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Wegen Portugals Sensation: Der harte deutsche Weg ins Halbfinale

kicker

Der Schock am vergangenen Samstagabend war groß. Statt das sicher geglaubte Hauptrunden-Ticket zu feiern musste die DHB-Auswahl nach dem 27:30 gegen Serbien plötzlich sogar um die zweite Turnierphase bangen. Das schlechteste EM-Abschneiden der Geschichte drohte - und das nur elf Monate vor der Heim-WM. Wo nach Möglichkeit doch zwei Jahrzehnte nach dem letzten großen Wurf der Traum von WM-Gold real werden soll.

Die deutsche Mannschaft aber gab in Herning die Antwort auf dem Parkett: Durch einen knappen Sieg gegen Spanien wendete die DHB-Auswahl das Blatt. Der Europameister von 2016 nimmt somit 2:0 Punkte und 34:32 Tore mit in die Hauptrunde, in der es im Zwei-Tages-Rhythmus weitergeht.

Die Chancen der Spanier - 0:2 Zähler und 32:34 Treffer - aufs Halbfinale sind schon jetzt verschwindend gering. Denn: Nur zwei der sechs Teams der Hauptrundengruppe I dürfen ihren Traum vom Europameistertitel weiterleben.

Revanche gegen Portugal?

Erster deutscher Gegner ist am Donnerstagnachmittag (15.30 Uhr) überraschend - und ausgerechnet - Portugal. Wie gefährlich die Iberer sind, bekam die deutsche Mannschaft im vergangenen Januar zu spüren, als sie dramatisch im WM-Viertelfinale an eben jenem Gegner scheiterte.

Die Portugiesen aber müssen auf dem Weg in ein mögliches Halbfinale definitiv geschlagen werden. Bislang präsentierte sich das Team um die herausragenden Brüder Martim und Francisco Costa wankelmütig. Wegen eines völlig überraschenden Remis gegen Nordmazedonien stand die Hauptrunden-Teilnahme zwischenzeitlich auf der Kippe.

Ehe Portugal zum Abschluss der Vorrunde für einen Paukenschlag sorgte: Das nicht unverdiente 31:29 gegen Gastgeber und Top-Favorit Dänemark war die erste echte EM-Sensation. Mit nun 2:0 Punkten und einer positiven Tordifferenz stehen den Portugiesen alle Türen offen.

Verpflichtet zu gewinnen wird die deutsche Mannschaft am Samstagabend (20.30 Uhr) sein. Dann geht es mit Norwegen gegen einen der drei Gastgeber. Das Team von Trainer Jonas Wille bringt die Hypothek von 0:2 Punkten und einer negativen Tordifferenz (34:38) mit in die Hauptrunde.

Auf dem Niveau von 2020, als die Norweger mit Bronze ihr bestes EM-Ergebnis jemals einfuhren, sind Sander Sagosen & Co. nicht mehr. Trotzdem wird es eine DHB-Auswahl nah am Leistungszenit brauchen, um die Skandinavier zu schlagen.

Böse und gute Erinnerungen an Olympia 2024

Die härtesten Brocken aber kommen tatsächlich zum Schluss. Dritter deutscher Gegner am Montagabend (20.45 Uhr) ist Top-Favorit Dänemark, der die letzten vier WM-Titel allesamt holte.

Die aktuelle Übermannschaft dominierte erwartungsgemäß Nordmazedonien (36:24) und Rumänien (39:24), um dann allerdings völlig überraschend Nerven zu zeigen. Durch die Pleite gegen Portugal wuchs der Druck auf die Dänen, die nun gegen Frankreich starten müssen, enorm.

Und dennoch ist dem Gastgeber weiter der Titel zuzutrauen, er hat schließlich mit Abstand die höchste Dichte an Weltstars in seinem Kader. EM-Gold wird nur über die eingespielte Truppe von Erfolgstrainer Nicolaj Jacobsen, die Deutschland im Olympia-Finale vor eineinhalb Jahren mit 39:26 zerlegte, gehen.

Auch weil sie im eigenen Land mit Heimvorteil auf einer "Mission" ist: Letztmals wurde Dänemark vor 14 (!) Jahren Europameister. "In Dänemark gewinnst du gegen Dänemark vielleicht eines von zehn Spielen", merkte Bob Hanning in seiner kicker-Kolumne an.

Ein mögliches Entscheidungsspiel ums Halbfinale müsste sich Deutschland dann am nächsten Mittwoch (18 Uhr) mit Titelverteidiger Frankreich liefern. Les Experts stellten auf dem Weg zum Gruppensieg zwei EM-Torrekorde auf - und waren dann auch von Norwegen nicht zu bremsen.

Angesichts von 2:0 Punkten und 38:34 Toren zum Start der zweiten Turnierphase werden die Franzosen ihrem Status als Mitfavorit absolut gerecht. Denkwürdige Partien mit der Mannschaft um den künftigen Berliner Dika Mem lieferte sich das DHB-Team auch in der jüngeren Vergangenheit genug: Eine besonders dramatische zuletzt im Olympia-Viertelfinale 2024, das Deutschland in der Verlängerung mit 35:34 für sich entschied.