Leitung der sportwissenschaftlichen Abteilung inne - und sie sorgte vor einigen Wochen für ein Novum: Während Mauro Zanoguera, Fitnesscoach der Rieder Profis, aufgrund der Geburt seiner Zwillinge in Spanien weilte, übernahm Danner vorübergehend seine Aufgaben. Sie wurde damit zur ersten und bislang einzigen Athletiktrainerin in der österreichischen Bundesliga.

"Wir waren ständig in Kontakt. Er hat gesagt, was zu tun ist und ich habe die Sachen dann vor Ort ausgeführt", so die passionierte Surferin über die Zusammenarbeit. Unter der Woche feilte Danner an der Leistungsfähigkeit der Wikinger, an Matchtagen war sie für die Aktivierung zuständig. Auch um das Aufwärmen, die Vorbereitung der Einwechselspieler und das Auslaufen kümmerte sie sich.

Die feinen Unterschiede

Der Aufstieg beim Aufsteiger lief für Danner reibungslos: "Alle haben mich gut aufgenommen, es ist eine echt coole Mannschaft, ich wurde auch immer unterstützt, wenn ich Fragen hatte." In der Akademie betreut Danner Spieler zwischen 14 und 20 Jahren, bei den Profis sieht die Kader-Zusammenstellung naturgemäß anders aus. Ihre Herangehensweise änderte sich dadurch aber nicht: "Ich möchte jedem auf Augenhöhe begegnen. Egal, ob der Spieler 14 ist oder erwachsen." Im Gegensatz zum schwarz-grünen Nachwuchs hat Danner im Bundesligateam mehr Zeit, um Gespräche zu führen, die Möglichkeiten der Datensammlung sind ebenso andere. Und: "Profis reagieren viel sensibler auf Belastung, da kann eine Nuance schon etwas ausmachen."

An den Nuancen arbeitet Danner kontinuierlich. "Man muss sich immer weiterbilden, auch die Sportwissenschaft entwickelt sich ständig weiter. Mich wo reinzulesen, etwas Neues zu lernen und dann auszuprobieren, taugt mir am meisten. Man kann sehr kreativ sein." Auch den Kontrast zum Trubel des Bundesliga-Alltags und seinen vielen Akteuren genießt die Pionierin: "Ich mag es, ein paar Stunden alleine vor dem Computer zu sitzen und mich mit Zahlen zu beschäftigen."

Zu Wasser und an Land

Ihren stressigen Arbeitsalltag bewältigt Danner dank klarer Strukturen: "Ich bin sehr eingeteilt. Wenn ich keine To-do-Liste hätte, würde ich immer was vergessen. Oft liege ich im Bett und dann fallen mir noch Dinge ein", lacht Danner. Auf dieser To-do-Liste stehen mitunter auch Skitouren, Salzburger Landesmeisterschaften im Gewichtheben sowie die Teilnahme an der Aegean 600, einer Regatta durch das Ägäische Meer. Mit ihrer rein weiblichen Crew "Aqua Nomis" musste Danner im Sommer 85 Meilen vor dem Ziel die Segel wegen Materialbruchs streichen.

Auf dem Rasen wiederum steht Danner nicht nur beruflich. Hin und wieder hilft die Linksfüßerin im Mittelfeld ihres Heimatvereins Union Weibern im oberösterreichischen Hausruckviertel aus.

"Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte ..."

Dieses Wochenende geht es für Danner vom Alpenvorland an den Atlantik nach Portugal. Dort bereitet sich das U-17-Frauen-Nationalteam auf die im November beginnende EM-Qualifikation vor. Zwei freundschaftliche Testspiele gegen die Gastgeberinnen stehen an, für Danner ist es der zweite Lehrgang als Athletiktrainerin des Nachwuchsteams. Anschließend widmet sie sich wieder den Jung-Wikingern in der Akademie, ihre Vertretungszeit bei den Profis ist zu Ende.

Welche beruflichen Entwicklungen Danner als nächstes nimmt, ist noch offen, konkrete Zukunftspläne gibt es nicht. "Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich hier bin, hätte ich es nicht geglaubt. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, dass ich hier weiterhin bin und Erfahrungen sammle." Auch für die höchste Stufe ist sie allzeit bereit: "Wenn sie mal wieder Aushilfe brauchen, helfe ich gerne."