2-3 gegen Valencia, das hatte sich Panathinaikos Athen vor der Serie sicherlich anders vorgestellt. Trotz zweier Auswärtssiege zum Start reichte es für das Powerhouse mit einem Luxuskader nicht, in Spiel 5 fielen die Griechen schließlich fast schon auseinander. Es war ein Offenbarungseid, auch wenn Coach Ergin Ataman versuchte, erneut lieber über die Fehler der Schiedsrichter zu sprechen.
Die Frage, ob er nun zurücktreten werde, ignorierte der Türke dann komplett und verließ das Podium. Da die griechischen Playoffs noch anstehen, dürfte über die Zukunft von Ataman erst im Sommer entschieden werden, aber dazu später mehr.
Panathinaikos: Verfehlte Personalpolitik
Es ist nicht das erste Mal, dass die Grünen mit Besitzer Dimitris Giannakopoulos vor allem auf die großen Namen schauen. Jonas Valanciuas sollte im Sommer eigentlich kommen, stattdessen wurde es unter anderem T.J. Shorts. Die Zweifel, ob das mit MVP Kendrick Nunn funktionieren könnte, waren umgehend da und das bestätigte sich auch über die Saison.
Shorts hatte nur vereinzelt gute Auftritte, zum Beispiel im Play-In, war ansonsten aber oft einfach nur Atamans Prügelknabe, der immer wieder öffentlich Schelte einstecken musste. Das Halbzeitinterview („Spielten Vier-gegen-Fünf mit Shorts“) war dafür nur der letzte Beweis. Dazu gelang es nicht einen fähigen Center zu verpflichten, der auch mal unter dem Korb aufräumt.
Richaun Holmes war das nicht, Kenneth Faried spielte einen guten Monat und tauchte dann komplett ab. Wenig verwunderlich, schließlich hatte der 36-Jährige zuvor in einem italienischen EuroCup-Team und dann in Puerto Rico und Taiwan gespielt. Dass er nicht die Lösung sein würde, hätte man ahnen können.
Dazu passte es im Backcourt auch neben Nunn und Shorts nicht zusammen. Der einzige passable Verteidiger ist Jerian Grant, der mit 33 Jahren auch schon seine Jahre hinter sich hatte, von Kostas Sloukas ganz zu schweigen.
Die Stärken im Team lagen dagegen mit Cedi Osman, Juancho Hernangomez (noch so ein Prügelknabe) oder Nikos Rogkavopoulos auf dem Flügel. Dass PAO dann in Nigel Hayes-Davis im Februar noch einen weiteren Flügelspieler holte, war kaum nachzuvollziehen. Gleiches galt für die Entscheidung, Center Ömer Yurtseven gehen zu lassen, da wenig später auch Holmes ging.
Panathinaikos: Leistungsträger bauen ab
Die Namen waren weiter groß, aber das Niveau hat nachgelassen. In Shorts, Vassilis Toliopoulos und Dinos Mitoglou waren nur drei Rotationsspieler unter 30 Jahren mit dabei. Spieler wie Grant, Sloukas, Marius Grigonis oder auch Mathias Lessort haben dagegen massiv abgebaut.
Im Falle von Lessort war es die schwere Verletzung, die der Franzose noch nicht komplett hinter sich gelassen hat. Dennoch fällt es schwer, einen Spieler zu nennen, der eine wirklich gute Saison absolviert hat.
Das gilt übrigens auch für Ex-MVP Nunn, der gegen Valencia eine vergleichsweise schwache Serie spielte und nur selten zum Korb kam. Dem Kader ging eine gewisse Dynamik ab, weswegen man sich im Vergleich zu den Vorjahren nicht leisten konnte, langsam in Spiele zu starten.
Die individuelle Klasse blitzte nur noch zu selten durch, auch der nachverpflichtete Hayes-Davis konnte daran nicht mehr viel ändern.
Panathinaikos: Ataman fehlen die Antworten
Dazu rächte sich, dass Ataman eben kein Taktikfuchs im Stile von Sarunas Jasikevicius oder anderen Coaches in der Liga ist. Der Türke ist dann am besten, wenn er Star-Mannschaften managen kann, wirklich ausgeklügelte Systeme oder taktische Kniffe gibt es von ihm eher selten.
Ataman hatte ein Jahr Zeit, um Shorts irgendwie zu integrieren, schaffte es dies aber nicht. Stattdessen wurden zahlreiche Spieler immer wieder in den Medien angezählt, was auf Dauer einfach nicht gut gehen kann.
Auch in Spiel 5 reagierte Ataman kaum. Shorts wurde auf die Bank gesetzt, dafür Toliopoulos ausprobiert, doch an der taktischen Ausrichtung veränderte sich kaum etwas. Warum war das Team nicht besser vorbereitet? Bei allen Schwächen, die der Kader hat (diesen hat Ataman übrigens weitestgehend selbst gebastelt), hätte man verschiedene Dinge ausprobieren können.
Ataman tat es kaum und womöglich wird es auch deswegen seine letzte Saison in Athen sein. Wer so viel Geld ausgeben und fast alle seine Wunschspieler bekommen kann, der muss auch liefern. Das gelang dem Türken wie schon im Vorjahr (schmeichelhafter Einzug ins Halbfinale) nicht und die Geduld des Besitzers ist bekanntlich sehr schnell aufgebraucht.
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