Seit Mittwoch ist klar, mit welchen 18 Spielern Bundestrainer Alfred Gislason die EM-Mission im kommenden Januar angehen wird. Überraschend nicht zum Aufgebot gehört Linksaußen Tim Freihöfer, der beim amtierenden Deutschen Meister aus Berlin eine tragende Rolle einnimmt und bei den jüngsten EM-Härtetests gegen Island (42:31/29:31) noch zum Kader zählte.
Stattdessen entschied sich Gislason neben dem gesetzten Lukas Mertens vom SC Magdeburg für Rune Dahmke. Mit diesem hatte Gislason von 2012 bis 2019 beim THW Kiel zusammengearbeitet. Sein letztes Länderspiel hatte Dahmke im Rahmen der EM-Qualifikation gegen Österreich (31:26) im vergangenen März bestritten.
Dass Dahmke nun den Vorzug vor Freihöfer erhielt, "ist und bleibt denke ich nicht nur für mich nicht nachvollziehbar", macht Bob Hanning in seiner kicker-Kolumne zum EM-Kader deutlich. "Auf Linksaußen gehe ich halt überhaupt nicht mit - und wirklich nicht, weil ich Füchse Berlin bin, und wirklich nicht, weil ich Rune Dahmke oder Lukas Mertens nicht im Ansatz schätze, aber hier ist alles außer Kraft gesetzt worden, was Fairness und Inhalt angeht", kritisiert der 57-Jährige deutlich.
Dahmke liegt noch hinter Arino
Die Freihöfer-Ausbootung sei "eine Entscheidung, mit der ich persönlich nicht leben kann". Der U-21-Weltmeister von 2023 steht bei 61 Toren in 17 Bundesliga-Einsätzen - davon 29 per Siebenmeter. Mertens steht bei 45 Treffern aus 16 Bundesliga-Partien, Dahmke mit 18 Toren aus 16 Spielen sogar noch hinter Freihöfer-Vertreter Aitor Arino (26 Tore in 17 Spielen).
"Das darf man mal sagen, das muss man auch mal klar so definieren", legt Hanning nach: "Tim ist erster Mann bei den Füchsen seit zwei Jahren mittlerweile, spielt jedes wichtige Spiel, spielt 90 Prozent der Spiele überragend. Er hat auch in der Nationalmannschaft bis jetzt immer überzeugen können."
In der Bundesliga sei er schließlich "auch statistisch im Vergleich die klare Nummer eins". Argumente, die für Bundestrainer Gislason offenbar nicht genug waren. "Jetzt wird man erzählen, man braucht noch Erfahrung im Kader, da muss ich klar sagen: Wir haben genügend Erfahrung im Kader", schließt Hanning.
Theoretisch könnte Freihöfer noch nachnominiert werden. Während der Handball-EM (15. Januar bis 1. Februar 2026 in Dänemark, Schweden und Norwegen) sind insgesamt sechs Wechsel möglich - jeweils zwei während der Vor-, Haupt- und Finalrunde. Nur Spieler, die im 35er-Kader - zu dem Freihöfer gehört - stehen, können nachnominiert werden.