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Philadelphia Eagles: Wie geht es weiter für den amtierenden Champion?

kicker

Wie häufig hat man bereits gehört, dass es nicht die Siege und Erfolge sind, aus welchen sich die größten Lehren ziehen lassen, sondern die Niederlagen und Misserfolge? Es mag wie eine abgedroschene Phrase klingen, doch im Fall der Philadelphia Eagles sieht man, wie zutreffend dieses Statement in Wahrheit ist. Als erstes Team nach über 20 Jahren war es den Eagles gelungen, die Krone der NFC East zu verteidigen, und mit elf Siegen, dem Selbstverständnis eines amtierenden Champions, sowie einem Heimspiel in der ersten Playoff-Runde war die Erwartungshaltung an die diesjährige Postseason groß.

Relativiert, um nicht zu sagen "ignoriert", wurden Baustellen - im Roster, dem Coaching, den vorherrschenden Umständen. Es wirkte, als sei man überzeugt gewesen, dass es auf der größten Bühne schon irgendwie funktionieren würde. Immerhin hatte es das über weite Teile der Regular Season auch getan. Allerdings sollten die Eagles am eigenen Leib erfahren, dass jede Schwäche, jede Baustelle spätestens in den Playoffs gnadenlos bestraft wird.

Patullo muss gehen - Problem gelöst?

Zugegeben, die Sport-Medienlandschaft macht es sich jetzt natürlich einfach. Wenn sich ein Dan Orlovsky, Ex-NFL-Spieler und mittlerweile Experte bei ESPN, also hinstellt und behauptet, das Ausscheiden der Eagles sei "total absehbar" gewesen, fällt das am Tag nach besagtem Ausscheiden nicht schwer. Rückblickend will eben jeder gewusst haben, dass dieses Philadelphia-Team keine reelle Chance auf die Super-Bowl-Verteidigung hatte. Allerdings gab es sie tatsächlich, die Indikatoren, dass die Saison 2025 weniger glatt verlaufen wird. Angefangen mit dem Verlust von Offensive Coordinator Kellen Moore, und dessen Nachbesetzung, den 44-Jährigen Kevin Patullo.

Das Playcalling der Eagles wirkte daraufhin über weite Strecken der Saison ideenlos, vorhersehbar und schlecht auf Gegneranpassungen vorbereitet. Zu häufig setzte man auf lange Dropbacks, zu selten auf Rhythmus, Motion und kreative Laufkonzepte. Patullo wurde nun - nach dem Spiel gegen San Francisco - von seinen Pflichten als Offensivleiter enthoben. Seine Freistellung hatte sich abgezeichnet. Ja, der einstige Assistenztrainer ohne vorherige NFL-Playcalling-Erfahrung wurde damit zum Bauernopfer - allerdings nicht ohne eigenes Zutun. Denn während die Eagles im Titeljahr eine der dominantesten Rushing-Offenses der Liga stellten, fehlte 2025 die Durchschlagskraft. Verletzungen in der Offensive Line spielten eine Rolle, entscheidender war jedoch der strategische Bruch. Ein Schuh, den sich Patullo zweifelsohne anziehen muss. Auch, weil er damit unbeabsichtigt seinen Quarterback Jalen Hurts mehr in die Kritik geraten ließ.

Jalen Hurts wird zum Leidtragenden

Was Kellen Moore im Championship-Jahr geschafft hatte, war, eine klare Struktur zu etablieren. In dieser wurde das Laufspiel konsequent eingebunden und Hurts in Situationen gebracht, in denen er nicht permanent Spiele alleine gewinnen musste. Der 27-Jährige ist ein solider bis guter Spielmacher, wurde nicht umsonst zum wertvollsten Spieler des letzten Super Bowls gekürt. Er ist jedoch kein Spieler, der strukturelle Probleme kaschiert. Seine größten Stärken entfaltet er dann, wenn das Laufspiel funktioniert, Play-Action glaubwürdig ist und Defenses gezwungen werden, Räume zu öffnen. Genau diese Voraussetzungen fehlten zunehmend.

Neben den bereits angesprochenen Verletzungen in der Offensive Line, hatte auch Runningback Saquon Barkley keine historische Saison wie noch vor einem Jahr. In Summe wurde Hurts dadurch in Pass-Situationen gebracht, die einerseits für gegnerische Verteidigungen dankbar und ausrechenbar waren, er andererseits aber nicht das Tool- und Skillset besitzt, seine Offense trotzdem zu schultern.

Ist es Zeit für Grundsatzfragen in Philadelphia?

Der Abstand zwischen Anspruch und Realität war selten so deutlich sichtbar wie an diesem Januartag gegen die San Francisco 49ers. Nicht zu vergessen, man verlor zwar gegen ein von Trainer-Guru Kyle Shanahan geführtes Team, aber eben auch gegen eines, das mit enormen Verletzungssorgen angereist war: Kein Nick Bosa, kein Fred Warner, im Laufe des Spiels auch kein George Kittle. Baustellen in Philadelphia, die bereits während der Saison temporär aufgedeckt wurden, ließen sich entweder im Laufe einer NFL-Saison nicht angehen, oder wurden ignoriert. Beide Gründe dürfen in den kommenden Monaten nicht zählen. So war die Entlassung Patullos nur der erste Schritt und mit einer kompetenten Besetzung der vakanten Position ist es keinesfalls getan.

Ist man überzeugt davon, dass ein Spielsystem, das auf den Lauf - allen voran Saquon Barkley - aufbaut, auch künftig noch tragfähig ist, dann muss man konsequenterweise an mehrere Voraussetzungen glauben: an eine Offensive Line, die dauerhaft auf Topniveau agiert; an einen Quarterback, der in genau diesem Rahmen effizient funktioniert; und an ein Passspiel, das trotz klarer Schwerpunktsetzung auf das Laufspiel seine Stars bei Laune hält. Genau hier jedoch beginnen die unbequemen Fragen. Die Line zeigte im Saisonverlauf zunehmend Abnutzungserscheinungen, das Scheme verlor an Variabilität, und Jalen Hurts offenbarte einmal mehr, dass er als Passer vor allem dann überzeugt, wenn das Laufspiel den Takt vorgibt. Gleichzeitig steigt der Anspruch der Receiver - allen voran A.J. Brown -, deren Einfluss auf Spiele und Kaderpolitik längst über bloße Statistiken hinausgeht.

Die Eagles müssen sich daher ehrlich fragen, ob es reicht, an einem grundsätzlich bekannten Konstrukt festzuhalten, oder ob der Moment gekommen ist, dieses Team tiefergehend neu zu denken. Selbst wenn das bedeutet, auch bei verdienten Schlüsselspielern der vergangenen Jahre unangenehme, aber notwendige Fragen zu stellen.

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