Kann Stafford die Rams auf seinem Rücken tragen? Also wortwörtlich ...
Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: Nach dem Divisionssieg im Vorjahr gehen die Rams auch in dieser Saison wieder als Favorit auf die NFC-West-Krone ins Rennen und streben mindestens nach einem tiefen Playoff-Run. Dass dies das anvisierte Ziel ist, machte das Franchise in der Offseason deutlich, als jegliche Trade-Anfrage für Quarterback Matthew Stafford abgelehnt und sein Vertrag stattdessen neu ausgehandelt wurde. Dazu passt auch die Verpflichtung von Star-Receiver Davante Adams, der trotz widriger Umstände bei den Raiders und Jets unter Beweis gestellt hat, dass er nach wie vor zur Elite dieser Liga gehört. Er bildet in Kombination mit Puca Nacua, Tutu Atwell und Running Back Kyren Williams eine Offense, die High-Scoring-Games produzieren kann.
Doch zurück zu Matt Stafford: Der 37-Jährige zog in der Vorbereitung unfreiwillig die Aufmerksamkeit auf sich, indem er gar nicht auf dem Feld stand. Rückenbeschwerden machten ihm während des Training Camps einen Strich durch die Rechnung, genauer gesagt die Bandscheiben. Ein Umstand, den man im Laufe der Saison genauer beobachten und bei dem alle Rams-Fans die Daumen drücken sollten. Die Frage stellt sich: Was hat der Quarterback in seiner 17. NFL-Spielzeit noch im Tank? Der Ausfall Staffords würde die ambitionierten Pläne in L. A. gefährden. Mit Jimmy Garoppolo steht zwar ein erfahrener Backup bereit, doch an die Klasse des Starters kommt er bei Weitem nicht heran.
In der Defense ist die D-Line mit den Namen Turner, Ford, Fiske, Verse und Young vielversprechend. Eine große Menge an Potenzial, die gegnerischen Quarterbacks vor Probleme zu stellen, weil dort Erfahrung und junges, hungriges Talent vereint wird.
Glänzt die neue Seahawks-Offense? Oder splittert der Lack?
Werfen wir einen Blick auf die Seahawks: Der Quarterback der vergangenen Jahre? Weg! Der jahrelange Nummer-1-Receiver? Weg! Der Offensive Coordinator der Vorsaison? Weg! Die Offensive in Seattle hat sich ohne Geno Smith, DK Metcalf (jetzt bei den Steelers) und den gescheiterten OC Ryan Grubb (nach nur einer Saison entlassen) neu formiert. Der Abgang von Veteran und Publikumsliebling Tyler Lockett (jetzt bei den Titans) hinterlässt in der Kabine ein weiteres Loch, zumindest mal menschlich. Die drei neuen Hoffnungsträger an der Westküste: Sam Darnold auf der Quarterback-Position, Cooper Kupp als Eckpfeiler des Passspiels und Klint Kubiak als OC, der das Feuer der gesamten Offensive wieder entfachen soll. Und da wären wir wieder beim Stichpunkt Restzweifel: Sam Darnold (28) hat in Minnesota die stärkste Saison seiner Karriere hinter sich, warf für 4300 Yards und 35 Touchdowns. Jetzt muss er in Seattle die Frage beantworten, ob die Vikings-Offense von seinem Können, oder aber er vom unfassbar starken Receiver-Room mit Jefferson, Addison, Nailor und Hockenson profitiert hat. Denn seine Bilanz als Starter vor der Saison 2024 liest sich mau: 21-35.
Neu beweisen muss sich dabei eben auch Kupp. Ein klangvoller Name, Super-Bowl-Champion und "Triple Crown"-Inhaber der Saison 2021 (meiste Receptions, Receiving Yards und Receiving Touchdowns in einer NFL-Saison), der in den vergangenen drei Spielzeiten aber mit Verletzungen zu kämpfen hatte und seine Formkurve eher gen Süden ging. Diese zwei Namen stehen exemplarisch für eine Seahawks-Offensive, die, wenn ein Rädchen in das andere greift, funktionieren kann, aber auch schnell zur Problemzone werden kann. Denn bis auf Rookie-Guard Grey Zabel hat die O-Line abermals kaum Verstärkung in der Offseason erhalten und könnte für Pass-Rush-Monster schnell ein gefundenes Fressen werden.
Weitaus positiver darf man in Seattle bei der gesamten Defense gestimmt sein. Mike MacDonald kann auf eine ganze Reihe an Playmakern und jungen Talenten in allen Units zurückgreifen. Bekommen die Seahawks die Schwankungen der Vorsaison in den Griff, sollte es hier nochmals einen Schritt nach vorne gehen.
Cardinals: Die Zeit des Abwartens ist vorbei
4-13, 4-13 und 8-9: Nach drei Jahren ohne Playoffs, die dafür im Zeichen des Rebuilds standen, sind die Cardinals bereit, wieder nach Höherem zu streben. Das gelang den Birds mitunter schon in der letzten Saison, als Kyler Murray und Co. nach Week 10 die NFC West angeführt hatten (6-4), ehe ihnen hinten raus die Puste ausging.
Das Roster Building in dieser Offseason macht deutlich: Der nächste Schritt soll folgen. Die Offense rund um Murray, James Conner und Tight End Trey McBride (neuer Vertrag über vier Jahre und 76 Millionen US-Dollar) wurde zusammengehalten, die Erwartungen an das zweite Jahr von Marvin Harrison Jr. nach seiner Rookie-Saison mit knapp 900 Yards und acht Touchdowns sind riesig. Die Defense wurde darüber hinaus ordentlich hochgelevelt. Galt die D-Line letztes Jahr noch als große Schwachstelle mit einer Pass-Rush-Win-Rate von nur 33,3 Prozent (ligaweit Platz 28), sollen die Neuverpflichtungen Josh Sweat (Super-Bowl-Champion mit Philadelphia), Dalvin Tomlinson und Heimkehrer Calais Campbell (begann seine Karriere von 2008-2016 in Arizona) deutlich mehr Druck auf die gegnerischen QBs ausüben. Mit Rookie Walter Nolen wurde im Draft ein weiteres Puzzleteil hinzugefügt.
Die Cards können optimistisch auf die anstehende Saison blicken, müssen der Erwartungshaltung aber auch gerecht werden. Head Coach Jonathan Gannon muss in seinem dritten Jahr Resultate liefern. Ebenso Quarterback Murray, der in der zweiten Saisonhälfte 2024/25 mit einer Bilanz von zehn Touchdowns und acht Interceptions nicht mehr der Erfolgsfaktor war, um sein Team in die Playoffs zu hieven.
Die Hoffnung auf Saleh als Wiederholungstäter
Die San Francisco 49ers sind 2024 als amtierender Super-Bowl-Teilnehmer auf den letzten Platz der NFC West abgerutscht und blicken auf eine durchweg verkorkste Spielzeit zurück. Angefangen bei der Verletzung Christian McCaffreys, fortgesetzt beim Saison-Aus von Top-Receiver Brandon Aiyuk bis hin zu einer über weite Strecken schwachen Defense. 25,6 zugelassene Punkte pro Spiel (Platz 29 ligaweit) sind nicht der Anspruch des Franchises aus Kalifornien. Und genau da wurde der Hebel in der Offseason angesetzt: Nick Sorensen musste seine Rolle als Defensive Coordinator abgeben. Dafür wurde ein alter Bekannter zurück an Bord geholt: Robert Saleh, der diese Rolle bereits von 2017 bis 2020 innehatte und in dieser Zeitspanne die Defense regelmäßig zu Top-5-Werten coachte. Bei den 49ers hofft man, dass sich Saleh als Wiederholungstäter entpuppt, doch das Unterfangen wird nicht leicht. Denn die personelle Besetzung auf dem Feld wurde ordentlich durchgeschüttelt.
Safety Talanoa Hufanga und Linebacker Dre Greenlaw spielen jetzt bei den Broncos, Defensive Tackle Maliek Collins läuft für die Browns auf, DT Javon Hargrave für die Vikings, Cornerback Charvarius Ward trägt zukünftig das Jersey der Colts, um nur einige Abgänge zu nennen. Dafür hat sich San Fran im Draft neu aufgestellt. Die ersten fünf Picks wurden allesamt in die defensive Seite des Balles investiert. Allen voran in Erstrunden-Pick Mykel Williams (Edge) setzen die Niners große Erwartungen. Jetzt liegt es an Saleh, die frisch formierte Defense zurück zu alter Stärke und das Team gemeinsam mit Head Coach Kyle Shanahan wieder an die Spitze der NFC West zu führen.