Zum ersten Mal in der Vereinshistorie hatte sich Crystal Palace durch den Sensations-Sieg im FA-Cup-Finale 2025 über Manchester City (1:0) für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert: die Europa League. Ein historischer Erfolg für den damaligen 12. der Premier League, der ihnen jedoch jäh genommen wurde. Denn eine EL-Teilnahme blieb den Eagles am Ende verwehrt, sorgte eine Multi-Club-Ownership-Regelung doch dafür, dass sie in die Conference League abstiegen, weil Co-Eigentümer John Textor neben den Londonern auch an EL-Teilnehmer Olympique Lyon beteiligt war.
Von den Klubverantwortlichen als "eine der größten Ungerechtigkeiten der Fußballgeschichte" bezeichnet, könnte sich dies jedoch ein Jahr später als Glücksfall erweisen. Denn während Nottingham Forest - für Crystal Palace für die Europa League nachnominiert - im EL-Halbfinale die Segel streichen musste, steht das Team von Cheftrainer Oliver Glasner als erst zweite Mannschaft in ihrer ersten europäischen Saison in diesem Jahrtausend in einem Finale. Nur Deportivo Alaves schaffte dies bereits als internationaler Newcomer - in der Saison 2000/01 im UEFA-Cup. Erst im Endspiel reichte es für die Spanier dann gegen Liverpool im Dortmunder Westfalenstadion nicht (4:5 n.V.).
Und überhaupt ist es ein Finale zweier Mannschaften, die sich auf dem europäischen Parkett bisher sehr selten beweisen konnten. Während Crystal Palace nämlich noch gänzlich neu ist, spielt auch Gegner Rayo Vallecano die erst zweite internationale Saison. Kurios dabei: Die erste war in der Spielzeit 2000/01 im UEFA-Cup, in dem Rayo bis ins Viertelfinale vordringen konnte. Dort scheiterte man ausgerechnet am späteren Finalisten Deportivo Alaves (0:3, 2:1).
Keine leichte Saison für die Eagles
Für Crystal Palace steht am Mittwoch (21 Uhr, LIVE! bei kicker) nun also der Höhepunkt einer Saison an, die eigentlich alles andere als geradlinig verlaufen ist. Zunächst gegen Liverpool noch den Community Shield gewonnen (3:2 n.E.) und bis in den Oktober kein einziges Spiel verloren, sollte es in der Premier League danach dennoch lange gegen den Abstieg gehen. Gerade die drittschlechteste Offensive der Liga (41 Tore) machte den Londonern zu schaffen - der fixe Klassenerhalt gelang erst am 36. Spieltag. Hochkarätige Abgänge um Eberechi Eze (zum FC Arsenal) und Marc Guehi (zu Manchester City) und turbulente Glasner-Aussagen, der mit Kritik an der Transferpolitik seines Vereins nicht gerade hinter dem Berg hielt, brachten noch mehr Unruhe hinein.
Auch nachdem der Österreicher verkündet hatte, nach der Saison bei Palace aufzuhören, waren sogar Gerüchte um einen vorzeitigen Abschied laut geworden. Den gab es bekanntlich nicht, und nun verabschiedet sich Glasner mit dem wohl wichtigsten Spiel in der Vereinshistorie - dem Finale der Conference League.
Aber auch dahin war der Weg eher steinig. Mit Platz 10 in der Gruppenphase musste Palace sogar den Umweg über die Play-offs machen. Ab dann wurde der aktuelle Toptorschütze der ECL, Ismaila Sarr, zur Lebensversicherung, der in allen K.-o.-Duellen, außer dem 0:0 gegen den zypriotischen Vertreter AEK Larnaka im Play-off-Hinspiel, ein Tor beisteuern konnte. Derzeit steht der 28-jährige Senegalese bei neun Treffern. Sollte Sarr an der Spitze der Torschützenliste bleiben, wäre er bereits der vierte afrikanische Toptorschütze der ECL - bei erst fünf Ausgaben.
Endlich in die Europa League?
Sollte es also so kommen und Crystal Palace am Mittwoch als Sieger vom Platz gehen, wäre es bereits der dritte englische Vertreter, der die Conference League gewinnt. Die Eagles würden damit nämlich auf West Ham United 2023 und den FC Chelsea im vergangenen Jahr folgen. Zudem würde ein Erfolg die Teilnahme an der Europa League garantieren. Viel mehr hätten sich Glasner und Crystal Palace nach dem Ausschluss im vergangenen Sommer wohl nicht erträumen können.