Ein Partyverbot, das wusste Alfred Gislason ganz genau, war nicht nötig. "Die dürfen ruhig feiern. Aber wie ich sie kenne, sind sie sehr vernünftig", hatte der Isländer den deutschen Handballern für ihre Silvester-Sause schmunzelnd mit auf den Weg gegeben. Doch auch wenn Andreas Wolff und Co. ausufernd auf das neue Jahr angestoßen haben sollten: Bis Sonntag bleibt noch Zeit, um neue Kräfte für die anstehende Hammer-EM zu tanken.
Erst drei Tage nach dem Jahreswechsel ruft der DHB-Coach seine 18 Auserwählten in Hannover zur Vorbereitung auf die Europameisterschaft zusammen. "Wir lassen die Spieler sich diesmal ein bisschen länger ausruhen", sagte Gislason zu der bewussten Entscheidung für die rund einwöchige Verschnaufpause nach dem Jahresabschluss in der Bundesliga. Diese zahlt sich offenbar aus.» Das ist der deutsche Kader für die Handball-EM 2026
"Wahrscheinlich vollständige Formation"
Es gebe "mehr Grund, zuversichtlich zu sein", sagte Benjamin Chatton. Vor einem Jahr hatte Gislason in Vorbereitung auf die WM "kurzfristige Ausfälle managen" und "zudem etliche Pläne für verletzte und angeschlagene Spieler basteln" müssen, erinnerte sich der Nationalmannschaftsmanager: "Das sieht Stand jetzt besser aus. Auch der in den vergangenen Spielen noch verletzt pausierende Justus Fischer - um einen Namen zu nennen - ist auf einem guten Weg."
Der Kreisläufer von der TSV Hannover-Burgdorf war Mitte Dezember in den Kader berufen worden, obwohl er nur kurz zuvor einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel erlitten hatte. Nun sei der Status bei allen Spielern "durchgehend grün oder sagen wir besser nicht rot. Und das ist beim Programm der vergangenen Wochen schon ein erfreuliches Signal. Wir freuen uns auf eine wahrscheinlich vollständige Formation", sagte Chatton. Nachnominierungen sind nur aus dem erweiterten 35er-Kader möglich.
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Personelle Sorgen kann das deutsche Team angesichts der bevorstehenden Kracherduelle im dänischen Herning nicht gebrauchen. Österreich (15. Januar), Serbien (17. Januar) und Spanien (19. Januar) warten in der kniffligen Vorrunde, in der Hauptrunde folgen dann drei echte Hochkaräter: Olympiasieger und Weltmeister Dänemark, Titelverteidiger Frankreich, der WM-Vierte Portugal oder Co-Gastgeber Norwegen kommen als realistische Gegner infrage.
Sein achtes Turnier, sagte Gislason, sei das "härteste" in seiner Amtszeit als Bundestrainer. "Bei einer EM musst du von der ersten Minute des Turniers voll da sein. Europameisterschaften sind generell am besten besetzt, da gibt es keine Mannschaft, von der man sagen kann, die schlägst du im Vorbeigehen, da kannst du deine Kräfte schonen. Man braucht immer Vollgas - und dieses Mal umso mehr", erklärte Kapitän Johannes Golla.
Ziel: Hablfinale
Und dennoch. "Ziel ist das Halbfinale", sagte der 66-Jährige, der in Dänemark auch Argumente für eine Vertragsverlängerung (bislang bis 2027) sammeln will. "Ich vertraue unserer Mannschaft. Sie ist sehr gut und kann ein super Turnier spielen. Wir haben mehr Breite als oft zuvor." Zudem sei der Kern seines Teams seit drei Jahren zusammen und habe "immer mehr Erfahrung" gesammelt: "Daher denke ich, dass wir uns vor keinem Gegner verstecken müssen."
Das will das Team um Kapitän Johannes Golla schon in den letzten Härtetests demonstrieren: Am kommenden Donnerstag (20.30 Uhr/sportschau.de) steht in Zagreb der erste von zwei Tests gegen Vizeweltmeister Kroatien an. Drei Tage später (11. Januar/18.05 Uhr/ARD) kommt es in Hannover im Rahmen der Generalprobe zum Wiedersehen.
"Das sind keine üblichen Vorbereitungsspiele, es geht schon sehr gnadenlos los. Diesen Rhythmus müssen wir danach beibehalten", sagte Gislason. "Diesmal geht keiner von den Spielern mit Stress in dieses Turnier, sondern mit Vorfreude, etwas erreichen zu wollen und vor allem zu können."
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SID, ml cs wt und red