Schon in den ersten Minuten war klar: Diese Pressekonferenz fühlt sich anders an. Joe Schoen grinste bei der Vorstellung von Harbaugh fast durchgängig - und dieser hatte selbst sofort diese Mischung aus Lockerheit, Autorität und Charisma, die in New York innerhalb von Sekunden Wirkung entfaltet.
Die Stimmung war gelöst, optimistisch - fast schon euphorisch für ein Franchise, das zuletzt eher für Trainerwechsel als für Titelrennen stand. Und Harbaugh machte eine Tatsache von Anfang an klar: "Ich wollte diesen Job", wiederholte der 63-Jährige immer wieder. "Das war meine offensichtliche Wahl - die New York 'Football Giants'".
Die Struktur-Frage? Harbaugh macht sie klein
Im Vorfeld wurde viel über die Hierarchie gesprochen: die Struktur, nach der Harbaugh direkt an die Owner (John Mara, Steve Tisch) berichtet und nicht an Schoen. Der Coach machte daraus aber keine Machtfrage. "Das ist wirklich nicht so wichtig", sagte er sinngemäß. Entscheidend sei, dass es funktioniere und dass man gemeinsam arbeite. Schoen lobte er als echten "Football Man" und sprach von einer Partnerschaft, die "phänomenal" werden könne.
Als Harbaugh auf die öffentliche Unterstützung von Präsident Donald Trump angesprochen wurde, reagierte er mit einem Augenzwinkern, witzelte kurz und lenkte sofort zurück auf Football. Statt politischer Nebenkriegsschauplätze stand für ihn ein Gefühl im Vordergrund: "Es fühlt sich großartig an", sagte Harbaugh. "Es ist das ikonischste Franchise im größten Sport - und hier sind wir."
"Change can be good": Der Andy-Reid-Moment
Ein starkes Detail war Harbaughs Blick auf seinen "zweiten Akt" als Head Coach, inklusive eines Rates von Andy Reid, unter dem der neue Giants-Coach einst in Philadelphia arbeitete. Reids Botschaft an ihn: "Veränderung kann gut sein." Harbaugh machte klar, dass er diesen Neustart genauso ernst nimmt - und dass er sofort unterschreiben würde, wenn sein Kapitel in New York auch nur ansatzweise so erfolgreich wird wie Reids zweite Karriere in Kansas City.
Harbaugh sprach desweiteren auch konkret über seine sportlichen Ambitionen und Pläne mit Quarterback Jaxson Dart.
Ein Abschied von Baltimore - und ein klares Ankommen
Während seiner Pressekonferenz machte der 63-Jährige auch noch einmal deutlich, wie dankbar er den Ravens und Owner Steve Bisciotti für die vergangenen 18 Jahre sei - inklusive Super-Bowl-Titel 2012. Gleichzeitig wirkte Harbaughs Auftritt in New York aber nicht wie ein Coach auf Abschiedstour, im Gegenteil: Er wirkte wie jemand, der wirklich Lust auf ein neues Projekt hat und dieses mit voller Euphorie und Stolz verwirklichen möchte.
Unterm Strich bleibt: Die Giants wollten einen bewährten Gewinner - und bekommen einen genau solchen Head Coach, der auch die Bühne New York versteht, ohne sie zu überdrehen.
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