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Wochen wie ein Herbststurm: Toppmöllers guter Griff - und ein Sorgenkind

kicker

Bei ihren Fans löst die Eintracht in diesen Tagen ein Wechselbad der Gefühle aus: 1:3 in Leverkusen, 5:1 gegen Galatasaray, 3:4 gegen Union Berlin und nun das spektakuläre 6:4 in Gladbach. Wilde Wochen im September, die daherkommen wie ein kräftiger Herbststurm, der in alle Richtungen bläst.

Mit den Partien am Dienstag in der Champions League bei Atletico Madrid und am Samstag im Heimspiel gegen Bayern München könnte es glatt so weitergehen. Allerdings droht in diesen beiden Duellen ein deutlich kräftigerer Gegenwind als bei den zahmen Fohlen.

Skhiris Rückkehr hilft

"Was ein Fußballspiel! Wir wollten mit einer guten Intensität, Power und Energie eine Reaktion auf die unglückliche Niederlage gegen Union Berlin zeigen. Das haben wir sensationell gut gemacht", lobt Coach Dino Toppmöller und rekapitulierte: "70 Minuten haben wir ein unfassbar gutes Auswärtsspiel gezeigt: Wir hatten alles im Griff, haben super Fußball gespielt. Es gab auch noch einen Pfostenschuss und wir hätten einen klaren Elfer bekommen müssen."

Die Kombination aus starkem Pressing und spielerischer Leichtigkeit schnürte Gladbach die Luft zum Atmen ab. Toppmöller wählte die perfekte Elf, hielt an der Viererkette fest und traf mit der Hereinnahme von Sechser Ellyes Skhiri eine goldrichtige Entscheidung. Das Quintett in der Offensive mit Chaibi, Uzun, Doan, Knauff und Burkardt zeigte nicht nur kreativen Fußball, sondern arbeitete auch fleißig gegen den Ball.

Trotzdem saßen die Spieler nach dem Schlusspfiff mit gemischten Gefühlen in der Kabine. Wie um Himmelswillen konnte die eigentlich schon mausetote Borussia der Eintracht noch vier Tore einschenken? Dass eine Fußballmannschaft beim Spielstand von 6:0 einen Gang zurückschaltet, ist normal. Eine seriöse Verteidigungsmentalität darf man trotzdem erwarten. Doch davon war nichts mehr zu sehen.

Viele einfache Fehler

Vor dem ersten Gegentreffer verlor Arthur Theate seinen Gegenspieler aus den Augen; beim zweiten Gegentor sprang Oscar Höjlund nicht hoch; vor dem 6:3 verlor Aurelio Buta einen wichtigen Zweikampf, Aurele Amenda schaltete komplett ab; der vierte Gegentreffer ging auf die Kappe von Torhüter Kaua Santos, der bei einer Flanke daneben griff. Kurzum: Diese Schlussphase war Slapstick pur.

"Das Ergebnis spiegelt unseren Entwicklungsprozess wider", sagt Markus Krösche. Was der Sportvorstand meint: Im Spiel nach vorne, aber auch im Gegenpressing hat die Mannschaft ihre großen Qualitäten gezeigt. Aber: "Wir sind noch nicht so weit, ein Spiel mit 80 Prozent runterspielen zu können. Wir müssen lernen, dass wir mehr Ballsicherheit haben müssen und bei Standardsituationen konsequenter verteidigen. In den letzten 25 Minuten hatten wir zu wenig Struktur, zu wenig Seriosität in gewissen Situationen und zu wenig Konsequenz im Verteidigen."

Krösche weiß, dass bei solchen Spielverläufen auch die Psychologie eine Rolle spielt. "Wenn du einmal runtergeschaltet hast, ist es total schwierig, wieder hochzuschalten. Aus solchen Spielen müssen wir mitnehmen, dass wir immer bei 100 Prozent und mental scharf bleiben müssen", fordert der 45-Jährige.

Joker als Alarmzeichen

Ein Alarmzeichen sind die durchweg schwachen Leistungen der eingewechselten Spieler. Bei Mario Götze ist das durch die lange Verletzungspause zu erklären, auch Amenda und Buta fehlt der Rhythmus. Höjlund kommt regelmäßig zum Einsatz, ist aber offensichtlich noch zu grün hinter den Ohren.

Das größte Sorgenkind bleibt allerdings Elye Wahi, dessen Auftritt an Arbeitsverweigerung grenzte. Der Stürmer trug mit seiner Passivität und Trägheit im Spiel gegen den Ball seinen Teil dazu bei, dass Gladbach noch eine Schlussoffensive starten konnte. Für die Startelf in Madrid dürfte Wahi trotz seines Tempos nicht infrage kommen.

Dabei deutete die Formkurve des Franzosen in der Vorbereitung nach oben, gegen Galatasaray bereitete er mit einer starken Grätsche das fünfte Tor vor. Insgesamt zeigt der 20-Millionen-Stürmer, der im Januar aus Marseille kam, aber weiterhin viel zu wenig. Die Eintracht muss hoffen, dass Jonathan Burkardt verletzungsfrei durch die Hinrunde kommt - und im Winter auf dem Transfermarkt nachlegen.