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Rafael Nadal, Verletzung: Was bedeutet das Müller-Weiß-Syndrom?

Lesezeit: 4 Min.
Rafael Nadal French Open 29052021 Getty Images

Rafael Nadal hat in dieser Saison bislang beide Grand-Slam-Turniere gewonnen. Im Januar triumphierte er bei den Australian Open, im Juni holte er sich den 14. Titel bei den French Open. Man könnte meinen, alles wäre bestens bei Nadal, doch die spanische Tennis-Legende plagt sich seit Jahren mit einer chronischen Fußverletzung herum, genannt Müller-Weiß-Syndrom.

Mittlerweile mehren sich die Anzeichen, dass ein Karriereende nicht in allzu weiter Ferne liegt. Nadal muss der Knochenmühle ATP Tour Tribut zollen und kann längst nicht mehr alle Turniere spielen. Er muss ganz genau planen, welche Turniere er spielen will und welche einfach nicht mehr gehen. 

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Rafael Nadal, Verletzung: Was bedeutet das Müller-Weiß-Syndrom?

Beim Müller-Weiß-Syndrom handelt es sich um eine seltene (erworbene) Erkrankung mit doppelseitiger Osteochondrose (Degeneration, Störung der Knochenstruktur) des Os naviculare (Kahnbein am Fuß) beim Erwachsenen. Übersetzt bedeutet das, dass das Knochengewebe des Kahnbeins am Fußskelett aufgrund einer Durchblutungsstörung abstirbt. Dies führt zu Einschränkungen am Fuß und kann starke Schmerzen verursachen. 

"Das Kahnbein spielt beim Laufen eine große Rolle", erklärte Stefan Schneider, Orthopäde im OrthoCentrum in Hamburg dem Tennismagazin die Verletzung. "Es sitzt am inneren Fußrand. Dieser Knochen spielt eine entscheidende Rolle bei der Übertragung des Körpergewichts beim Gehen oder Laufen auf den Untergrund. Aufgrund seiner Position im Fuß ist er für das Aufrechterhalten des Fußgewölbes notwendig." Bildlich gesprochen, ist der Fuß in zwei Hälften geteilt. 

Nadal plagt sich nun seit 15 Jahren mit der Verletzung herum und ist trotzdem immer wieder in der Lage, Weltklasse-Leistungen abzuliefern. Das liegt zum einen an einer hohen Schmerztoleranz und zum anderen auch daran, dass er gelernt hat, damit umzugehen. Dabei ist die Verletzung nicht immer gleich schlimm und intensiv. Dass diese Schmerztoleranz allerdings nicht immer ausreicht, sah man zuletzt beim Masters-Turnier in Rom, als Nadal gegen Denis Shapovalov sichtlich gehandicapt das Spiel laufen lassen musste und verlor. 

In der Regel behandelt man das Syndrom mit Ruhepausen, Stoßwellen- und Ultraschalltherapien und speziellen Einlagen. Eine Operation, die auch Nadal in Betracht zog, ist mit einem Risiko verbunden. Die Bewegungsfähigkeit des Fußes könnte eingeschränkt werden. 

Das Syndrom ist nach dem deutschen Orthopäden Walther Müller (1888–1949) und den Wiener Radiologen Konrad Weiss (1891–1976) benannt, die für die ersten Beschreibungen der Symptome verantwortlich waren. 

Rafael Nadal French Open 2020

Quelle: Getty Images

Rafael Nadals Verletzung: Die Situation vor Wimbledon

Auf der Pressekonferenz nach seinem Finalsieg bei den French Open gegen Casper Ruud gab Nadal Einblicke in seine Verletzungssituation. "Ich habe mit Injektionen in die Nerven gespielt, die den Fuß betäubt haben. Nur deshalb konnte ich in den vergangenen zwei Wochen spielen", sagte Nadal und ergänzte: "Ich will gar nicht sagen, wie viele Spritzen ich bekommen habe. Denn Sie können sich vorstellen, dass ich auch viele entzündungshemmende Mittel nehmen musste."

Und gleichzeitig räumte er ein, dass dies kein Dauerzustand sein kann: "Ich will mich nicht noch einmal in diese Lage bringen. Das kann ich einmal machen, aber das ist keine Lebensphilosophie, die ich verfolgen will." Und so begab sich Nadal bereits zwei Tage später in Barcelona in Behandlung. Mit einer Nervenbehandlung sollte der Zustand verbessert werden.  Danach sah man den 36-Jährigen auf Krücken die Klinik verlassen. 

Die Behandlung scheint angeschlagen zu haben. Er werde "am Montag nach London reisen, ein Showspiel in Hurlingham bestreiten und eine Woche trainieren, um zu sehen, ob es möglich ist", gab der Spanier zuletzt bekannt. Das zitierte Showmatch gegen Stan Wawrinka gewann Nadal mit 6:2 und 6:3. 

Und so wird Nadal auch das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon bestreiten. Er wird dort neben Novak Djokovic zu den Topfavoriten gehören. 

Rafael Nadal im Steckbrief

Alter 36
Profi seit 2001
Spielhand links
Rückhand  beidhändig
Coach Carlos Moya, Francisco Roig, Marc Lopez
Weltrangliste 4 (Career High 1)
Turniersiege 92
Preisgeld 130,6 Millionen Dollar

 

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