Anfang März 2024 hatte Maurizio Sarri bereits einmal seine Lazio-Zelte abgebrochen - damals nach dem Ausscheiden in der Champions League gegen den FC Bayern München (0:3 nach 1:0 im Achtelfinale).
Im Sommer 2025 dann die Kehrtwende: Sarri heuerte zum zweiten Mal bei den Römern an. Das Ziel: den stolzen Hauptstadt-Klub zurück ins internationale Geschäft führen. Von diesem Unterfangen sind die Biancocelesti nach Abschluss der Hinrunde am Mittwochabend und dem 2:2 gegen Kellerkind Florenz weit entfernt - Platz 9 mit lediglich 25 Punkten bedeuten einen Rückstand auf Rang 6 (Como) von acht Zählern.
Sarri ist "ziemlich genervt"
Das nahm Sarri nun inmitten der Wintertransferperiode zum Anlass, seinen Frust auszulassen. An verschiedenen Dingen, angefangen beim Schiedsrichterteam mit VAR und Referee Simone Sozza.
Diverse Entscheidung gegen einen nicht gegebenen eigenen Elfmeter und für einen Fiorentina-Strafstoß kurz vor Ende der regulären Spielzeit schmeckten dem Trainer dabei überhaupt nicht. Das führte er schließlich auch breit gegenüber DAZN aus: "Die Jungs sind ehrlicherweise etwas frustriert - und ich bin auch ziemlich genervt. Ich dachte, ich hätte in meinem Alter im Fußball schon alles gesehen." Das habe er aber nicht, noch dazu könne nichts dagegen unternommen werden.
Sein Fazit in dieser Angelegenheit: "Wir können nur begrenzt Einfluss nehmen, also bringt es nichts, unsere Energie darauf zu verschwenden."
Fertig war der inzwischen 66-Jährige, der erst kürzlich am Herzen operiert worden war, mit seinen Themen aber noch nicht. Das nächste in der Reihe: die Transferpolitik seines Arbeitgebers.
Castellanos und Guendouzi weg - und der für Sarri unbekannte Ratkov da
Dieser hatte schließlich Offensivkünstler Valentin "Taty" Castellanos an West Ham United für fast 30 Millionen Euro abgegeben und nun auch noch wie erwartet Matteo Guendouzi zu Fenerbahce ziehen lassen. Mindestens 25 Millionen Euro berappt das Team von Domenico Tedesco für den Ex-Herthaner.
"Ich habe ehrlich gesagt wirklich gedacht, dass Guendouzi einer der sieben oder acht Spieler wäre, mit denen wir die Zukunft von Lazio gestalten könnten", holte Sarri diesbezüglich aus. "Wir sind ein Verein, der nicht die gleichen Gehälter wie die anderen Vereine bieten kann, daher verstehe ich die Schwierigkeiten." Ihm falle es aber dennoch unter solchen Umständen schwer, seine Arbeit zu machen. Ans Aufgeben wie einen erneuten Lazio-Rückzug denke der seit vielen Jahrzehnten als Trainer arbeitende Neapolitaner aber (noch) nicht: "Ich habe zu Saisonbeginn gesagt, dass ich unter allen Umständen hierbleiben und alles in Kauf nehmen werde. Nun ja, ich musste bislang mehr ertragen, als ich erwartet hatte."
„Ich kenne diesen Spieler nicht.“ (Maurizio Sarri über Neuzugang Petar Ratkov)
Sarri weiter: "Das Einzige, was mich richtig schmerzt, ist, dass wir so großartige Fans haben. Ich glaube, es wird sehr schwer werden, ihnen (in dieser Saison noch große; Anm. d. Red.) Freude zu bereiten - und das belastet mich sehr. Ich hab ihnen aber mein Wort gegeben - und wer weiß ... das Transferfenster ist ja noch offen."
Außerdem haben sich die Römer bereits mit Stürmer Petar Ratkov von RB Salzburg geeinigt, auch wenn der Vollzug noch nicht offiziell verkündet worden ist. Sarri jedenfalls wisse bis dato vom 22-jährigen und längst in Rom befindlichen Belgrader noch gar nichts, obwohl ihn (neun Tore in 17 Ligaspielen) die Klubbosse eben für fünf Millionen Euro an Land gezogen und ihn zugleich auf X mit einem Schal des Klubs in den Händen als Wintertransfer vorgestellt haben ("Petar ist hier").
So sagte der Lazio-Trainer nun: "Ich kenne diesen Spieler nicht. Wahrscheinlich kennen die anderen Leute, die in diesem Verein arbeiten, besser als ich. Aber ich weiß ehrlicherweise nicht, was ich dazu sagen soll. Ich hab auch keinen österreichischen Fußball geschaut, dafür hab ich keine Zeit." Er werde sich aber die Mühe machen, "seine Stärken und Schwächen auskundschaften und herausfinden, wie wir ihn am besten einbauen können".