NFL Power Ranking zum Saisonstart
32. New Orleans Saints
Schon seit Jahren sind die Saints ein Team, dessen Roster-Strategie von mir auch teils harsche Kritik geerntet hat. Und New Orleans hat mich in einigen Saisons insbesondere doch nochmals mit Top-10-Defenses positiv überrascht. Jetzt aber scheint man bei den Saints an einem Punkt angekommen zu sein, an dem der Umbruch unweigerlich kommen wird. Ob gewollt oder nicht.
Die Defense hatte schon letztes Jahr ihren Drop-Off. Platz 19 in Expected Points Added pro Play, Platz 19 in Success Rate. Von 2021 bis 2023 waren die Saints auf Platz 2 in Expected Points Added pro Play und Platz 1 in Success Rate.
Spieler wie Marshon Lattimore und Tyrann Mathieu sind hier weg, Cam Jordan ist in die Jahre gekommen. Demario Davis spielt noch immer auf einem guten Level, ist mittlerweile aber auch 36 Jahre alt. Der Aderlass über die Jahre in Kombination mit mehreren Draft-Fehlgriffen machen sich in der Defense inzwischen deutlich bemerkbar.
In der Offense kann man zumindest in einigen Teilen eine gewisse Perspektive erkennen. Das gilt insbesondere für die Offensive Line, die, wenn sich Kelvin Banks und Taliese Fuaga etablieren, ein gutes, junges Tackle Duo hätte. Mit Olave und Shaheed ist die Explosivität da, Kamara ist nach wie vor der Taktgeber dieser Offense.
Hier sind Bausteine, mit denen man arbeiten kann. Doch lässt die Quarterback-Situation das überhaupt zu? Und wie viel "mehr" holt der neue Head Coach Kellen Moore aus einer Offense heraus? Ist Tyler Shough doch noch die perspektivische Antwort, nachdem er sich vorerst nicht gegen Spencer Rattler durchsetzen konnte?
Oder picken die Saints im kommenden Draft so hoch, dass diese Position anders angegangen wird?
31. Cleveland Browns
Es gibt Saisons, da ist vorher klar: Hier geht nicht viel. Saisons, die sich im Mai schon halb vorbei anfühlen und Teams, deren Fans spätestens im Oktober Mock Drafts spannender finden als die tatsächlichen Spiele.
So etwas ist natürlich nie erstrebenswert. Ein koordiniert durchgeführter Rebuild zum richtigen Zeitpunkt kann jedoch manchmal die genau richtige Entscheidung sein, und für ein Browns-Team, das vor einem massiven Kader-Umbruch steht und im Zuge dessen auch den katastrophalen Deshaun-Watson-Vertrag aus den Büchern bekommen wird, liegt das auf der Hand.
Doch selbst dabei gibt es einzelne Lichtblicke. Zum Beispiel die Frage danach, ob Shedeur Sanders oder Dillon Gabriel sich vielleicht als Glückstreffer erweisen. Vermutlich werden wir beide im Laufe der Saison sehen, denn Joe Flacco als Week-1-Starter dürfte nicht mehr als der Platzhalter für einige Wochen sein, bevor die Browns nach Alternativen suchen.
Vielleicht kann Cedric Tillman der Offense etwas geben. Vielleicht ist Dylan Sampson ein Volltreffer. Mason Graham, Carson Schwesinger und Jamari Thrash werden relevante Snaps spielen. Es ist ein Team am Anfang eines weiteren Rebuilds, sodass man in erster Linie die jungen Spieler in den Fokus rücken sollte. Denn selbst die noch vor zwei Jahren so dominante Defense fühlt sich trotz Myles Garrett und Denzel Ward nur noch wie ein Schatten dieser Unit an.
30. New York Jets
Die Parameter für diese Jets-Saison zu definieren ist nicht schwierig. Es ist Jahr 1 eines neuen Regimes, in dem man sich für eine gezielte Übergangslösung auf der Quarterback-Position entschieden hat. In erster Linie geht es darum, bestimmte Grundlagen zu legen, um dann einen Sprung in Jahr 2 realistisch anpeilen zu können.
Und dafür stehen verschiedene Mannschaftsteile im Fokus. Die Offensive Line etwa, die mit Olu Fashanu und Armand Membou ein sehr junges, sehr talentiertes Tackle-Duo hat. Kann die Defense im ersten Jahr unter Aaron Glenn gleich dessen sehr spezifische Handschrift vorweisen? Mit Brandon Stephens und Andre Cisco haben die Jets in Secondary-Starter investiert, die Glenns Man Coverage umsetzen sollen.
Fixpunkte haben die Jets auch zum Start dieses neuen Kapitels. Sauce Gardner, Quinnen Williams, Garrett Wilson, Will McDonald, Quincy Williams, Jermaine Johnson, wenn er von seiner Verletzung zurückkommt. Kann Tanner Engstrand der Offense eine Identität geben? Wie sieht das mit Justin Fields aus? Und kann das als Sprungbrett für 2026 dienen? All das ist wichtiger als reine Siege in der kommenden Saison.
29. Tennessee Titans
Ich bin gespannt, was wir von Cam Ward in seiner ersten Saison bekommen. Und zumindest ist ein Plan in Tennessee erkennbar: Die Titans haben in dieser Offseason sehr gezielt investiert, um ihrem neuen Rookie-Quarterback möglichst gute Umstände zu kreieren.
Doch die Titans waren letztes Jahr das schlechteste Team in der NFL, und das lag nicht nur an einer schlimmen Quarterback-Situation. Ward wird seine Highlights und seine Lowlights haben, und mit Calvin Ridley, Tyler Lockett, Chig Okonkwo, mehreren Rookie-Receivern und einem guten Backfield hat er zumindest eine solide Playmaker-Gruppe. Und wenn die Line von Bottom-5 Richtung Platz 20 klettert, wird ihm das ebenfalls helfen.
Die Erwartungen muss man dennoch richtig einstufen. Selbst wenn Ward eine solide Rookie-Saison spielt, wird die Offense vermutlich keine Bäume ausreißen. Hier geht es mehr darum, Kompetenz zu zeigen. Zu zeigen, dass man auf 2025 später aufbauen kann. Die Defense hat mit Jeffery Simmons einen Top-Level-Star. T’Vondre Sweat hat sich daneben bewährt, aber Secondary und Edge-Rush bringen noch größere Fragezeichen mit.
28. New York Giants
Es ist ein offenes Geheimnis, dass bei den Giants sehr viel Druck herrscht. Ergebnisse müssen her, trotz einer fragwürdigen Quarterback-Situation, einer Offense mit insgesamt vielen Ungewissheiten und einem Team, das aus einer Drei-Siege-Saison kommt und den schwierigsten Schedule aller Teams vor der Brust hat.
Was könnte das bewerkstelligen? Dieses Argument beginnt mit der Defensive Line. Dexter Lawrence, Top-Pick Abdul Carter, Brian Burns, Kayvon Thibodeaux - das kann eine der besten Lines in der NFL sein, die jeder Offense Probleme bereitet. Und auch die Secondary wurde mit Paulson Adebo und Jevon Holland verstärkt, sodass die Defense insgesamt echtes Top-10-Potenzial hat.
Es sind die offensiven Fragezeichen, die all das torpedieren können. Bleibt Andrew Thomas fit? Wie entwickelt sich die Interior Offensive Line? Gibt es gute Playmaker hinter Malik Nabers? Und natürlich: Wie lange funktioniert Russell Wilson? Wann wird Jaxson Dart rein geworfen, und kann Dart dann positiv überraschen?
27. Indianapolis Colts
Es ist ein richtungsweisendes Jahr für viele entscheidenden Personen in Indianapolis. Head Coach Shane Steichen und GM Chris Ballard müssen genug Ergebnisse liefern, um 2026 noch im Amt zu sein. Was das genau bedeutet, ist offen für Interpretation. Der neue Defensive Coordinator Lou Anarumo muss zeigen, dass er nach zwei schlechten Jahren in Cincinnati wieder eine gute Defense aufs Feld bringen kann.
Für Anthony Richardson sollte es um die Zukunft als Starter in der NFL gehen - diese Zukunft wurde noch sehr viel ungewisser, als sich die Colts für Daniel Jones entschieden. Und das ist in gewisser Weise auch schon die inhaltliche Charakterisierung dieses Teams: Die Colts haben einen soliden Floor. Offensive und Defensive Line sind jeweils gut, die Playmaker sind gut mit der Chance auf mehr, je nachdem, was Rookie-Tight-End Tyler Warren zeigt. Und die Secondary wurde in der Free Agency deutlich verbessert.
Die Kritik an den Colts über eigentlich die gesamte Ballard-Ära war, dass er stets Teams mit einem stabilen Floor aufgebaut, es aber nie geschafft hat, den nächsten Schritt in dieser Entwicklung zu gehen. Richardson sollte dieser Schritt sein, dass jetzt Jones startet, ist in gewisser Weise ein Sinnbild dieser ganzen Thematik.
Die Colts werden nicht komplett einbrechen. Dafür ist das Gerüst eben zu solide. Aber solange Jones nicht deutlich positiv überrascht, würde mich mehr als unteres Mittelfeld für dieses Team wundern.
26. Carolina Panthers
Sehr viele positive Vibes um ein Panthers-Team, das 2024 mit vier Siegen in der zweiten Saisonhälfte, sowie engen Niederlagen gegen die Chiefs und die Eagles beendete. Die Offense stand dabei, angetrieben durch die positive Entwicklung von Bryce Young, im Fokus; die Defense beendete die Saison jeweils abgeschlagen auf dem letzten Platz in puncto EPA pro Play und Success Rate.
Vermutlich kommt daher auch ein Teil meiner Skepsis bei den Panthers. Bobby Brown, Tre'Von Moehrig und die Rückkehr von Derrick Brown sollten den Floor anheben, und wenn sie von den Rookies Nic Scourton und Princely Umanmielen einen Impact bekommen, ist noch mehr möglich. Überzeugt bin ich davon nur bedingt - ich vermute, dass das immer noch eine Bottom-5-Defense sein wird.
Wird die Offense dann an die positive Phase anknüpfen können? Kann das eine Offense sein, die wöchentlich Richtung 30 Punkte geht? Rookie-Receiver Tetairoa McMillan wird helfen, auch die Rollen innerhalb der Offense besser zu verteilen und das Run Game sollte weiter gut sein. Young ist die spannendste Personalie: Er zeigte letztes Jahr, dass er seine Playmaker-Qualitäten auch in der NFL anbringen kann. Jetzt muss er zeigen, dass er auch Down für Down konstant als Ballverteiler sein kann.
25. Jacksonville Jaguars
Die Jaguars sind dieses Jahr für mich mit das interessanteste Team, das ich nicht in die Playoffs tippe. "Interessant", weil der Impact von Liam Coen auf die Offense und auf Quarterback Trevor Lawrence hochspannend sein wird. Weil Travis Hunter die interessanteste neue Personalie in der NFL ist. Weil er und Brian Thomas eines der dynamischsten jungen Receiver-Duos in der NFL bilden könnten.
Es sind letztlich zu viele Ungewissheiten, um gleich im ersten Jahr der Liam-Coen-Ära voll auf den Jaguars-Zug aufzuspringen. Jacksonville hat zwar in Person von Robert Hainsey und Patrick Mekari in die Offensive Line investiert - aber reicht das? Macht Lawrence den Sprung, den man jetzt von ihm erwarten sollte?
Und in der Defense: Die Front, in die so viel Kapital geflossen ist, war letztes Jahr eine der schwächeren ligaweit. Das muss sich ändern. Auch weil die Secondary auf mindestens zwei, wenn nicht drei Starter-Spots ernsthafte Fragezeichen hat.
Eine positive Saison in Jacksonville könnte bedeuten: Die Offense macht einen merklichen, nachhaltigen Sprung und legt die Basis dafür, dass die Jaguars 2026 voll angreifen können.
24. Miami Dolphins
Eine Sache darf man bei den Dolphins nicht vergessen: Solange Tua Tagovailoa fit ist, ist das nach wie vor eine produktive Offense. Unter allen Quarterbacks mit mindestens 320 Snaps belegte Tua letztes Jahr Platz 3 in Success Rate und Platz 7 in Expected Points Added pro Play. Über die letzten drei Jahre hat Miami rein statistisch eine Top-5-Offense, wenn der Quarterback auf dem Platz steht.
Die Offense bewegt mit Tua den Ball. Aber selbst dann fällt auf, wie eindimensional sie ist. Das Passing Game muss sehr schnell funktionieren, das Run Game ist nur nach außen erfolgreich, negative Down-and-Distance-Situationen ohne Screen Game und Play Action stellen erhebliche Hürden dar. Und all der fantastische Speed verliert seine Schlagkraft. Hier bleibt auch abzuwarten, ob beim mittlerweile 31-jährigen Tyreek Hill ein merklicher Dropoff kommt.
Und all das berücksichtigt noch gar nicht den Big-Picture-Blick auf den Kader. Miami ist in einer Art Rebuild-Win-Now-Kombination. Aber ist die Offensive Line wirklich verbessert? Ist sie vielleicht sogar schlechter als im Vorjahr? Setzt sich der Tyreek-Hill-Dropoff fort? Bleibt die Front - die Top-10-Potenzial hat! - jetzt fit? Und wie kompensieren die Dolphins die mutmaßlich schlechteste Cornerback-Gruppe in der NFL?
23. Atlanta Falcons
Die Falcons haben dieses Jahr in der Prognose eine große Bandbreite. Wenn Michael Penix einschlägt, könnte die Offense, die letztes Jahr schon nah dran an einer Top-10-Unit war, einen Sprung in die erweitere Liga-Spitze hinlegen. Wenn die Rookie-Pass-Rusher James Pearce und Jalon Walker einschlagen, kann die Defense vom Liga-Keller ins Mittelfeld klettern. Dann könnten sie schon in vier Wochen hier an dieser Stelle merklich klettern.
Doch was, wenn Penix Zeit braucht und die Receiving-Optionen hinter Drake London schlechter sind als letztes Jahr? Was, wenn die Front zwar jetzt mehr Pass-Rush-Explosivität hat, gegen den Run aber noch anfälliger ist? Was, wenn die schon jetzt verletzungsgebeutelte Offensive Line nicht das Run-Blocking-Level aus dem Vorjahr erreicht? Dann läuft Atlanta Gefahr, Spiele selten zu kontrollieren und stattdessen häufig mit der Offense im Aufhol-Modus zu sein, was nicht das ist, wofür diese Run-First-Offense aufgebaut wurde.
Wie so häufig liegt die realistische Prognose vermutlich irgendwo in der Mitte. Die Offense sollte mit Penix flexibler sein als mit Kirk Cousins. Das Run Game sollte auch ohne Kaleb McGary und mit Ryan Neuzil als festem Starting-Center wieder eines der besseren in der NFL sein. Und die Defense hat vielleicht nicht unbedingt ihren Floor in dieser Offseason stabilisiert, zumindest aber hat sie mehr Upside bekommen. Sollten die Bucs schwächeln, kann das reichen, um sich die Division zu schnappen.
22. New England Patriots
Verglichen mit letztem Jahr sollte die Patriots-Offense einen Quantensprung hinlegen. Die Line mit Top-Pick Will Campbell und Neuzugang Morgan Moses dürfte deutlich solider sein, und im Waffenarsenal bleibt noch abzuwarten, welche Starter-Gruppe sich letztlich herauskristallisiert - doch allein die Qualität und das Talent, welches New England hier mit TreVeyon Henderson, Stefon Diggs, Kyle Williams und Mack Hollins dazu holt, stellt eine signifikante Verbesserung zum Vorjahr dar.
Das soll der Wegbereiter für einen Jahr-2-Sprung von Quarterback Drake Maye sein, der schon als Rookie in desolaten Umständen zumindest den Kopf über Wasser hielt. New England sollte jetzt deutlich mehr Explosivität in der Offense haben, genau wie mehr Spieler, die individuelle Matchups gewinnen - ob in der Route, oder an der Line.
Die Offense wird sich trotzdem noch ein wenig finden müssen, die Defense dagegen trägt schon jetzt sehr klar die Handschrift des neuen Head Coaches Mike Vrabel. Die Defensive Line mit Christian Barmore, Milton Williams, Keion White und Harold Landry hat unheimlich viel Physis - und innen jede Menge Pass-Rush-Upside. Der Faktor "Physis" überträgt sich nahtlos auf die Linebacker und auf die Secondary, in der Carlton Davis die neue Nummer 2 ist. Das könnte eine Top-10-Defense werden.
21. Las Vegas Raiders
Das "unterhaltsamste Team, das es nicht in die Playoffs schafft" ist sicher aus gutem Grund kein offizieller Award. Wenn es den aber gäbe, wären die Raiders mein klarer Pick für 2025.
Dieses Team ist höchstwahrscheinlich noch nicht auf dem Level, das es braucht, um wirklich oben mitzuspielen. Dafür ist die Defensive Line außerhalb von Maxx Crosby ein zu großes Fragezeichen, die Secondary könnte die schwächste in der NFL sein und das Run Game war letztes Jahr historisch schlecht.
Aber die Upgrades im Vergleich zur Vorsaison sind enorm. Pete Carroll, Chip Kelly, Geno Smith, Ashton Jeanty - ein Team, das letztes Jahr in Person von Brock Bowers einen wirklichen Lichtblick hatte, sollte jetzt sehr viel unterhaltsamer sein. Und nicht nur das, ich halte es für möglich, dass die Raiders eine Top-12-Offense haben.
Das ist aber wahrscheinlich auch der realistische Best Case für eine Unit, die sowohl in der Offensive Line, als auch auf Wide Receiver erst einmal ihre Qualität unter Beweis stellen muss.
Die Defense war letztes Jahr gemessen an ihren Möglichkeiten sogar eine positive Überraschung. Doch selbst wenn Pete Carroll das Maximum aus der Qualität in der Secondary rausholen kann, habe ich Zweifel daran, dass diese Unit das wiederholen kann.
Raiders-Fans werden vermutlich mehr Shootouts sehen - und vor allem mehr Siege. Und vielleicht ja sogar noch mehr als das.
20. Dallas Cowboys
Die Prognose, auf der ich mit den Cowboys immer wieder lande, hat folgende Überschrift: "Cincinnati Bengals 2024 Light".
Gemeint ist: Die Offense wird nicht ganz so stark sein, wie die der Bengals letztes Jahr. Und die Defense wird nicht ganz so schlecht sein, wie es in der vergangenen Saison in Cincinnati der Fall war - wenngleich hier mit dem desolaten Micah-Parsons-Trade deutlich mehr Spielraum nach unten entstanden ist. Aber die Muster werden ähnlich sein, und am Ende der Saison wird es ein sehr unausgeglichenes Team sein, das Shootouts gewinnen kann, aber das die meisten Spiele verlieren wird, in denen die Offense nicht die 30 Punkte knackt.
Und mit "Offense" ist hier ganz spezifisch die Passing Offense gemeint. Denn ich erwarte nicht, dass die Cowboys ein gutes Run Game haben werden. Die Line hat einige Fragezeichen, das Backfield könnte das schlechteste in der ganzen NFL sein.
Umso mehr erwarte ich von der Passing Offense. Dak Prescott, CeeDee Lamb, George Pickens - das ist der Stoff, aus dem Shootouts gestrickt sind. Dieses Trio sollte sehr produktiv sein, aber um damit mehr als acht, vielleicht neun Spiele zu gewinnen, bräuchte es deutlich mehr Support.
Kommt der vom neuen Head Coach Brian Schottenheimer? Von einer Secondary mit massiven Fragezeichen? Von einer Linebacker-Gruppe mit ähnlich großen Fragezeichen? Das sind viele mögliche Schwachstellen.
19. Seattle Seahawks
Ich kann offen zugeben, dass Teams wie die Seahawks in der Offseason schwieriger zu ranken sind, als fast alle anderen. Gemeint sind Teams, die mutmaßlich eine exzellente, potenziell eine Top-3-Defense haben - aber deren Offense nicht einmal einen Top-20-Floor mitbringt.
Bei den Seahawks ist komplett denkbar, dass sie eine Top-3-Defense und eine Bottom-8-Offense haben. Und während diese Formel Teams in vielen Spielen dennoch kompetitiv hält, ist es ein unheimlicher Drahtseilakt, damit erfolgreich durch die Saison zu gehen.
Offensiv fehlen schlicht die Fixpunkte. Sam Darnold hatte eine gute Saison, in sehr viel besseren Umständen in Minnesota. Kann er das wiederholen? Die Offensive Line hatte eine gute Preseason, aber schafft sie wirklich den Sprung ins Liga-Mittelfeld? Cooper Kupp ist mittlerweile 32 Jahre alt und der neue Offensive Coordinator Klint Kubiak startete zwar brandheiß mit den Saints letztes Jahr, ab Woche 3 stürzte die Offense - auch verletzungsbedingt - aber dramatisch ab. Jaxon Smith-Njigba ist eine Säule, das Run Game soll eine weitere sein. Aber reicht das?
Defensiv dagegen war der positive Trend schon während der vergangenen Saison sichtbar. Und mit DeMarcus Lawrence haben die Seahawks jetzt den Power-Edge dazugeholt, der den Speed von Boye Mafe und Uchenna Nwosu ergänzt. Ein möglicher Breakout von Byron Murphy würde die Front zusätzlich auf ein neues Level heben. In der Secondary ist einzig der dritte Corner-Spot noch ein Fragezeichen.
18. Los Angeles Chargers
Es fällt mir schwer, einen Case dafür zu machen, dass die Chargers im Vergleich zum letzten Jahr besser wurden.
Sicher, Mekhi Becton sollte in der Interior Offensive Line helfen. Die beiden Starter daneben könnten aber nach wie vor merkliche Schwachstellen sein, und mit dem Saisonaus von Rashawn Slater wurde die Line ohnehin erst einmal schlechter.
Ich war großer Pre-Draft-Fan von Tre Harris, aber kann er direkt der X-Receiver sein, den diese Offense braucht? Und inwieweit werden die Chargers jetzt mit Erstrunden-Pick Omarion Hampton und Neuzugang Najee Harris das Run Game doch wieder stärker in den Mittelpunkt rücken? Zumindest mehr Playmaker stehen in Los Angeles jetzt zur Verfügung.
Letztlich sollte die Offense mit Justin Herbert, Ladd McConkey, mehr Playmakern dahinter und zumindest einem sehr guten Tackle nach wie vor einen Floor haben. Das für sich gibt dem Team auch eine gewisse Basis. Doch bei der Defense bin ich mir da deutlich weniger sicher. Das ist eine Unit, die letztes Jahr deutlich über den Erwartungen gespielt hat - und die dann in der Offseason schlechter wurde.
Joey Bosa, Kristian Fulton und Poona Ford sind hier weg. Bosa ist nicht mehr der Spieler vergangener Tage, letztes Jahr lag er Team-intern immer noch auf Platz 3 in Quarterback-Pressures. Fulton war ein solider Starting-Outside-Cornerback in dieser Defense, und Poona Ford der nach Khalil Mack wichtigste Run-Defender. Vielleicht überraschen die Chargers hier nochmals. Aber auch ein potenziell deutlicher defensiver Dropoff sollte niemanden überraschen.
17. Pittsburgh Steelers
Es gibt ein Szenario, in dem die Steelers diesen einen Run doch noch schaffen. In dem sie nicht für ihre konserative, vorsichtige Quarterback-Strategie der letzten Jahre bestraft werden, weil Aaron Rodgers doch noch ein Top-Jahr im Tank hat. Ein Szenario, in dem die junge Offensive Line zusammenwächst und ihren Best Case abruft. Und in dem die Veterans in der Defense - Heyward, Watt, Slay, Ramsey - nicht nur fit bleiben, sondern ebenfalls nochmals eine Vintage-Saison auf den Platz zaubern.
All das will ich keineswegs ausschließen. Aber es müsste eben schon sehr viel sehr ideal funktionieren, damit sich Pittsburgh nicht wieder als eine graue Maus im oberen Liga-Mittelfeld wiederfindet. Und diese Prognose ist deutlich wahrscheinlicher.
So viel von dieser Idee steht und fällt schon mit Rodgers. Und während der 41-Jährige vermutlich ein Upgrade gegenüber Russell Wilson darstellt, geht es hier nicht nur um die Frage danach, wie groß das Upgrade überhaupt ist. Sondern auch darum, wie dieses Upgrade zustande kommt. Denn während Rodgers nach wie vor mehr Down-für-Down-Konstanz mitbringt, ist er an diesem Punkt seiner Karriere signifikant weniger aggressiv und will den Ball sehr schnell loswerden, verglichen mit dem, was Wilson der Offense letztes Jahr gegeben hat. Ich bin noch nicht davon überzeugt, dass das in Summe wirklich eine Verbesserung darstellt.
Die Line kann gut werden. Vielleicht hilft es Broderick Jones, wieder zurück auf die linke Seite zu gehen. Vielleicht ist Troy Fautanu ein Volltreffer, nachdem er seine Rookie-Saison fast komplett verletzt verpasst hat. Aber wir sprechen hier auch über ein Team, das über das Run Game kommen will, und das letztes Jahr nach Rushing Success Rate Platz 28 belegte. Hier wäre ein enormer Sprung notwendig.
Sind die Playmaker hinter Top-Adresse DK Metcalf gut genug, damit eine Aaron-Rodgers-Offense funktioniert? Was passiert, falls bei Slay der drastische Dropoff kommt?
Das Best-Case-Szenario für die Steelers wäre hochspannend. Liga-Mittelfeld ist einmal mehr deutlich wahrscheinlicher.
16. Chicago Bears
Nachdem die Bears schon in der vergangenen Offseason jedermanns Lieblings-Hype-Team waren, kann man förmlich spüren, wie der Konsens dieses Jahr etwas vorsichtiger ist. Wenngleich ein gewisser Optimismus durch die Verpflichtung von Ben Johnson spürbar und auch gerechtfertigt ist, doch der allgemeine Vibe rund um die Bears scheint eher zu sein: Zeigt es erst einmal.
Und das ist komplett fair. Ich bin der Meinung, dass Caleb Williams zumindest phasenweise letztes Jahr besser war, als er mitunter bewertet wurde. Trotzdem war es, gemessen an dem enormen Hype, eine enttäuschende Rookie-Saison. Die Offensive Line wurde deutlich verbessert, aber mitunter eben auch mit älteren oder verletzungsanfälligen Spielern, die woanders bereitwillig abgegeben wurden. Und Left Tackle ist noch immer ein Fragezeichen.
Johnson wird der Offense einen ganz anderen Floor geben, davon bin ich überzeugt. Und es gibt zwei Teambereiche, bei denen ich ebenfalls sehr zuversichtlich bin: Die Playmaker, hier ist Chicago exzellent aufgestellt - und die Secondary. Tyrique Stevenson ist hier das größte Fragezeichen, davon abgesehen haben die Bears eine der besseren Secondaries in der NFL.
Die Front hat dieses Level nicht, aber Dennis Allen als Defensive Coordinator ist eine gute Wahl. Er sollte aus den physischen Spielern, die Chicago hier hat, viel herausholen können. Es würde mich nicht wundern, wenn die Bears sich still und heimlich Richtung Top-12-Defense entwickeln würden.
15. Minnesota Vikings
In den allermeisten Fällen hätte ich ein Team, dessen Quarterback noch keinen NFL-Snap gespielt hat, eher nicht in der Top 15 mit dabei. Aber es unterstreicht, wie stark das Team ist, das die Vikings um Vorjahres-Rookie J.J. McCarthy aufgebaut haben - und es ist eine Aussage darüber, wie hoch das Vertrauen in den Coaching Staff in Minnesota auf beiden Seiten des Balls ist, um das Maximum aus der Qualität herauszuholen.
Die Vikings haben ihre beiden größten Schwachstellen der vergangenen Saison deutlich verbessert. Die Interior Offensive Line könnte mit den Ex-Colts Will Fries und Ryan Kelly sowie Erstrunden-Pick Donovan Jackson von einer Schwäche zu einer Stärke werden. Und die Interior Defensive Line ist mit Jonathan Allen und Javon Hargrave erheblich besser besetzt.
Das werden die Vikings aber auch brauchen, um eine Secondary voller Fragezeichen insbesondere auf Cornerback zu unterstützen. Auf Safety ist Cam Bynum weg, Harrison Smith ist mittlerweile 36 Jahre alt.
Offensiv kommt man immer wieder auf McCarthy zurück. Jordan Addison wird die ersten drei Saisonspiele gesperrt verpassen, dafür ist Adam Thielen zurück. Solange McCarthy kein Desaster ist, sollte diese Offense so gut sein, dass Minnesota zumindest wieder um ein Playoff-Ticket spielt. Und das Potenzial für mehr ist definitiv vorhanden.
14. San Francisco 49ers
Immer, wenn ich über die letzten Wochen bei San Franciscos Saison-Prediction etwas vorsichtig wurde, kam ich auf einen Punkt zurück: Selbst in der vergangenen Saison, in der so vieles schief lief und so viele Spieler verletzt fehlten, hatten die 49ers die Nummer-11-Offense nach Expected Points Added pro Play. Vor den Vikings, vor den Rams, vor den Broncos - drei Teams, die an verschiedenen Punkten der vergangenen Saison auch zurecht für ihre Offenses gefeiert wurden.
Das unterstreicht den unfassbar hohen Floor, den Kyle Shanahan dieser Offense nach wie vor gibt - und es unterstreicht auch die Qualität, die in diesem Team ist. Selbst ohne Deebo Samuel und ohne Brandon Aiyuk, der mindestens die ersten Wochen auch dieser Saison verpassen wird, tummeln sich mit Christian McCaffrey, George Kittle, Kyle Juszczyk und Trent Williams Top-Tier-Spieler auf ihren jeweiligen Positionen.
Purdy hat sich als guter Quarterback erwiesen, der in Shanahans Offense funktioniert und darüber hinaus eine gewisse Aggressivität an den Tag legt und ein Spieler wie Ricky Pearsall scheint bereit für den nächsten Schritt. Doch natürlich gibt es legitime Fragezeichen: Bleibt CMC, der so essenziell für diese Offense ist, fit? Ist die Line trotz Schwachstellen auf Guard und Center gut genug? Wann kommt Aiyuk zurück? Was bekommt San Francisco dieses Jahr von Jauan Jennings?
Doch es gibt ein nicht unrealistisches Szenario, in dem San Francisco wieder eine Top-6-Offense hat - genau wie es ein denkbares Szenario gibt, in dem die Defense wieder ins Liga-Mittelfeld klettert. Hier erlebte San Francisco einen deutlichen Drop-Off und versucht jetzt, mit einer sehr jungen Front und mit Rückkehrer Robert Saleh an der Seitenlinie den Umbruch einzuleiten. Das ergibt strategisch viel Sinn, mit so vielen jungen Spielern in wichtigen Rollen ist es aber gut möglich, dass diese Gruppe ein Jahr braucht.
13. Arizona Cardinals
Vielleicht keine Positionsgruppe in der NFL hat, zumindest auf dem Papier, einen so massiven Sprung hingelegt wie die Defensive Line der Cardinals. Zaven Collins war der beste Starter dieser Gruppe letztes Jahr - Collins soll dieses Jahr vermehrt auf Inside Linebacker starten. Seine Dienste werden dort jetzt mehr benötigt als in der Line.
Mit Josh Sweat, Calais Campbell und Dalvin Tomlinson haben die Cardinals investiert, um den Floor dieser Gruppe signifikant anzuheben. Dazu kommen der diesjährige Erstrunden-Pick Walter Nolen - der den Saisonstart allerdings verletzt verpasst -, sowie Vorjahres-Erstrunden-Pick Darius Robinson, dessen Rookie-Saison verletzungsbedingt kaum stattfand. Auf Edge kehrt BJ Ojulari im Laufe der Saison von seiner Verletzung zurück, die ihn die gesamte Vorsaison gekostet hat, und Drittrunden-Rookie Jordan Burch erhielt im Camp bereits Reps mit den Startern.
Allein die drei Veterans - Sweat, Campbell und Tomlinson - hatten jeweils individuell mehr Pressures als jeder individuelle Verteidiger für Arizona letztes Jahr. Die Cardinals sollten hier von einer Bottom-5-Front einen deutlichen Sprung ins Liga-Mittelfeld machen, und falls Nolen und Robinson einschlagen, ist sogar mehr möglich. Die Secondary ist jung und hat Potenzial, sodass die Defense in Summe einen massiven Schritt nach vorne machen könnte.
Vielleicht ist das auch ein Stück weit notwendig, je nachdem, was die Offense zeigt. Die Cardinals hatten letztes Jahr eine Top-10-Offense, gehen aber hier gänzlich unverändert in die Saison. Dementsprechend müssen junge Spieler wie Marvin Harrison, Isaiah Adams und Trey Benson merkliche Fortschritte machen, damit die Offense nicht stagniert. Auch das Quarterback Run Game könnte einen größeren Unterschied machen. Größte Gesamt-Frage hier: Ist die Offensive Line im Dropback Passing Game gut genug?
12. Cincinnati Bengals
Viel hat sich nicht verändert bei den Bengals, deren Offseason sich maßgeblich darum drehte, den Status quo beizubehalten. Und das war offensiv durchaus erstrebenswert - defensiv aber bleibt die Devise viel Hoffnung.
Selbst offensiv hätten klarere Verbesserungen für die Interior Offensive Line den Bengals gut zu Gesicht gestanden. Gleichzeitig wissen wir, dass Joe Burrow, Ja’Marr Chase und Tee Higgins eine Top-10-Offense aufziehen können. Mike Gesicki und Chase Brown haben sich als gute Ergänzungen erwiesen, und von Amarius Mims kann noch ein Sprung kommen.
Die spannende Frage rund um die Bengals betrifft die Defense. Hier ändert sich mit Blick auf die Starter ebenfalls kaum etwas, umso essenzieller ist die Veränderung an der Seitenlinie. Al Golden übernimmt nach der Entlassung von Lou Anarumo als neuer Defensive Coordinator, Golden war bereits 2020 und 2021 als Linebackers-Coach in Cincinnati.
Kann er die Defense zumindest ins untere Mittelmaß hieven? Oder gibt das sportliche Talent der Unit das schlicht nicht her? Wie viel Zeit braucht Top-Pick Shemar Stewart? Und was ist, falls Trey Hendrickson nicht an seine fantastischen letzten beiden Jahre anknüpfen kann? Dann droht eine Wiederholung der vergangenen Saison.
11. Tampa Bay Buccaneers
Gelingt Todd Bowles der Offensive-Coordinator-Hattrick? Mit Dave Canales und Liam Coen gelangen dem Head Coach der Buccaneers zwei Volltreffer in Folge; zwei Verpflichtungen, die so gut waren, dass beide das Team prompt für offene Head-Coach-Posten verließen. Es ist eine der schwierigsten Aufgaben für einen defensiven Head Coach - denn was, wenn der intern beförderte Josh Grizzard sich jetzt als Fehlgriff erweist? Was, wenn die Offense im Vergleich zu ihrer Top-5-Production aus dem Vorjahr deutlich abfällt?
Diese Prediction ist umso schwieriger, da die genaue Timeline der Reha von Chris Godwin unklar ist, während Left Tackle Tristan Wirfs infolge einer Knieverletzung zumindest die ersten Wochen der Regular Season verpassen wird. Zwei klare Fixpunkte in Tampa Bays Offense.
Mit Spielern wie Mike Evans, Bucky Irving, potenziell Rookie Emeka Egbuka und Quarterback Baker Mayfield haben die Bucs aber immer noch viel individuelle Qualität. Die Line war letztes Jahr sehr gut und wird auch ohne Wirfs nicht komplett einbrechen. Aber ein Drop-Off muss in der Prognose einkalkuliert werden.
Kann die Defense das kompensieren? Vielleicht ist Haason Reddick kurzfristig das Element, das dem Pass-Rush gefehlt hat. Vielleicht hat Lavonte David noch ein gutes Jahr im Tank. Vielleicht können die Rookie-Cornerbacks Benjamin Morrison und Jacob Parrish frühzeitig einen Impact haben. Das ist keineswegs ausgeschlossen, als Team insgesamt prognostiziere ich bei Tampa Bay aber einen leichten Rückschritt im Vergleich zu 2024.
10. Washington Commanders
Ich wäre gerne noch höher bei den Commanders, weil ich von der Offense einiges halte. Und die Idee, die Line zu verbessern, um den Floor auf der Seite des Balls zu stabilisieren, halte ich für sehr sinnvoll. Aber mit dieser Defense fällt mir das unheimlich schwer. Woher soll der konstante Pass-Rush kommen, den Top-Teams brauchen? Was kann man von Marshon Lattimore noch erwarten? Muss man bei Bobby Wagner nicht mit einem, womöglich auch drastischen, Drop-Off rechnen?
Und das ist ein übergreifendes Thema: Wagner ist 35 Jahre alt. Zach Ertz wird 35 im Laufe der Saison. Terry McLaurin wird in ein paar Tagen 30, Austin Ekeler ist 30, Von Miller ist 36. Deebo Samuel ist 29 und kommt aus seiner schlechtesten Saison der letzten vier Jahre, Marshon Lattimore ist 29 und war nicht gut letztes Jahr. Beide hatten bereits zuletzt mit Verletzungen zu kämpfen. Laremy Tunsil ist 31 und kommt aus einer für ihn schwächeren Saison. Und Sam Cosmi arbeitet sich noch von einer schweren Verletzung zurück.
Es ist das älteste Team in der NFL und viele der Spieler, die den Altersschnitt deutlich anheben, sind essenzielle Säulen dieses Teams. Wenn hier der eine oder andere deutlich Drop-Off kommt, hätte das massive Auswirkungen auf das Team insgesamt.
Ich habe wenige Zweifel an Jayden Daniels. Dessen Rookie-Saison hat mich komplett überzeugt und er ist der zentrale Grund dafür, dass ich Washingtons Floor bei rund acht Siegen sehe. Doch das Gerüst um ihn herum ist sehr viel fragiler, als ich mir es von einem Win-Now-Team wünschen würde. Hier wird vieles nahezu ideal laufen müssen, dass die Commanders wieder einen Playoff-Run hinlegen können.
9. Denver Broncos
Können die Broncos ihre überraschend starke Defense-Saison wiederholen? Denver stellte in der vergangenen Saison die beste Defense nach Expected Points Added pro Play, sowie die Nummer-2-Defense nach Success Rate. Während sich die Offense im Liga-Mittelfeld einpendelte, war es in erster Linie die Defense, die Denver in die Playoffs beförderte.
Das ist eine ausgesprochen schwierige Prognose. Die Broncos haben ohne Frage ihre Fixpunkte, und mit Pat Surtain, Zach Allen, Nik Bonitto und den beiden Neuzugängen Dre Greenlaw und Jahdae Barron muss man der Defense einen gewissen Floor attestieren. Doch der Sprung letztes Jahr war so enorm und war auch spezifisch schematisch getrieben: Viel Man Coverage, viel Blitzing, viel vollgestellte Boxes, viele kreierte Eins-gegen-Eins-Matchups für die schnellen Pass-Rusher.
Gibt es einen Plan B, wenn Offenses darauf jetzt mehr Antworten haben? Gibt es defensive Antworten auf physische Offenses, die der leichten, schnellen Broncos Front mit einem Power Run Game schon letztes Jahr erhebliche Probleme bereiten konnten?
Meine Vermutung sieht so aus: Die Defense fällt aus der Top 2 eher Richtung Platz fünf bis acht, dafür aber kann die Offense einen Schritt nach vorne machen. Mit einer nach wie vor sehr guten Line, einem verbesserten Run Game, und den neuen Playmakern RJ Harvey und Evan Engram, die jeweils vakante offensive Rollen besetzen. Das, zusammen mit Bo Nix im zweiten Jahr, sollte die Offense näher an die Top 12 führen.
8. Houston Texans
Die Offense der Texans ist unter erheblichem Zugzwang. Nach Expected Points Added pro Play belegte Houston in der vergangenen Saison Platz 21, und das auch nur aufgrund der immer noch vorhandenen explosiven Plays. Denn in puncto Success Rate waren letztes Jahr einzig die Browns offensiv noch schlechter. Das ist sehr weit entfernt von dem, was man sich im zweiten Jahr mit C.J. Stroud erhofft hatte.
Die Offensive Line stand dabei zurecht in der Kritik. Houston hatte hier massive individuelle, wie auch strukturelle Probleme und das erschwerte offensiv alles. Die Texans entschieden sich hier für einen radikalen Ansatz, indem sie mit Laremy Tunsil ihren nach wie vor besten Offensive Lineman abgaben und stark darauf setzen, das mentale Makeup der Line drastisch zu verändern. Eine gewagte Strategie. Zumindest haben sie hier an vielen Hebeln gezogen und sowohl den Line-Coach als auch den Offensive Coordinator ausgetauscht. Das kann funktionieren, aber selbst der Best Case dürfte eine Line im Liga-Mittelfeld sein.
Christian Kirk und Jayden Higgins ersetzen voraussichtlich Stefon Diggs und Tank Dell, der erst einmal nicht spielen wird. Das Receiving Corps sollte intakt sein, angeführt von Collins.
Der Grund für Optimismus bei den Texans ist, dass die Offense angesichts der individuellen Qualität fast schon besser sein muss als letztes Jahr - und dass Houston die beste Defense der Liga haben könnte. Mit dem besten Edge-Duo ligaweit, einer herausragenden Secondary, einer physischen, explosiven Linebacker-Gruppe und einem Head Coach, der längst zu den defensiven Top-Coaches in der NFL gehört.
7. Detroit Lions
Die Säule des Lions-Runs der letzten beiden Jahre war ihre Offense. Und die zentralen Säulen dieser Offense waren Play-Caller Ben Johnson und die exzellente Offensive Line. Das Vertrauen in Dan Campbell als Head Coach dieses Teams ist an diesem Punkt berechtigt groß, aber mit den beiden ersten Aussagen als Ausgangslage muss man für die kommende Saison ein Downgrade prognostizieren.
Die Lions haben in dieser Offseason ihre Play-Caller auf beiden Seiten des Balls verloren. Dazu mehrere Position Coaches, unter anderem Defensive-Line-Coach Terrell Williams und Receiver-Coach Antwaan Randle El. Es ist der Tribut, den man als erfolgreiches Team zahlen muss, und umso bitterer ist es, wenn man dann einen der absoluten Leader auf dem Platz verliert: Der Rücktritt von Center Frank Ragnow wird die Offense qualitativ, aber auch strukturell schwächen. Er war derjenige, der Plays vor dem Snap korrigiert und der die Line anführt.
Auch Ragnows Nebenmann Kevin Zeitler verließ Detroit in der Offseason, und all das kann man unter diese Leitfragen stellen: Wie groß ist das Play-Caller-Downgrade? Und wie gut kommt Jared Goff mit einer womöglich merklich schlechteren Interior Line zurecht? Das könnte die Defense stärker in den Fokus rücken, die ebenfalls einen neuen Play-Caller hat und in der abzuwarten bleibt, wann Aidan Hutchinson wieder bei 100 Prozent ist. Von Vorjahres-Erstrunden-Pick Terrion Arnold muss jetzt in jedem Fall mehr kommen.
Die Lions haben nach wie vor jede Menge individuelle Qualität, und das in Kombination mit Dan Campbell sollte Detroit nach wie vor einen sehr hohen Floor geben. Das Ceiling schätze ich aber klar niedriger ein als im Vorjahr.
6. Los Angeles Rams
Ich denke, es gibt keinen "guten" Weg dafür, wie man die Matt-Stafford-Situation einpreisen soll, wenn es um die Saisonprognosen der Rams geht. Für diese Übung hier gehe ich davon aus, dass Stafford jetzt fit ist, nachdem wir glücklicherweise in der zweiten Augusthälfte schrittweise positive Updates bekommen haben - und preise im Hinterkopf ein, dass Stafford vielleicht nicht alle 17 Spiele spielen wird.
Mit Stafford sind die Rams für mich einer der Top-Contender in der NFC. Diese Offense könnte nochmal einen merklichen Schritt nach vorne machen, weil ich vermute, dass Davante Adams einen sehr viel größeren Impact haben wird, als Cooper Kupp im vergangenen Jahr. Und vielleicht gibt Jarquez Hunter ihnen die Explosivität im Run Game, die mit dem sehr konstanten, aber nicht sehr explosiven Kyren Williams fehlt.
Gleichzeitig ist es ein schmaler Grat, den die Rams beschreiten. Bleibt die Offensive Line, angefangen mit Alaric Jackson fit? Bleibt Stafford fit? Ist Adams mit seinen 32 Jahren noch der Spieler, der er zumindest letzte Saison noch war?
Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass die Defense deutlich besser sein wird. Die Front war schon letztes Jahr eine der besten jungen Fronts in der NFL, hier kommt mit Poona Ford ein weiterer stabilisierender Faktor dazu. Die größte Frage auf der Seite des Balls: Bekommen die Rams ein funktionales Cornerback-Trio aufs Feld?
5. Green Bay Packers
Haben die Packers genug gemacht, um die Lücke zu den Top-Teams in der Conference zu schließen? Der Trade für Micah Parsons war ein gigantischer Schritt auf diesem Weg. Jetzt gilt es, zu schauen, ob zusätzlich eigene Draft-Picks mehr Last schultern können.
Namentlich: Kann Lukas Van Ness die Eindrücke aus der Saisonvorbereitung bestätigen, und gemeinsam mit Parsons, Devonte Wyatt und Rashan Gary die starke Defensive Line bilden, in die Green Bay so viele Ressourcen gesteckt hat? Umso mehr, da die Cornerback-Gruppe dahinter das größte Fragezeichen des Teams darstellt.
Und kann Rookie-Receiver Matthew Golden Green Bay die Nummer 1 geben, die dieser Pass-Catcher-Gruppe letztes Jahr sehr deutlich gefehlt hat? Und das unabhängig von den zahlreichen Verletzungen in Green Bays Receiving Corps während der Offseason, zusätzlich zu Christian Watson, der noch in der Reha nach seinem in Woche 18 erlittenen Kreuzbandriss ist. Watson, wie auch Jayden Reed werden erst einmal nicht zur Verfügung stehen.
Die Offensive Line sollte wieder eine Stärke sein, und nach mehreren Verletzungen während der vergangenen Saison ist naturgemäß die Hoffnung, dass Jordan Love fit bleibt und auf 100 Prozent spielen kann.
Es gibt mittlerweile den realistischen Case dafür, dass die Packers als Team dieses Jahr den Schritt in die Spitze der Conference machen können. Vielleicht sogar mehr als das. Letztes Jahr waren sie mindestens zwei High-Impact-Spieler davon entfernt, und zumindest einen solchen haben sie jetzt mit Sicherheit dazu bekommen.
4. Kansas City Chiefs
Ja, die Chiefs kommen aus einer 15-2-Saison in der sie, ja, mal wieder im Super Bowl standen. Und trotzdem hat sich nichts davon letztes Jahr robust angefühlt. Kansas City hat jetzt saisonübergreifend 17 (!) One-Score-Games in Serie gewonnen, elf davon in der vergangenen Regular Season, sowie das AFC Championship Game gegen die Bills. Und da waren verrückte Spiele dabei, von Isaiah Likelys Fußspitze auf der Auslinie, über einen Raiders-Fumble in Field-Goal-Range zum Ende des Spiels, ein Game-Winner gegen die Chargers als Goal-Post-Abpraller oder ein geblocktes Field Goal gegen die Broncos, um in buchstäblich letzter Sekunde die 2-Punkte-Führung zu retten.
Man könnte Kansas City basierend auf alledem sowie darauf, dass die Chiefs mit der nach Expected Points Added pro Play Nummer-9-Offense und Nummer-15-Defense 15 Spiele gewannen, eine massive Regression prognostizieren. Und vielleicht kommt die auch, doch im Gegensatz zu anderen Teams, die sich Record-technisch in der obersten Perzentile ihres eigentlichen Outputs bewegt haben, mache ich mir bei den Chiefs relativ wenige Sorgen.
Das liegt maßgeblich an Patrick Mahomes. Zu sehen, wie er diese Offense trotz all ihrer Probleme letztes Jahr bewegen konnte, war so beeindruckend, wie es in den bloßen Stats unspektakulär war. Mit einer mutmaßlich besseren Offensive Line, einer tieferen Playmaker-Gruppe - die sie zugegebenermaßen auch brauchen werden, während Rashee Rice die ersten sechs Spiele gesperrt verpasst. Dennoch: Ich erwarte hier wieder mehr Explosivität.
Und die Defense hat ihre Stars in McDuffie und Chris Jones, das Gerüst drum herum ist in jedem Fall solide genug, um Shootouts meist zu verhindern. Kristian Fulton halte ich für eine sinnvolle Verpflichtung als Nummer-2-Corner und ich bin auf Jaden Hicks sowie auf Rookie-Interior-Pass-Rusher Omarr Norman-Lott gespannt. Beide könnten im Laufe der Saison wichtige Rollen einnehmen.
3. Buffalo Bills
Die Bills sind nicht so komplett wie die Ravens, wenn wir auf die Hierarchie in der AFC schauen. Dafür habe ich zu viele Fragezeichen noch mit Blick auf die Secondary, in der Safety längst nicht mehr die Stärke ist, die es mal war, während auf Cornerback Erstrunden-Pick Maxwell Hairston die ersten Wochen der Saison noch verletzt verpassen wird. Und der Pass-Rush sollte gut sein, aber hat er Top-8-Upside?
Buffalo fühlt sich für mich aber wie ein Team an, das vielleicht früh in der Saison noch ein paar Entwicklungsschritte vollziehen muss, um dann aber im Laufe des Jahres immer heißer zu laufen. Dann könnte die Defense eine Unit sein, die nicht nur solide in der Regular Season ist, sondern einen Unterschied in den Playoffs machen kann. Keon Coleman ist ein Breakout-Kandidat und könnte sich als Top-Receiver in dieser Offense etablieren. Ich bin sehr gespannt auf all die Big-Body-Pass-Rusher, die Buffalo jetzt in seiner Front hat.
Und die Baseline mit diesem Team ist unheimlich hoch. Mit einer Top-5-Line, einem Top-3-Quarterback, einer Offense insgesamt, die abermals eine Top-5-Unit sein wird, sofern sie fit bleibt. Joshua Palmer ist ein Upgrade gegenüber Mack Hollins, das Run Game ist exzellent und im besten Fall bekommen die Bills noch Production von einem Spieler wie Elijah Moore.
2. Philadelphia Eagles
Der Titelverteidiger hatte einen in dieser Situation - gemeint ist die Offseason nach dem Titelgewinn - nicht ungewöhnlichen Aderlass: Milton Williams, Josh Sweat, Mekhi Becton, Darius Slay, Avonte Maddox, Brandon Graham, C.J. Gardner-Johnson, dazu Offensive Coordinator Kellen Moore, der Quarterbacks-Coach Doug Nussmeier mit nach New Orleans nahm.
Die Eagles hatten letztes Jahr das kompletteste Team in der NFL mit herausragenden Difference Makern auf beiden Seiten des Balls. Das war das Rezept für eine dominante zweite Saisonhälfte und den Run bis zum Titel. Dementsprechend gilt es jetzt, abzuwägen, wie viele Prozentpunkte Philadelphia mit den Abgängen verliert.
Moro Ojomo wird in der Defensive Line eine prominentere Rolle einnehmen. Sydney Brown und Andrew Mukuba streiten um die Gardner-Johnson-Nachfolge. Azeez Ojulari, Jalyx Hunt und Joshua Uche rücken im Verbund auf, um die Lücke zu schließen, die Josh Sweats Abgang hinterlässt. Kelee Ringo könnte perspektivisch Darius Slay beerben, mit Adoree' Jackson und Jakorian Bennett als neu verpflichteter Alternative. Generell war der zweite Outside-Corner-Spot allerdings noch ein Sorgenkind in der Saisonvorbereitung.
Philadelphia hat immer noch die beste Offensive Line in der NFL, eine Top-Tier-Playmaker-Gruppe, einen der besten Defensive Coordinators ligaweit, eine tolle Secondary und Elite-Front-Spieler in Jalen Carter und Zack Baun. Playoffs müssen das Mindestziel sein, und wenn sich einige der jungen Spieler wie erhofft entwickeln, kann Philadelphia abermals das beste Gesamt-Team ligaweit haben.
1. Baltimore Ravens
Nachdem die Eagles einiges an Qualität verloren haben, sehe ich einen Case dafür, dass die Ravens das kompletteste Team in der NFL haben - und das zusätzlich zu ihrem Top-3-Quarterback.
Und dabei ist der Spielraum nach oben für dieses Team ohnehin überschaubar. Die Ravens hatten schon letztes Jahr die beste Offense in der NFL, sowie eine Top-5-Defense. Für so ein Team geht es um die einzelnen Prozentpunkte.
Beispielsweise, indem man in Mike Green vielleicht den Sack-Spezialisten findet, der weder Odafe Oweh, noch Kyle Van Noy sind. Oder indem DeAndre Hopkins als Nummer 3 und vielleicht mehr im Slot die vierte oder fünfte Receiving-Option verbessert. Indem Malaki Starks es Kyle Hamilton erlaubt, wieder freier eingesetzt zu werden. Indem die Kombination aus Jaire Alexander - wenn fit - und Chidobe Awuzie Baltimore besseres Nummer-3-Cornerback-Play gibt.
Die Ravens haben in dieser Offseason viele präzise Verbesserungen gesucht. Wenn diese Moves greifen, könnte Baltimore der große Wurf endlich gelingen.
Und natürlich gibt es auch bei den Ravens Fragezeichen. Insbesondere Guard mit Andrew Vorhees und Daniel Faalele könnte eine Schwachstelle werden. In der Defense ruhen einige Hoffnungen auf zwei Rookies. Und wie viel bekommen sie realistisch von Jaire Alexander?
Kein Team startet ohne Fragezeichen in eine Saison. Bei den Ravens wirken diese Fragezeichen vor Woche 1 am kleinsten.