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ÖFB für WM-Quartiersuche gerüstet

kicker

Während Österreichs Nationalmannschaft noch um die entscheidenden Punkte für die Teilnahme an der WM 2026 kämpft, ist Lennart Coerdt bereits einen Schritt weiter. Der ÖFB-Projektmanager für die Endrunde in Nordamerika verschaffte sich in den vergangenen Monaten einen umfassenden Überblick über mögliche WM-Quartiere - nicht aus Gründen der Überheblichkeit, sondern der Professionalität, sagte der Deutsche der APA.

"Ein gutes Basecamp ist meiner Meinung nach elementar", betonte Coerdt, der gemeinsam mit Mario Margreiter auch im Teammanagement tätig ist. Coerdt flog im vergangenen Juni für drei Wochen an die US-Ostküste. Dort inspizierte er nach eigenen Angaben 25 bis 30 Arrangements, also Kombinationen von Hotels und Trainingsplätzen. Auch über interessante Camps im Westen oder im Zentrum des Kontinents weiß der 45-Jährige mittlerweile bestens Bescheid. "Mein Credo ist, ich versuche, beim Basecamp das Bestmögliche herzustellen und auf alle Eventualitäten bestmöglich vorbereitet zu sein", sagte der Teammanager.

Sollte die ÖFB-Auswahl ihre Qualigruppe auf Platz eins abschließen, weiß man nach der WM-Gruppenauslosung am 5. Dezember in Washington, ob man zumeist im Osten, im Zentrum oder im Westen im Einsatz ist. Danach richtet sich dann auch die Quartierswahl, denn die Vermeidung allzu großer Reisestrapazen hat hohe Priorität. "Wir werden für jeden Cluster unsere Top drei haben", sagte Coerdt.

Kein "first come, first serve" bei Quartierwahl

Die FIFA veröffentlicht den Katalog mit allen offiziellen WM-Arrangements noch in dieser Woche, bis Anfang Jänner hat jeder Nationalverband Zeit, seine bevorzugten Quartiere beim Weltverband zu nennen. Die Vergabe erfolgt nicht nach dem "first come, first serve"-Prinzip - Vorrang haben jene Nationen, die oft in der Nähe des gewünschten Camps spielen. Sollten zwei Teams Spielorte in ähnlichen Regionen haben und dasselbe Quartier präferieren, bekommt die in der Weltrangliste besser platzierte Auswahl den Zuschlag.

Die Vergabe der WM-Camps erfolgt voraussichtlich bis Mitte Jänner - allein schon deshalb wäre es ein großer Vorteil, wenn Österreich das WM-Ticket als Gruppenerster bucht und nicht den Umweg über die Play-offs im März 2026 antreten muss. Coerdt: "Für die Play-off-Gewinner werden die Basecamps vermutlich von der FIFA vorgegeben, das wollen wir tunlichst vermeiden."

Es besteht auch die Möglichkeit, nicht im FIFA-Katalog vermerkte Quartiere zu buchen. In diesem Fall würde auf den ÖFB aber ein logistischer und finanzieller Mehraufwand zukommen, weil der Weltverband bei seinen offiziellen Camps die Transporte und Flüge bezahlt und für Hotels und Trainingsanlagen Zuschüsse gewährt. So mancher großer europäischer Nationalverband könnte dennoch die FIFA-Quartiervorschläge links liegenlassen und sich anderweitig umschauen. "Einige Camps scheinen aus europäischer Sicht nicht auf Anhieb die beste Lösung zu sein, aber andere bieten ein gutes Paket", sagte Coerdt.

Coerdt will "erstklassiges Arrangement im Einklang mit finanziellen Rahmenbedingungen"

Der ÖFB wird sich wohl eher am FIFA-Katalog orientieren. "Wir wollen ein erstklassiges Arrangement im Einklang mit unseren finanziellen Rahmenbedingungen", berichtete der ÖFB-Teammanager. Nach der Gruppenphase ist geplant, dass sämtliche Aufsteiger in die K.o.-Phase ihre Basecamps verlassen und von Spiel zu Spiel ihr Quartier ändern.

Trotzdem könnte sich Österreichs Auswahl bei einer erfolgreichen Quali lange in ihrem Basecamp aufhalten - und zwar deshalb, weil bereits eine Anreise viele Tage vor Turnierbeginn denkbar ist. Zwei Testspiele müssen vor dem WM-Start bestritten werden, sie könnten in Nordamerika stattfinden, um sich besser auf die Gegebenheiten einzustellen. "Wir haben weitgefächerte Überlegungen. Laut FIFA müssten wir spätestens fünf Tage vor unserem ersten WM-Spiel im Basecamp sein, doch es ist eine Option, frühzeitig hinzureisen, um sich akklimatisieren zu können", meinte Coerdt.

Welch ungewohnte Herausforderungen auf die Spieler bei der WM warten können, wurde schon bei der Klub-WM ersichtlich. So sorgten etwa die Spielunterbrechungen wegen Gewitterzellen in einem 8-Meilen-Radius für Aufsehen. "Auch die Hitze ist in Amerika eine ganz andere als bei uns", erzählte Coerdt. Um für möglichst viele besondere Rahmenbedingungen gerüstet zu sein, sucht der 45-Jährige den Kontakt mit "dem Land Österreich zugewandten Personen, die unsere Augen und Ohren sind, die uns unterstützen, damit man Überraschungen so weit wie möglich minimieren kann", sagte Coerdt.

Fuchs als Ratgeber

Dazu zählt etwa der mittlerweile als Assistenztrainer beim MLS-Verein Charlotte tätige frühere österreichische Teamkapitän Christian Fuchs, mit dem sich Coerdt bereits getroffen hat und in regelmäßigem Kontakt steht. Inputs könnten neben RB Salzburg auch die ÖFB-Teamspieler Marcel Sabitzer, Konrad Laimer, David Alaba und Alexander Schlager liefern, die bei der Klub-WM vor Ort waren.