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Reichmann: Warum Gislason jetzt ein besserer Trainer ist

kicker

Eine Kolumne von Tobias ReichmannFrohes neues Jahr, liebe Leserinnen und Leser! Und genau das kann ich Euch sogar belegen. Denn es gibt einen Grund, warum dieses Handballjahr schon im Januar viel Anlass zur Freude geben wird.Der Januar ist traditionell ein Handballmonat. So geht das Jahr mit einem Großturnier immer gut los. Dieses Jahr gibt es aber - im Vergleich zu manch anderen Jahren - auch reichlich Grund für Optimismus. Zumindest, wenn man Fan der deutschen Nationalmannschaft ist. Und das hat auch viel mit dem Bundestrainer zu tun.

Fast sechs Jahre ist Alfred Gislason jetzt unser Nationaltrainer. Und es gab durchaus Turniere, wo vorab berechtigte Sorge bestand, ob Deutschland den eigenen Ansprüchen genügen würde. Auch das hatte in Teilen mit dem Bundestrainer zu tun. Zu wenig Breite im Kader und zu wenig Tempo im Spiel waren da die Themen. Vor beidem müssen wir 2026 keine Angst haben. Ganz im Gegenteil.

Handballer haben sowieso immer Druck

Die fehlende Jobgarantie über ein möglicherweise nicht erfolgreiches Turnier hinaus suggerierte zwar medial Druck für Gislason. Doch davon war in seinen Reaktionen nichts zu spüren. Er verspüre nur den Druck, den er sich selber mache. Und das glaube ich auch.

Denn erstens ist er viel zu erfahren und diesbezüglich gelassen, um sich aus einer sportlichen Selbstverständlichkeit Druck machen zu lassen. Zweitens geben alle Voraussetzungen vor dem Turnier berechtigten Grund für Optimismus. Und drittens hat man als Handballer und erst recht als Trainer sowieso immer Druck.

Warum ich so optimistisch auf die EM blicke? Das hat vor allem zwei Gründe. Der erste betrifft die Mannschaft. Wir gehen mit einem wahnsinnig breiten Kader in dieses Turnier. Eine Mischung aus erfahrenen Führungsspielern und jungen, ambitionierten, hungrigen Vollgas-Spielern, auf die ich mich riesig freue.

Unser Prunkstück ist die Abwehr

Deutschland ist klar die stärkste Mannschaft in unserer Vorrundengruppe. Unser Prunkstück ist die Abwehr mit Golla, Köster, Kiesler, Schluroff, um nur ein paar zu nennen. Und selbst wer da durchkommt, muss noch an Wolff oder Späth vorbei - das ist das beste Duo, was die EM zu bieten hat.

Zudem sind wir im Angriff durch die jungen und teils neuen Spieler deutlich variabler geworden als in der Vergangenheit. Köster und Schluroff von Gummersbach. Grgic, der in Flensburg bewiesen hat, dass er schon in so jungen Jahren viel Verantwortung übernehmen kann. Juri Knorr natürlich, der in Dänemark nochmal eine Entwicklung mehr macht gerade - und vielleicht auch Nils Lichtlein mit mehr Spielanteilen als bislang. Das wird ein richtig potenter, den Fans viel Freude bereitender Angriff.

Halbfinale als Minimalziel

Der zweite Grund kommt von der Bank. Beziehungsweise von vor der Bank, wo sich Alfred Gislason die meiste Zeit des Spiels aufhalten wird. Er ist natürlich immer noch der Vulkan, der ausbrechen kann und 60 Minuten maximal mitfiebert. Aber er hat trotzdem eine Art Update gezogen, auch er hat sich weiterentwickelt.

Das merkt man. Vor allem an einer entscheidenden Tatsache: Er gibt ganz bewusst mehr und mehr Verantwortung ab. Hat er früher sein System starr und bis ins letzte Detail vorgegeben, erlaubt und ermutigt er heute seinen Spielern zunehmend, Einfluss zu nehmen. Man könnte sagen: Er vertraut ihnen. Und genau das lässt die Brust der Spieler mit jedem Mal noch ein bisschen breiter werden. So breit, dass ich das Halbfinale als Minimalziel formulieren würde.

In diesem Sinne: Frohes neues Handball-Jahr und viel Spaß mit Alfred 2.0 und bei der für uns erfolgreichen EM!

Tobias Reichmann hat dreimal die Champions League gewonnen, in 106 Spielen für Deutschland 291 Tore geworfen und galt Zeit seiner Karriere als einer der meinungsstärksten Profis. Heute arbeitet er bei seiner Firma EHM als Remote Personal Trainer für Profis und Amateure. Für handball-world.news ordnet der 37-Jährige in regelmäßigen Abständen aktuelle Themen aus der Welt des Handballs ein.

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