Ein WM-Teilnehmer aus der 5. Liga? Auf Josue´ Duverger (25) könnte diese Beschreibung im Sommer 2026 zutreffen. Erstmals seit 1974 ist der Nationalmannschaft Haitis kürzlich die Qualifikation für das Turnier geglückt - zum Kader zählt auch der Keeper des FC Cosmos Koblenz (Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar). Nach seinem Länderspiel-Debüt im Jahr 2018 sammelte er fünf weitere Einsätze für die Auswahl des Karibikstaates und stand unter anderem im September beim 3:3 gegen Costa Rica im Tor. Seinen fußballerischen Alltag verbringt er seit 2024 in Koblenz, zuvor lief er für den portugiesischen Klub Uniao de Santarem auf. Mit dem kicker sprach Duverger über...
… die Bedeutung der geglückten WM-Qualifikation für das gebeutelte Land:
Die Qualifikation war fantastisch für die Spieler. Aber wir wussten auch, dass dies Frieden in das Land bringen kann - angesichts der Situation, die die Leute durchmachen, wegen allem, was dort vor sich geht. Wir wussten, dass dieser Erfolg die Leute sehr glücklich machen kann. Nach der Qualifikation gab es im ganzen Land Treffen und Beisammensein. Deshalb ist es wahrscheinlich der Beginn von etwas Großartigem.
… den 2:0-Sieg gegen Nicaragua:
Wir wussten, dass diese Partie nicht einfach sein würde, auch aufgrund der Aussagen im Vorfeld. Nicaragua hat bis zum Ende des Spiels gekämpft. Es war kein einfaches Spiel, aber wir haben es früh in unsere Richtung gelenkt und die Aufgabe gut gelöst.
… die Vorfreude auf die WM 2026:
Ich bin sehr aufgeregt, schließlich ist die Qualifikation eine großartige Leistung. Es gibt keine größere Bühne als die Weltmeisterschaft - die Aufregung ist also groß. Jeden Tag denke ich daran - obwohl das Turnier noch weit weg ist. Es ist ein Mix verschiedener Emotionen. Manchmal realisiere ich es noch nicht richtig, weil es weit weg ist. Aber manchmal wache ich auch auf und denke: Hey, wir sind bei der Weltmeisterschaft dabei!
„Jeden Tag denke ich daran - obwohl das Turnier noch weit weg ist.“ (Josue´ Duverger)
… die Ziele und Chancen der Nationalmannschaft Haitis:
Das Ziel war es, bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein: Das haben wir schon erreicht. Jetzt ist es unser Ziel, zum Turnier zu fahren und Haiti stolz zu machen. Wir wollen nicht nur einfach unsere Zeit dort genießen, sondern wirklich einen guten Eindruck hinterlassen, den haitianischen Fußball präsentieren und zeigen, dass ein kleines Land eine gute Leistung auf einer großen Bühne wie der Weltmeisterschaft bringen kann.
… Wunschgegner bei der WM 2026:
Um ehrlich zu sein: Ich persönlich habe keine Wunschgegner. Natürlich wäre es toll, gegen große Teams zu spielen. Aber wir müssen für jeden Gegner, der auf uns wartet, bereit sein - unabhängig davon, ob es ein großer Name ist oder nicht. Wir wollen da sein und Haiti stolz machen.
… die Rolle der deutschen Nationalelf:
Deutschland ist eine der großen Fußball-Nationen. Sie haben viele großartige Spieler und ein sehr gutes Team - sie können beim Turnier also weit kommen. Für all diese Teilnehmer geht es darum, wie sie sich "connecten" und als Team das Beste erreichen können. Sie haben alles, um die Weltmeisterschaft zu gewinnen.
… seine Rolle im haitianischen Kader:
Ich bin bei der Nationalmannschaft, seit ich 17 Jahre alt war. Also kenne ich meine Rolle: Ich muss bereit sein für alles, was passieren kann. Meine Rolle ist es, da zu sein und bereit für einen Einsatz zu sein.
… seine Länderspiel-Karriere:
Sie hatte viele Höhen und Tiefen. In den Jahren als zweiter Torhüter hinter Johny Placide habe ich viel gelernt. Zum Fehler im Spiel gegen Kanada (2021 unterlief Duverger ein kurioses Eigentor, Anm. d. Red.): Er half mir auf eine gewisse Weise. Die Erfahrung hat mich als Torhüter geformt. Keeper machen Fehler, das ist ein Teil der Karriere. Heute sehe ich es als Lektion. Es hat mir geholfen, voranzukommen. Es passiert, es war in der Vergangenheit. Jetzt bin ich viel reifer geworden, viel selbstbewusster. Es hat mir geholfen, meinen Charakter zu formen.
… den Unterschied zwischen Länderspielen und dem Ligaalltag:
Es ist ein großer Unterschied: hinsichtlich der Intensität, hinsichtlich der Ziele. Aber der Fußball ist derselbe. Es sind zwar andere Stadien, andere Kulissen, es gibt eine andere Dynamik. Da gibt es Unterschiede - aber am Ende des Tages ist es der gleiche Fußball.
„Ich wusste noch, wie sich ein Aufstieg anfühlt, und sagte: Wenn das das Ziel ist, komme ich!“ (Josue´ Duverger über seinen Wechsel nach Koblenz)
… seine bisherige Karriere und den Wechsel zum FC Cosmos Koblenz:
In der Saison vor meinem Wechsel habe ich in Portugal in der vierten Liga gespielt. Wir sind aufgestiegen und ich habe fast alle Partien bestritten. Ich dachte schon, dass ich einen Platz für die folgende Saison sicher haben würde - aber dem war nicht so. Ich fand mich in einer Situation wieder, in der ich fast einen Monat vereinslos war. Es gab zwar Anfragen aus der vierten portugiesischen Liga, aber ich dachte: Es ist der richtige Moment für eine Veränderung in meiner Karriere. Wilde-Donald Guerrier, ein ehemaliger Teamkollege aus der Nationalmannschaft, sagte mir: Der Verein spielt in der 6. Liga in Deutschland, will aber aufsteigen. Ich wusste noch, wie sich ein Aufstieg anfühlt, und sagte: Wenn das das Ziel ist, komme ich!
… seine Ziele mit dem FC Cosmos Koblenz:
Ich habe einen Vertrag bis zum Ende der Saison. Das Ziel ist, weiterzuspielen und mehr Erfahrung zu sammeln. Als Aufsteiger und neues Team schlagen wir uns gut in der Oberliga. Wir wollen weiter Spiel für Spiel Erfahrungen sammeln.
… Angebote aus höheren Ligen:
Um ehrlich zu sein: Bis jetzt habe ich keine konkreten Angebote erhalten. Es gibt viele Gespräche, aber aktuell nichts Konkretes.