Die Denver Broncos, einst Gründungsmitglied der heutigen NFL, zählen heute zu den traditionsreichsten Franchises der Liga. Ihre Geschichte ist geprägt von Rückschlägen und Neuanfängen, aber eben auch von Triumphen. Gepaart mit einem starken regionalen Rückhalt im Bundesstaat Colorado ist dieses Team immer für einen wilden Ritt bereit - so auch in dieser Saison.
Als Erster der AFC zog die Gruppe um Coach Sean Payton überraschend souverän in die Playoffs ein und möchte da weitermachen, wo die Regular Season endete. An Selbstbewusstsein dürfte es nach 14 Siegen aus 17 Spielen zumindest nicht mangeln. Während die Verteidigung wie gewohnt das Zugpferd in Colorado ist, stellen sich Fans in dieser Woche aber vor allem eine Frage: Wird die Broncos Offense gegen die Buffalo Bills Land sehen?
Ein holpriger Aufgalopp
In ihren Anfangsjahren sind die Broncos sportlich und wirtschaftlich noch wenig erfolgreich. Es läuft sogar so schlecht, dass die unbeliebten braun-gelb gestreiften Trikots aus der Gründungszeit 1962 öffentlich verbrannt werden - ein symbolischer Schrei nach einem Neuanfang. Unter Coach Red Miller und Linebacker Randy Gradishar sorgt Denver nur wenig später für Furore, und mit einer starken Defense wird das Team auch Jahrzehnte später die Fans wieder begeistern. 1978 gelingt der erste Einzug in den Super Bowl. Auch wenn es beim 10:27 gegen die Dallas Cowboys nicht zum Titel reicht, ist der Grundstein für spätere Erfolge gelegt.
Ein Schrittwechsel dank Elway
Alles ändert sich mit der Verpflichtung von John Elway 1983. Der Erstrunden-Pick der Baltimore Colts verweigert seine Dienste, bis er schließlich nach Denver getradet wird. Ein Glücksgriff, wie sich später herausstellen soll. Der Quarterback vereint Spielintelligenz, Führungsstärke und Kampfgeist in sich und wird eines der Gesichter der Broncos. Mit Elway erreicht das Team in den 80ern drei Super Bowls, verliert jedoch jedes Mal deutlich. Kritiker zweifeln, ob Elway je einen Titel würde holen können. Die Antwort folgt Ende der 90er: Mit einem starken Team unter Head Coach Mike Shanahan (Vater des heutigen 49ers-Coaches Kyle Shanahan) und Running Back Terrell Davis, der 1998 über 2000 Yards erläuft, gewinnen die Broncos zwei Super Bowls - ihre ersten Titel überhaupt. Elways berühmter "Helicopter Run" gegen die Packers im Super Bowl XXXII, bei dem er selbst losrennt und dann spektakulär abhebt, um ein neues First Down zu erreichen, wird zum Inbegriff seines unbedingten Siegeswillens beim 31:24. Mit 37 Jahren hat der Quarterback endgültig den Zenit seiner Karriere erreicht und es allen Kritikern bewiesen.
Ein Sieg der Vielseitigkeits-Defense
Ein Sieg der Vielseitigkeits-Defense Nach dem Karriereende Elways geraten die Broncos in sprunghafte Jahre voller Quarterback-Wechsel, die mit wenigen Ausnahmen typisch für Denver sein werden. Erst durch die Verpflichtung von Peyton Manning Anfang der 2010er Jahre gerät das Franchise wieder auf Titelkurs. Bis heute steht der Spielmacher für seine grandiose Saison 2013 in den Geschichtsbüchern: 55 Touchdowns konnte bislang keiner überbieten. Bevor die Broncos allerdings ihren dritten Super-Bowl-Erfolg feiern, setzt es 2014 eine 8:43-Klatsche im Endspiel gegen stark aufspielende Seahawks. Statt in Selbstmitleid zu ertrinken, schlägt das Team aus Colorado zwei Jahre später zurück. Unter Coach Gary Kubiak mit der dominantesten Defense der Liga - angeführt von Von Miller - gelingt der Coup gegen Carolina (24:10). Der dritte Ring ist sicher, Miller wird zum MVP des Spiels gekürt.
Ein wirklich schlechter Deal
Ähnlich wie nach dem Aus von Elway muss sich das Franchise auch nach dem Ende der Manning-Ära neu erfinden. Das gelingt allerdings nur schleppend. Acht Saisons in Folge verpassen die Broncos die Playoffs, treffen allerhand fragwürdige Quarterback-Entscheidungen und setzen mit der Verpflichtung von Russell Wilson über 85 Millionen Dollar in den Sand. Der größte Dead-Cap-Hit der NFL-Geschichte. Doch es werden nicht nur schlechte Entscheidungen getroffen. Mit Sean Payton, dem einstigen Erfolgscoach der New Orleans Saints, wird ein vielversprechendes Kapitel aufgeschlagen. Erstmals seit Elway startet 2024 mit Bo Nix ein Rookie und zeigt mit seinen 24 Lenzen früh Führungsqualitäten. Nix führt das Team in seiner Debüt-Saison prompt in die Playoffs. Auch die defensiven Tugenden sind zurück: Patrick Surtain II, Nik Bonitto oder Talanoa Hufanga sind nur einige Eckpfeiler der neuen Generation an spannenden Verteidigern. Es scheint, als ob das Franchise nach Jahren der Suche wieder eine gesunde Balance aus Offense und Defense gefunden hätte.
Eine unzähmbare Rivalität
Die AFC West ist heute eine der am härtesten umkämpften Divisions in der NFL. Entsprechend giftig sind auch die Rivalitäten. Besonders seit der Dominanz der Kansas City Chiefs gelten die Duelle mit dem Team um Andy Reid, Patrick Mahomes und Travis Kelce als kleiner Super Bowl. Diese Rivalität wird nicht durch ein einziges Spiel geprägt, sondern hat sich über Jahrzehnte aufgeladen. Dabei hatte Kansas City in der Vergangenheit oft die Nase vorne - bis 2023 hielt eine Serie über 16 Chiefs-Siege am Stück, die Denver dann doch mal durchbrechen konnte.
Eine Meile über dem Meeresspiegel
Die Stadt Denver liegt auf 1600 Metern, genauso wie das Stadion, das von Fans nur "Mile High" genannt wird, eine Meile über dem Meeresspiegel. Auch wenn das Franchise ein neues Stadion plant - 2031 soll der neue Entertainmentkomplex "Burnham Yard" fertiggestellt sein -, so hat das aktuelle Stadion seinen ganz eigenen Charme. Ohne Dach wird es im Winter eiskalt. Gepaart mit der dünnen Luft stellt das den einen oder anderen Gegner regelmäßig vor Herausforderungen. Durch die Nähe zu den Rocky Mountains dürfen sich die heimischen Fans in den Wintermonaten auch über wilde Schneespiele freuen.
Rodeo, Eishockey und Basketball
Ohne Konkurrenz im Bundesstaat Colorado haben die Denver Broncos leichtes Spiel. Einzig die Colorado Buffaloes (Big-12), sowie die College State Rams (Division I) sind im American Football Alternativen zum NFL-Team. Grundsätzlich ist Colorado allerdings ein sportverrückter US-Bundesstaat, der zuletzt auch im Eishockey (Colorado Avalanche) und Basketball (Denver Nuggets) große Erfolge gefeiert hat und berühmt für seine traditionellen Rodeos ist.
Ein Galopp durchs Stadion
Ein Bronco ist per Definition ein "wildes, ungezähmtes Pferd aus dem Westen der USA". Passend dazu teilen sich Maskottchen Miles und das lebende Pferd Thunder, das nach Touchdowns oder Field Goals über das Feld galoppiert, die Aufgabe als Anheizer bei Heimspielen. Der Araber-Hengst wird in der 1990er Jahren als neues Entertainment-Element eingeführt. Drei Jahre intensives Training braucht es, bis das Pferd bereit für ein vollgepacktes Stadion mit Football-Fans ist. Allein für die Versicherung des Vierbeiners zahlt das Franchise jährlich bis zu 40000 Dollar. Verrückt: Selbst bei Super Bowl-Spielen fliegt Thunder mit.
Unverzichtbar und fest im Sattel
Die Geschichte der Denver Broncos ist geprägt von Höhen und Tiefen, ikonischen Momenten, leidenschaftlichen Fans und einem regional tief verwurzelten Stolz. Vom Außenseiter der 60er über die Elway-Dynastie, die dominante Defense der 2010er bis zum heutigen Neuaufbau ist eines konstant geblieben: Die Broncos gehören zu Colorado - und sind ein unverzichtbarer Bestandteil der NFL.
Weitere Infos zum Team
Head Coach 2025/26: Sean Payton (62), Meister des Offensivspiels und Architekt des Saints-Super-Bowl-Wunders 2010, steht mit seinem Coaching-Stil für Mut, Kreativität und Führungsstärke. In Denver schreibt er seit 2023 ein neues Kapitel: Gemeinsam mit Quarterback Bo Nix gelang ihm in dieser Saison wiederholt der Einzug in die Playoffs - der Startschuss für einen weiteren Super-Bowl-Titel?
Star-Spieler 2025/26: Patrick Surtain (25), Ausnahme-Cornerback und Herzstück der Broncos-Defense, vereint Spielintelligenz mit Top Athletik, behält auch unter Druck einen kühlen Kopf. Der einstige First Round Pick der Denver Broncos führt mit beeindruckender Reife die Secondary an und zählt ligaweit zu den besten Spielern auf seiner Position. Surtain II wurde 2024 als Defensive Player of the Year ausgezeichnet.
Legende: Von Miller (36), explosive PassRush-Legende und über ein Jahrzehnt das Gesicht der Broncos-Defense, wird mit einer Kombination aus Power, Schnelligkeit und Instinkt regelmäßig zum Albtraum für gegnerische Quarterbacks. Bis heute, jetzt in Diensten der Commanders, ist er einer der All-Time-Leader in Sacks. Seine dominante Performance in der Saison 2015, gekrönt mit dem MVP-Titel im Super Bowl 50, macht ihn endgültig zur NFL-Ikone.
NFL-Sonderheft
Viele weitere Themen rund um die NFL finden sich im von kicker und football-world kürzlich herausgegebenen Sonderheft. Dieses können kicker+ Nutzer als E-Paper nutzen. Zudem kann dieses im Online-Shop auch in der Print-Version bestellt werden.