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Handball-Weltverband in 80 Jahren mit nur 5 Präsidenten

kicker

Die Internationale Handballföderation wurde in ihrer jetzigen Form am 12. Juli 1946 in Kopenhagen gegründet und hat aktuell seinen Sitz in Basel. In 79 Jahren hatte die IHF bislang lediglich fünf Präsidenten.Nachdem der Schwede Gösta Björk (1946-1950) den Verband in den Anfangsjahren leitete, folgte dann der Schweizer Hans Baumann, der das Amt bis zu seinem Tod 1971 führte.

Mit Paul Högberg übernahm erneut ein Schwede das höchste Amt im Welthandball - und aus der Interimslösung wurden dann insgesamt dreizehn Jahre bis nach den Olympischen Spielen von Los Angeles 1984.

Anschließend übernahm Erwin Lanc. Der Österreicher war im Jahr 2000 noch Gegenkandidat von Moustafa, zog aber vor der Wahl seine Kandidatur zurück. Mit 103/122 Stimmen erreichte der Ägypter die Präsidentschaft, die er in den Folgejahren zu festigen wusste.

Seit 2009 ohne Gegenkandidat

2004 wollten der Schwede Staffan Holmqvist und 2009 dann der Luxemburger Jean Kaiser noch einmal die Spitze der IHF erobern, beide unterlagen jedoch in einer Kampfabstimmung.

Konnte Holmqvist damals immerhin mit 46 Stimmen noch mehr als ein Drittel (34,3 Prozent) der Stimmen geholt, war Kaiser mit 25/142 (17,6 Prozent) klar unterlegen. Moustafa (85/134 und 115/142) deklassierte die Widersacher.

Bei den Wahlen 2013 in Doha sowie 2017 und 2021 in Antalya fand sich kein Gegenkandidat. Moustafa feierte überwältige Erfolge mit 95,5 Prozent (150/157) bzw. 88,9 Prozent (104/117) und 89,4 Prozent (131/151) aller abgegebenen Stimmen.

Deutlicher Wahlsieg 2025

Auf dem Kongress im Dezember 2025 in Kairo sah sich der inzwischen 81-jährige Ägypter wieder mit mehreren Gegenkandidaten konfrontiert - gewann aber erneut deutlich. 129 der Stimmen und damit einen Anteil von 73,3 Prozent der insgesamt 176 stimmberechtigten Mitglieder entfielen auf den Ägypter.

Die drei Kontrahenten aus Europa waren deutlich abgeschlagen: Der Slowene Franjo Bobinac konnte mit 24 Stimmen (13,64 Prozent) noch die meisten Gegenstimmen hinter sich bringen, knapp dahinter folgte der vom DHB unterstützte Deutsche Gerd Butzeck mit 20 Stimmen (11,36 Prozent). Der Niederländer Tjark de Lange wurde nur von drei Personen (1,7 Prozent) gewählt.

Kritik vom DHB

"Wie zu erwarten, war das Verfahren nicht fair: außer Dr. Moustafa hatte am Vortag des Kongresses kein Kandidat die Chance, sich bei den Treffen der Kontinentalverbände zu präsentieren", kritisierte DHB-Präsident Andreas Michelmann im Anschluss auf der Verbandshomepage.

"Der Ablauf des Kongresses war eine Farce und dem internationalen Handball unwürdig, weil es alleine vier Stunden dauerte, bis die Technik der Wahl funktionierte. Es zeigt, wie nötig strukturelle Änderungen bei der IHF und generell im Weltsport sind. Dennoch haben wir das Ergebnis zu akzeptieren. Wir werden unsere Schlüsse ziehen, gratulieren Hassan Moustafa und wünschen ihm Gesundheit und Kraft für die nächsten vier Jahre", so Michelmann weiter.

Vorstandsboss Mark Schober, der gemeinsam mit DHB-Präsident Michelmann in Kairo vor Ort war, fügte an: "Das Ergebnis diese Wahl müssen wir respektieren, aber das System One-Nation-One-Vote mit 176 stimmberechtigten Nationalverbänden ist ein Hindernis für die Entwicklung jedes Weltsports. Europa hat ein großartiges Angebot gemacht, aber das war letztlich chancenlos. Der DHB steht aber weiterhin für die Entwicklung des globalen Handballs zur Verfügung."

"Eine Farce": Das sagt der DHB zur Wiederwahl von Moustafa

Über Hassan Moustafa

Dr. Hassan Moustafa wurde 1944 im ägyptischen Kairo geboren. Auf 11 Jahre beim Spitzenklub Al Ahly und 10 Jahre im Nationalteam kann der heutige Funktionär zurückblicken. Auch für den heutigen Bundesligisten SC DHfK Leipzig lief Moustafa im Jahr 1974 auf.

Denn an der Deutschen Sporthochschule für Körperkultur in Leipzig absolvierte er sein Studium und promovierte zum Thema "Die Verwaltungselemente einer erfolgreichen Mission von Vereinen und Verbänden". Seine Diplomarbeit kümmerte sich um das Torwarttraining.

Hassan Moustafa blieb auch nach dem Ende seiner Spielerkarriere dem Handball ein Leben lang treu, war als Trainer für Al Ahly und das Nationalteam wie auch als Schiedsrichter auf nationalem und internationalem Niveau tätig.

Abgesehen vom Zeitraum 1992-96 war Moustapha ab 1984-2008 insgesamt 20 Jahre Präsident der Ägyptischen Handballföderation. Vier Jahre (1999-2003) führte er auch die Handball-Konföderation im Mittelmeerraum an, acht Jahre (1992-2000) war er Vizepräsident der Arabischen Handballföderation. Zudem war er von 1985-2000 auch Mitglied und Generalsekretät des Ägyptischen Olympischen Komittees.

Schon seit 1992 ist Moustafa als Offizieller im Welthandball, war zunächst Leiter der Trainer- und Methodikkommission. Im Jahr 2000 wurde er dann zum 5. Präsidenten des Weltverbands gewählt, steht diesem seither ununterbrochen - allerdings keineswegs ohne Kritik - vor. Gab es bei den ersten zwei Wiederwahlen (2004, 2009) noch Gegenkandidaten, war er bei drei Wahlen (2013, 2017, 2021) in Folge alleiniger Kandidat und erhielt trotz drei Konkurrenten auch 2025 mit 73,3 Prozent eine deutliche Mehrheit.