Rodgers schürt die hohe Steelers-Erwartungshaltung - 60 Yard ins Glück
Seit den letzten Jahren von Legende "Big Ben" Roethlisberger, der damals noch als Aktiver abgebaut hatte, sucht Pittsburgh eine wirklich vielversprechende Lösung auf Quarterback. Für den Moment haben sich die Steelers auf den in der Offseason geholten Aaron Rodgers festgelegt. Und der 41-jährige Oldie zeigte direkt in Week 1 beim Gastspiel in New York bei seinem Ex-Team, den Jets, dass auf ihn noch immer Verlass ist. "A-Rod" brachte bei diesem Drama mit sieben (!) Führungswechseln 22 von 30 Pässen an den Mann - für stolze vier Touchdowns. Was dabei auffiel: Der vor einer nicht immer komplett sicher haltenden Offensive Line agierende Routinier (vier kassierte Sacks) band quasi all seine Wide Receiver, Tight Ends und Running Backs mit ein - D.K. Metcalf für 83 Yards, Calvin Austin für 70 inklusive Score und weitere TD-Würfe auf Ben Skowronek, Jaylen Warren, Jonnu Smith.
Gegen all das hatte aber auch Jets-Spielmacher Justin Fields, für den dieser Tag ebenfalls mit einem Wiedersehen versehen war (vergangene Regular Season für die "Steel City" aktiv), mit seinem Angriff immer wieder etwas dagegenzusetzen. Ein TD-Pass, zwei selbst erlaufene Scores und kein großer Fehler reichten den New Yorkern, die im gesamten ersten Abschnitt nicht einmal zum Punt angesetzt hatten (letztmals 1991) aber nicht für den ersehnten Heimsieg unter dem neuen Head Coach Aaron Glenn. Auch weil in den Schlusssekunden ein wichtiger Pass auf Garrett Wilson stark von Steelers-Cornerback-Neuzugang Jalen Ramsey verteidigt wurde.
Den Steelers-Sieg unter Dach und Fach brachte letztlich übrigens nicht die stark aufgestellte Defense oder eben der eindrucksvoll aufspielende Rodgers ("Ein verrücktes Spiel - "ich liebe das Franchise, dass es mich geholt und mir eine Chance gegeben hat"), sondern Kicker Chris Boswell. Der schon seit 2015 für Pittsburgh verantwortlich zeichende Kicker traf zum entscheidenden 34:32 aus bärenstarken 60 Yards - und schürte zusammen mit dem Vintage-Auftritt von Rodgers direkt weitere Hoffnungen auf die Playoffs und mehr.
Cincinnati mit Zittersieg in Cleveland
Mindestens in die Endrunde wollen auch die wie Pittsburgh ebenfalls in der AFC North angesiedelten Cincinnati Bengals, was sie mit ihrer famosen und zugleich teuer bezahlten Offense um Joe Burrow, Ja'Marr Chase und Tee Higgins auch müssen. Doch wie gewohnt - seit der Installation von Head Coach Zac Taylor im Jahr 2019 hatte Cincy in den ersten zwei Saisonspielen eine katastrophale Bilanz von 1-11 - tat sich das Team schwer. Sogar sehr schwer beim Auftritt in Cleveland.
Die heimischen und vor dieser Regular Season wirklich nicht als gefährliches Team beschriebenen Browns um den bereits 40-jährigen sowie nicht mehr sehr beweglichen Quarterback Joe Flacco hatten bis kurz vor Schluss sogar den Sieg in der Hand. Doch ein verschossenes Field Goal von Kicker Andre Szmyt aus 36 Yards - das wäre die 19:17-Führung gewesen - sowie eine darauffolgende Interception von Flacco (insgesamt 259 Yards, ein TD, zwei Interceptions) verhalfen den Bengals zum glücklichen Auftaktsieg. Burrow selbst war im Verlauf der Partie auf für seine Verhältnisse magere 113 Yards plus Touchdown gekommen. Chase darüber hinaus nur auf 26 Yards.
Mayfield beweist Nerven, Koo nicht
Eng ging es auch in anderen Stadien bei dieser ersten sonntäglichen Konferenz der neuen Regular Season zu - besonders in Atlanta, wo es innerhalb der NFC South zum Vergleich zwischen Falcons und Buccaneers kam. Unter anderem mit einem großartig eingesprungenen Touchdown von Michael Penix Jr., der sich noch einmal vor dem Erreichen der Endzone elegant aufgestützt hatte, hielten die Gastgeber die Angelegenheit gegen den favorisierten Gast aus Florida offen und hochspannend.
Den Tick mehr aber machten letztlich die Bucs, die gerade mit Spielmacher Baker Mayfield (drei Touchdown-Pässe), Rookie-Receiver Emeka Egbuka (zwei Scores) und Bucky Irving (ein TD) immer wieder in wichtigen Momenten zur Stelle waren. Obendrein konnte sich Tampa Bay noch bei Falcons-Kicker Younghoe Koo bedanken. Dem seit 2019 aktiven Südkoreaner, der schon so oft kurz vor Schluss getroffen und sich in der Offseason gegen den deutschen Kicker Lenny Krieg behauptet hatte, versagten dieses Mal die Nerven. Beim Versuch nämlich, mit Ablauf der Uhr aus 44 Yards die Overtime zu buchen, zielte Koo nicht genau genug - und die Buccaneers gewannen 23:20.
"Trainer-Opa" Carroll steigt mit Raiders-Sieg ein
73 Jahre, 357 Tage: Kein Head Coach in der NFL war jemals älter als Pete Carroll. Doch der langjährige Chef an der Seitenlinie bei den Seattle Seahawks hat bekanntlich noch nicht genug und deswegen seit dieser Offseason die Las Vegas Raiders unter seiner Obhut.
Der Einstand konnte sich dabei direkt sehen lassen: Die Mannen aus der Spielermetropole schlugen die in dieser Saison durchaus für einen Playoff-Lauf infrage kommenden New England Patriots in deren Heimstätte mit 20:13. Besonders der aus Seattle geholte Geno Smith wusste dabei mit stolzen 362 Passing Yards plus Touchdown-Pass zu überzeugen. Der massige Rookie-Läufer Ashton Jenty sammelte obendrein seinen ersten Score ein, während Tight End Brock Bowers mit fünf Catches 103 Yards verbuchte. Unter anderem ein Sack von Defense-Monster Maxx Crosby half zudem dabei, die im zweiten Durchgang schwächelnden Pats bei wenigen Punkten zu halten.
Colts und Jones verpassen den Fins eine Abreibung
Die Indianapolis Colts haben erstmals seit 2013 wieder ein Spiel in Woche 1 gewonnen. Beim Debüt von Quarterback Daniel Jones ließ das Team aus dem US-Bundesstaat Indiana den Miami Dolphins beim 33:8 nicht den Hauch einer Chance. Bei den offensiv mit Tyreek Hill und Co. eigentlich hochwertig aufgestellten Dolphins wiederum lief rein gar nichts zusammen. Die ersten fünf offensiven Drives endeten jeweils mit Interception, Fumble, Punt, Interception sowie einem Turnover on downs. Beim Touchdown durch De'Von Achane samt erfolgreicher Two Point Conversion Mitte des vierten Viertels zum "Anschluss" von 8:30 war die Messe längst gelesen.
Während Tua Tagovailoa sogar am Ende durch Backup Zach Wilson ersetzt worden war, lieferte der in der Offseason vor Anthony Richardson als Start bestätigte Jones (ehemals Vikings und Giants) einen überzeugenden Einstand bei seinem neuen Team. Zu 22/27 angebrachten Pässen samt Touchdown-Pass auf Michael Pittman Jr. gesellten sich 26 Rushing Yards sowie zwei Rushing Scores. Zu viel für die auf vielen Ebenen enttäuschenden Fins, die sich mit Head Coach Mike McDaniel so warm anziehen müssen für die Saison.
Commanders feiern Rookie und Deebo
Jones' ehemaliger Arbeitgeber, die New York Giants, sind hingegen mit einer Niederlage in die neue Spielzeit gestartet. Das Team um Neuzugang Russell Wilson unterlag bei den zuletzt bis ins NFC-Finale vorgestoßenen Washington Commanders mit 6:21. Wilson selbst konnte der Partie nicht seinen Stempel aufdrücken, brachte mit 17/37 weniger als die Hälfte der Pässe an den Mann. Gleichzeitig konnte sich "Russ" auch nicht auf das Run Game stützen. Mit 44 Yards war der 36-Jährige selbst Leading Rusher seines Teams.
Auf der anderen Seite war Rookie-Running-Back Jacory Croskey-Merritt (Pick 245), der 82 Yards und einen Touchdown erlief, auffällig. Auch Neuzugang Deebo Samuel feierte mit sieben Catches für 77 Yards und einen 19-Yard-Lauf inklusive Score einen tollen Einstand. Der in sein zweites NFL-Jahr gehenden Commanders-Quarterback Jayden Daniels derweil überzeugte neben seinen Fähigkeiten am Boden (68 Yards) mit 233 Passing Yards sowie einem Passing Touchdown auf Tight End Zach Ertz.