Fehlercode: %{errorCode}

Silber gewonnen - und unsere Herzen

kicker

Eine Kolumne von Hannah Nitsche

Arm in Arm stehen die Nationalspielerinnen auf dem Spielfeld und warten auf die Siegerinnen-Ehrung. Von den Rängen tobender Applaus. Bei Kapitänin Antje Döll laufen Tränen über die Wangen - gestützt von ihren Teamkolleginnen. Es sind in erster Linie Freudentränen, wie ich später im Gespräch erfahre. Denn auch wenn das WM-Finale gegen Norwegen verloren ging: Silber glänzt wie Gold. Und mehr noch - dieses Team hat etwas hinterlassen, das weit über eine Medaille hinausgeht.

Diese Mannschaft zeigte eindrucksvoll, wie kraftvoll, attraktiv und relevant Frauenhandball ist - für den Sport, für die Gesellschaft, für eine neue Generation. Spürbar wie selten zuvor. Eine Strahlkraft, die der Kampagne "Hands Up for More", die bereits Wochen vor dem Turnier gestartet war, die mehr Sichtbarkeit des Frauenhandballs fordert, zugutekommt. Besonders am Finaltag in Rotterdam.

Schon Stunden vor dem Anpfiff ziehen Menschengruppen durch die Stadt. Hüte in Deutschlandfarben, Turnbeutel in Schwarz-Rot-Gold, Fahnen um die Schultern gelegt. Viele haben am Morgen spontan gepackt, um dieses Finale nicht zu verpassen. Sie kommen aus Oldenburg, Freiburg oder Bonn. Angesteckt von der Euphorie dieses Turniers.

Vor der Arena Rotterdam Ahoy, in der Fan Village, fallen zwei Frauen auf. Beide tragen Trikots der Nationalmannschaft, geschmückt in Schwarz-Rot-Gold. Anfang 30, angereist aus dem Ruhrpott. Eine von ihnen trägt eine Blumenkette in den deutschen Farben. "Ich gucke Handball, seit ich denken kann", sagt sie. "Ich habe die Spiele der Frauen-Nationalmannschaft schon verfolgt, da wurden sie Dreizehnter und Zehnter. Dass sie jetzt im WM-Finale stehen - das ist einfach unglaublich emotional." Ihre Augen glänzen. "Für uns Fans, die Handball leben und immer gucken: Das ist einfach so geil. Und es war so nah."

In der Arena wippt ein kleines Mädchen, in eine Deutschlandfahne eingewickelt, zur Hallenmusik. Zerzaustes, blondes Haar, große Augen. "Ich freue mich einfach, dass ich heute hier bin", sagt sie. In Rotterdam kommen sie zusammen: die langjährigen Fans - und jene, die diese Weltmeisterschaft neu angesteckt hat. Wegen ihnen. Wegen dieser Mannschaft.

Nationalspielerin Nieke Kühne, die Silbermedaille um den Hals, fasst es nach dem Finale so zusammen: "Es ist unfassbar, was die letzten Wochen hier passiert ist. Ich bin so froh, Teil dieser Mannschaft, dieser Gemeinschaft zu sein. Jeder steht füreinander ein." Als Xenia Smits, schon etliche Interviews an diesem Tag geführt, später in der Mixed Zone über das Teamgefühl spricht, laufen und laufen ihr immer noch die Tränen über das Gesicht. Viele Worte braucht es in diesem Moment nicht. Alles ist gesagt.

Auch Bundestrainer Markus Gaugisch ordnet dieses WM-Turnier klar ein: "Wir sind gefestigter. Wenn ich an den Sommerlehrgang denke - was da neben dem harten Training passiert ist. Wie sie miteinander umgegangen sind, wie fokussiert sie waren. Da hat man gemerkt: Da wächst etwas."

Dass diese Mannschaft nicht nur fantastischen Handball gespielt hat und bis in die letzten Minuten des Finals eine reale Chance auf Gold hatte, sondern dabei auch einen außergewöhnlich sympathischen, nahbaren und authentischen Auftritt hingelegt hat, wirkt ansteckend. 5,79 Millionen Sportbegeisterte verfolgen das Finale im Free-TV im Schnitt - ein Ausrufezeichen für den deutschen Frauenhandball.

Die Nationalmannschaft hat Silber gewonnen - und unsere Herzen gleich mit. Mit einer Strahlkraft, die nicht nur von den Niederlanden nach Deutschland reichte, sondern weit darüber hinaus. Dieses WM-Turnier war ein Geschenk. Für die Fans. Für die Berichterstattung. Und für die Zukunft.

Lasst uns dieses Leuchten bis zur Europameisterschaft im Dezember 2026 bewahren - dann live bei Dyn - und auf ein neues Level heben. Also: Hands up. Nicht nur zu dieser Weltmeisterschaft. Sondern weit darüber hinaus. Für eine kontinuierliche Weiterentwicklung des deutschen Frauenhandballs

Über die Autorin

Die bisherigen Kolumnen von Lea Rostek und Hannah Nitsche bei handball-world:» Lea Rostek und Hannah Nitsche aus dem Off» Showtime in München: Supercup mehr als nur ein Titel?» Individuelle Power: Die Glanzlichter der Auftaktrunde» Personalbeben vor Gigantenduell - Sendeplan adé» Bühne frei für Inklusion - per Handy live dabei!» Drei Stimmen im Ohr - eine Live on Air» Zwischen den Spielen - Redaktionsalltag bei Dyn» Mehr Druck, mehr Drama - Wie viel Fußball verträgt die Handball-Seele?» Handball auf Social Media? Da geht mehr!» Zwischen Nähe und Nachhaken - warum kritische Fragen wichtig sind» Dyn Move Your Sport - Jugendarbeit fördern war noch nie so attraktiv wie jetzt» Ausnahmesituation im Spiel - wenn Sport zweitrangig wird» Hands up for more - ab heute für immer» Neue Fans in alten Hallen - Die Entscheidung für den Verein» Berliner Stars als Mentoren