Aus Dortmund berichtet Christian Stein
"Einfach überragend", fand Nieke Kühne, die vom Weltverband als Best Young Player nominiert wurde, Deutschlands 30:23 über Brasilien. "Wir haben von Anfang an gezeigt, dass wir unbedingt in das Halbfinale wollen, dass wir diesen Schritt weitermachen wollen und dass wir es uns auch einfach verdient haben."
"Die gesamte Mannschaft, wir waren uns alle sicher, dass wir dieses Spiel gewinnen werden. Und das haben wir auch getan", sagt Rechtsaußen Jenny Behrend. "
"Scheißegal, dass ich nicht gespielt habe"
Kühne steht stellvertretend auch für den Teamgeist, den dieses deutsche Team bei diesem Turnier ausmacht. Jede füllt zu jeder Zeit ihre Rolle aus - ob auf dem Feld, auf der Bank oder wie die aktuelle Reservistin Mareike Thomaier auch auf der Tribüne.
"Ich habe noch nie so viel geschrien in meinem Leben wie in diesem Spiel. Mir war es so scheißegal, dass ich nicht gespielt habe", so Kühne. Auch Teamkollegin Behrend hat beobachtet, dass "ein ganz anderer Teamspirit" herrscht. "Man sieht auf dem Feld, dass wir einfach unheimlich viel Spaß haben", so die Oldenburgerin.
"Bewahren Ruhe und machen weiter"
"Wir hatten auch ein, zwei Phasen, wo es mal nicht so lief, aber dann haben wir uns da wieder rausgekämpft", blickt Kühne auf die Partie zurück. Im ersten Durchgang meldete sich Brasilien mit einem 4:1-Lauf zum 9:7 noch einmal zurück, Deutschland antwortete dann aber selbst mit einer Serie von 4:1 Toren und war zur Halbzeit gar auf 17:11 enteilt.
Auch im zweiten Durchgang schien es zunächst gut zu laufen bis zum 23:15, dann aber waren die Südamerikanerinnen beim 25:22 wieder im Geschäft. "Gerade in dieser Phase haben wir extrem davon profitiert, dass wir eine Heimweltmeisterschaft gespielt haben. Dass wir vor so vielen Zuschauern, die uns getragen haben, spielen durften", so Behrend und betont: "Es zeichnet uns aus, dass wir in diesem Moment die Ruhe bewahren und einfach weitermachen."
Die erste Träne kurz vor Schluss
Mit einem unnachahmlichen Schlussspurt aber fand das DHB-Team zurück in die Spur und holte sich den Sieg. "Richtig realisiert habe ich es erst, als ich kurz vor Schluss draußen auf der Bank saß", räumte Behrend ein. Als einzige gelernte Rechtsaußen hat die Linkshänderin vom VfL Oldenburg die meiste Einsatzzeit bei den DHB-Frauen und als einzige schon die Fünf-Stunden-Marke geknackt. "Da ist mir die erste Träne runtergerollt."
Ob sich nun am heutigen Abend Titelverteidiger Frankreich oder Vizeeuropameister Dänemark durchsetzt, darüber macht man sich im deutschen Lager keine Gedanken. "Es ist wirklich egal, wer kommt. Wir haben es verdient, da zu sein und alle Gegner, die da sind, sind stark", sagt Kühne und Behrend ergänzt: "Wenn man weiterkommen will, ist es eigentlich egal, wer da kommt."
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