Statt fehlendem Talent sieht Esume die Ursachen an anderer Stelle. Seine Analyse führt vom College Football über strukturelle Ungeduld in der NFL bis hin zu einem System, das schnelle Ergebnisse verlangt - oft auf Kosten langfristiger Quarterback-Entwicklung.
"Ich glaube nicht, dass es der NFL an Talent mangelt"
Für Patrick Esume ist die Grundannahme eines Quarterback-Mangels falsch. "Ich glaube nicht, dass es der NFL an Talent mangelt", stellt er klar. "Es gibt auch im kommenden Draft wieder herausragende Quarterbacks."
Ein strukturelles Nachwuchsproblem sieht er deshalb nicht. Wenn es überhaupt eine Schwachstelle gebe, dann liege sie nicht in der NFL selbst, sondern eine Stufe darunter.
Das College-System als neuralgischer Punkt
Esume richtet seinen Blick deutlich auf den College Football - und auf ein Instrument, das die Entwicklung vieler Spieler hemmt. "Wenn es überhaupt ein Problem gibt, dann liegt es eher im College-System", erklärt er. "Das Transferportal sorgt für enorme Fluktuation und mangelnde Kontinuität, gerade auf der Quarterback-Position."
Gerade dort sei Stabilität entscheidend. "Es ist extrem wichtig, Erfahrung in einem System zu sammeln", sagt Esume, doch genau das passiere immer seltener.
"Nicht charakterbildend"
Besonders kritisch sieht Esume die Mentalität hinter häufigen Programmwechseln. "Viele Spieler wechseln jedes Jahr das Programm, statt sich durchzubeißen und etwas aufzubauen", sagt er deutlich. Sein Urteil fällt klar aus: "Das ist weder charakterbildend noch förderlich für die Entwicklung."
Dabei gehe es nicht ausschließlich um die wichtigste Position im Sport. "Dieses Problem betrifft nicht nur Quarterbacks, sondern das gesamte Football-System von College bis NFL", betont Esume.
Kein Nachwuchsproblem
Trotz dieser strukturellen Schwächen bleibt Esume optimistisch, was die Talentbasis betrifft. "Trotzdem gibt es immer wieder Jahrgänge mit außergewöhnlichen Talenten - ich sehe da kein strukturelles Nachwuchsproblem."
Der entscheidende Faktor liege vielmehr in der Logik der Profiliga selbst. "Pro-Football war schon immer ein Ergebnissport", sagt der RTL-Experte. "Die Frage lautet: Was kannst du jetzt sofort beitragen?" Langfristige Entwicklungsmodelle seien deshalb die Ausnahme.
Esume nennt ein Franchise, das bewusst einen anderen Weg gegangen ist. "Es gibt nur wenige Franchises mit langfristiger Geduld", erklärt er. "Die Green Bay Packers sind hier das Paradebeispiel - von Favre zu Rodgers, von Rodgers zu Love." Solche Übergänge seien jedoch selten - und in der heutigen NFL kaum noch vermittelbar.
Zwischen Sofortwirkung und Zeitmangel
Dass nicht jeder Quarterback sofort funktionieren kann, ist für Esume offensichtlich. "Nicht jeder Quarterback ist sofort bereit", sagt er. Gleichzeitig verweist er auf Ausnahmen: "Du hast Spieler wie Joe Burrow oder C.J. Stroud, die direkt funktionieren."
Genau diese Beispiele verstärken jedoch den Druck auf alle anderen. "Das Problem ist: Head Coaches und General Manager haben kaum Zeit", erklärt Esume. "Zwei schlechte Saisons - und du bist weg."
Dieser permanente Erfolgszwang habe direkte Auswirkungen auf die Quarterback-Entwicklung. "Das erzeugt enormen Druck", sagt er und macht deutlich, warum Geduld in der NFL ein knappes Gut bleibt.
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